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Die IndyCars der Zukunft werden wieder Entwicklung in bestimmten Bereichen sehen
J.R. Hildebrand probierte einen Aerokit-Testträger in Mid Ohio © IndyCar

J.R. Hildebrand und Tony Kanaan haben in Lexington Testfahrten mit einer Vorstufe des nächsten Aerokits getestet - Hinterreifen wieder ungeschützt

Auf der Suche nach einer neuen Einheitsaerodynamik, die voraussichtlich erst zur Saison 2018 eingeführt werden wird, hat IndyCar bei den Testfahrten in Mid Ohio einen ersten Testträger ausprobiert. J.R. Hildebrand und Tony Kanaan fuhren eine neue Variante: Nicht nur zierte erstmals ein Diffusor einen IndyCar-Boliden, sondern standen auch die Reifen erstmals am Dallara DW12 frei. Insgesamt 120 Runden spulten die beiden Fahrer ab, die meisten davon dicht hintereinander.

Seit Einführung des aktuellen Chassis in der Saison 2012 waren die Hinterräder bei den IndyCars mit sogenannten Wheel Guards versehen, die ein Aufsteigen der Fahrzeuge verhindern sollen. Puristen sahen darin eine Verletzung der Prinzipien des "Open Wheel Racings". Kanaan und Hildebrand simulierten bei den Testfahrten Rennsituationen: Volle Tanks, frische Reifen und dann dichtes Auffahren. IndyCar legt einen großen Wert darauf, dass das "Dirty Air"-Phänomen beim neuen Kit so gering wie möglich ausfällt und hat dazu bereits wissenschaftliche Untersuchungen angestellt.

Die Wahl fiel nicht umsonst auf Hildebrand: Der US-Amerikaner hält einen Ingenieurs-Abschluss und kennt sich mit wissenschaftlicher Herangehensweise aus. Doch alle graue Theorie muss sich erst in der Praxis bestätigen. IndyCar-Renndirektor Jay Frye und die beiden Fahrer sprachen mit 'Racer' über den Test. "Wir haben viele Computerdaten, aber noch wichtiger: Daten von der Strecke und Feedback der Fahrer", sagt Frye. "Daten von der Strecke sind das, was zählt. Und aus diesen Daten kann man viele Dinge lernen."

Tony Kanaan, der womöglich nicht mehr als aktiver Fahrer in den Genuss des neuen Aerokits kommen wird, brachte seine große Erfahrung ein. "Ich wollte unbedingt Teil dieses Tests sein", sagt der Indy-500-Sieger von 2013. "Dieses Fahrzeug werden wir für mehrere Jahre haben, deshalb werden wir die bestmögliche Abtriebs-Konfiguration eruieren, um die Show für die Zuschauer besser zu machen."

Für Hildebrand war es eine willkommene Gelegenheit, wieder in ein IndyCar zu steigen, nachdem er seit mehreren Jahren nur noch für die Indianapolis-Rennen als regulärer Fahrer dabei ist. "Tony und ich haben alles miteinander ausgemacht", sagt der 28-Jährige. "Wir können hier sehr viel lernen. Wir haben keine spezielle Agenda darin, zu verstehen, was gut fürs Racing ist. Sie wollen verstehen, was das Beste ist und das Racing verbessern, ohne es zu künstlich werden zu lassen. Es ist eine sehr puristische Herangehensweise."

Der Test in Lexington war nur der erste von vielen Versuchen, die IndyCar unternehmen wird, um die nächste Aerodynamik-Generation vorzubereiten. Ursprünglich sollten die jetzigen Aerokits von Honda und Chevrolet bereits 2017 aufgegeben werden, doch aufgrund des knappen Zeitplans deutet derzeit alles darauf hin, die aktuellen Kits einzufrieren und noch ein Jahr zu verwenden. Die neue Einheits-Aero soll dann 2018 kommen.

© Motorsport-Total.com

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