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R.C. Enerson im Coyne-Cockpit: Das gefällt Sam Schmidt gar nicht
R.C. Enerson im Coyne-Cockpit: Das gefällt Sam Schmidt gar nicht © IndyCar

R.C. Enerson wird für Dale Coyne Racing das IndyCar-Rennen in Mid Ohio fahren - Gleichzeitig flattert eine Klage seines Indy-Lights-Teams ins Haus

Karrierestart unter schweren Vorzeichen: Der in Europa eher unbekannte US-Amerikaner R.C. Enerson wird in Mid Ohio den zweiten Coyne-Honda an der Seite von Conor Daly steuern. Er verdrängt damit Luca Filippi, der bereits mehrfach in dieser Saison Platz für Gabby Chaves machen musste. Der 19-Jährige gilt als aufstrebendes Talent, hatte aber eine schwache Lights-Saison 2016. Gleichzeitig gibt es Anwaltspost von Schmidt-Peterson. Dieser hätte gerne noch 500.000 US-Dollar.

"Ich hätte nicht gedacht, dass wir noch 2016 ein Cockpit ergattern und ein IndyCar-Rennen fahren könnten!", jubelt Enerson. "Es ist fantastisch, diese Erfahrung jetzt zu machen. Ich freue mich riesig drauf, gegen die Fahrer zu fahren, die ich mir immer angesehen habe, als ich aufgewachsen bin. Ich meine, so Typen wie Helio Castroneves und Tony Kanaan, die schon so lange dabei sind. Da denkt man sich: 'Wow, mit denen wirst du jetzt Rennen fahren!' Das wird ein großer Schritt."

Der Youngster hatte bei den Testfahrten auf dem Mid Ohio Sports Car Course in Lexington Teamchef Dale Coyne beeindruckt und sofort das Cockpit erhalten. "Der Test lief wirklich gut. Was ich noch am meisten üben muss, ist, die Markierungen beim Boxenstopp zu treffen", sagt er. Der Knackpunkt: Seine Eltern finanzieren den Einsatz mit einem Budget, das eigentlich für die Indy Lights-Saison 2016 vorgesehen war. Diese hatte er mit Schmidt-Peterson bestritten. Die Saison lief alles andere als nach Maß, sodass er sie vorzeitig abbrach und sich nach einem IndyCar-Cockpit umsah.

Sam Schmidt schwer enttäuscht

Das will Teambesitzer Sam Schmidt nicht auf sich sitzen lassen. Und so erhielt Familie Enerson nun Anwaltspost. Das Team will eine halbe Million US-Dollar sehen. "Es ist sehr schade, denn wir halten sehr viel von R.C.", sagt er gegenüber 'Racer'. "Er ist ein talentierter Fahrer und wir sind überzeugt, dass er Vollzeit in die IndyCar Serie gehört. Wir wissen, dass er selbst damit nichts zu tun hat und ich möchte auch seiner Karriere nicht im Weg stehen. Aber wir hatten einen festen Vertrag." Dieser beinhaltete die ganze Saison Indy Lights und wurde seines Erachtens unilateral gekündigt.

Sehr wenig hält er daher von dem Verhalten der Familie Enerson. "Ich bin jetzt seit 20 Jahren in diesem Fahrerlager und hatte noch nie den Grund, jemanden vor Gericht ziehen zu müssen", poltert der seit einem schweren IRL-Unfall im Jahre 2000 an einen Rollstuhl gefesselte Teambesitzer. "Wir haben alles versucht, die Situation vernünftig beizulegen, aber die andere Seite hat absolut keine Reaktion auf E-Mails oder Sprachnachrichten gezeigt. Sie wollen sich einfach nicht an einen Tisch mit uns setzen, um das Auge in Auge zu besprechen. Die Klage war unsere einzige Möglichkeit."

Schmidt macht klar, dass er die Sache lieber außergerichtlich beilegen würde. So geschah es bereits mit Michail Aljoschin in der Saison 2014, als dieser seine Sponsorengelder von der SMP Bank aufgrund der US-Sanktionen gegen Russland nicht mehr bezahlen konnte. "Es war damals absolut nicht notwendig, irgendwas rechtlich zu klären, weil wir miteinander geredet haben", erinnert sich Schmidt. "Das waren professionelle Gespräche unter Geschäftsleuten. Wir haben nicht einmal darüber nachgedacht. Jetzt ist es unsere einzige Chance bei Enerson, weil sie einfach nicht auf unsere Anfragen antworten."

R.C. Enerson hat seit 2012 die "Road to Indy" über die U.S. F2000 und die Indy Lights durchlaufen. 2014 wurde er Vizemeister in der F2000, 2015 in seinem Rookie-Jahr bei den Lights Meisterschaftsvierter mit einem Saisonsieg - passenderweise in Mid Ohio. Er möchte 2017 eine komplette IndyCar-Saison bestreiten und nutzt das Rennen in Lexington zur Vorbereitung.

© Motorsport-Total.com

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