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Nach 27 gemeinsamen Saison wird es Ende 2016 vorbei sein: Target ist raus
Nach 27 gemeinsamen Saison wird es Ende 2016 vorbei sein: Target ist raus © LAT

Die IndyCar Serie verliert Ende 2016 einen ihrer illustresten Sponsoren: Die Target Corporation verlässt Ganassi Racing - NASCAR-Sponsoring bleibt bestehen.

Bekanntlich hat bis auf die Wurst alles ein Ende - so auch eine legendärsten Partnerschaften der Motorsport-Geschichte: Nach 27 gemeinsamen Saisons wird die Einzelhandelskette Target die IndyCar Serie als Sponsor des Ganassi-Teams verlassen. Unter dem Sponsoring des zweitgrößten Einzelhändlers der USA fuhr das Team von Chip Ganassi bisher 101 Siege, elf Fahrermeisterschaften und vier Indy-500-Siege in CART, IRL und IndyCar ein. Das NASCAR-Sponsoring bleibt indes bestehen.

Eine Veränderung im Management der Target Corporation war das auslösende Moment für das Ende der zweilängsten Sponsorenpartnerschaft im amerikanischen Motorsport. Nur Penske kommt mit 28 Jahren Partnerschaft mit Miller Brewing (28 Jahre im NASCAR Sprint Cup) auf einen höheren Wert - auch diese Ära endet Ende 2016. Zum Abschied wurde zu Beginn der Saison der Chevrolet von Scott Dixon in einem Retro-Design lackiert, das an die erfolgreichste Zeit der Partnerschaft in den 1990er-Jahren erinnert, als Ganassi Racing mit den Fahrern Jimmy Vasser, Alex Zanardi und Juan Pablo Montoya vier Meisterschaften in Folge gewann.

"Sie sind der beste Sponsor aller Zeiten im Motorsport", sagt ein emotionaler Chip Ganassi. Sie haben mein Leben verändert und mir nur Gutes getan. Sie haben mich persönlich und beruflich weiterentwickelt." Keine Verbitterung, nur Dankbarkeit. "Es ist schade, dass sie nun die Serie verlassen, aber ihr könnt beruhigt schlafen: Scott Dixon und der Chevrolet Nummer 9 werden auch nächstes Jahr und darüber hinaus am Start stehen. Es wird lediglich andere Farben tragen." Target hat inden letzten Jahren bereits sein Sponsoring auf ein Fahrzeug reduziert und ist nur noch mit einem Logo, aber nicht mehr mit Schriftzug auf dem Dixon-Chevy zu sehen.

Target-Debakel in Kanada

Auch die IndyCar Serie bedankt sich in einer Presseaussendung bei Target für die Unterstützung über fast drei Dekaden. Serienchef Mark Miles bedankt sich persönlich "für ihre außergewöhnliche Unterstützung des Monoposto-Sports und Chip Ganassi Racing in den vergangenen 27 Jahren. Die Marke wird stets ein zentraler Teil unserer sportlichen Geschichte sein. Die Anzahl an Rennsiegen, Meisterschaften und Indianapolis-500-Siegen sind wie auch die rote Lackierung beispiellos."

Die Target Corporation beschreibt die Trennung durch die übliche PR-Blume: Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, doch Target stehe für etwas Junges und Frisches, weshalb es an der Zeit gewesen sei, getrennte Wege zu gehen, verkauft es Target-Vizepräsident Scott Nygaard gegenüber 'AP'. In Wahrheit kommt für das neue Management, das seit 2014 die Fäden zieht, der Rückzug wahrscheinlich bereits 15 Jahre zu spät: Der amerikanische Monoposto-Sport hat den Split nie wirklich verarbeiten können und kommt nur langsam aus dem Popularitäts-Tal heraus und muss immer wieder Rückschläge verkraften.

Eine Rolle spielt auch eine Expansion nach Kanada, die in einem der schlimmsten Desaster in der amerikanischen Business-Geschichte endete: Target Canada fuhr binnen vier Jahren einen Verlust von 2,1 Milliarden US-Dollar ein - der Kaufpreis der Zellers-Kette betrug 1,8 Milliarden Dollar. Angesichts eines solchen Debakels ließ sich das Sponsoring in der reichweitenschwächeren Motorsport-Disziplin schon seit längerer Zeit nicht mehr vor Aktionären rechtfertigen.

Stars mit Target-Banner

Die Partnerschaft begann im Jahre 1990, weil der damalige Ganassi-Pilot Danny Sullivan eine junge Dame kannte, die bei Target arbeitete. "Niemand hätte damas geahnt, dass wir für beinahe drei Dekaden zusammenbleiben würden", erinnert sich Chip Ganassi. Beide Seite profitierten von dem Deal: Target kaufte ganze Zeitungsseiten und präsentierte Fahrer wie Alex Zanardi prominent, was den CART-Boom der 1990er-Jahre begünstigte.

Jimmy Vasser, Alex Zanardi und Juan Pablo Montoya stiegen zu Stars auf, die es mit Football-Superstars aufnehmen konnte. Target nutzte das Sponsoring für clevere Marketing-Aktionen. Angesichts des Splits ging jedoch die Popularität des Open-Wheel-Racings mit der Jahrtausendwende in den USA zurück. Der jetzige Rückzug könnte eine der spätesten Spätfolgen sein.

Auch in der IRL/IndyCar-Zeit wurden Stars geboren: Scott Dixon und Dario Franchitti bestimmten die Szene vor und nach der Wiedervereinigung. Zuletzt holte Dixon den Titel im Jahr 2015 - wie es aussieht, den letzten der Target-Ganassi-Geschichte in der IndyCar Serie. Target wird im IndyCar-Fahrerlager vermutlich nie vergessen werden.

© Motorsport-Total.com

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