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Alex Zanardi hätte seinen Unfall eigentlich gar nicht überleben dürfen
Alex Zanardi hätte seinen Unfall eigentlich gar nicht überleben dürfen © xpbimages.com

Alex Zanardi spricht über seinen Unfall vor 15 Jahren und verrät unter anderem, warum das spätere Wiedersehen mit seinem damaligen Arzt extrem emotional war

Alex Zanardi müsste eigentlich tot sein. Bei seinem Horrorunfall vor exakt 15 Jahren auf dem Lausitzring verlor der heute 49-Jährige beide Beine und so viel Blut, dass es ein Mensch rein logisch betrachtet eigentlich nicht überleben konnte. Doch Zanardi schaffte es, kämpfte sich zurück ins Leben und gewann am Mittwoch - also fast auf den Tag 15 Jahre nach seinem Unfall - seine dritte Goldmedaille bei den Paralympics. "Ich habe etwas überstanden, das nicht nur entgegen jeder Wahrscheinlichkeit ist", weiß Zanardi.

Im Gespräch mit 'Spox.com' verrät er: "Laut Wissenschaft hatte ich nicht den Hauch einer Chance. Alle Wissenschaftler haben ausschließlich meinen Tod vorhergesagt. In den Büchern stand, dass niemand solche Verletzungen überleben kann. Dass ich es geschafft habe und noch dazu nicht nur zurück-, sondern dahingekommen bin, wo ich heute stehe - man kann das nicht selbstverständlich voraussetzen. Es ist fantastisch."

An den Unfall selbst hat Zanardi heute keine Erinnerungen mehr. "Bei so einem Trauma ist es normal, dass man nicht nur die Ereignisse des Tages vergisst, sondern auch die der Tage davor. Deshalb erinnere ich mich an kaum etwas. Ich habe vage Bilder von unserem Hotel im Kopf. Was ich festhalten muss: Der Unfall war kein dunkler Moment meiner Karriere. Es war einer der leuchtendsten Augenblicke", erklärt er überraschend.

"Er wusste, dass ich sterben würde"

Zanardi hat seinen positiven Blick auf das Leben nicht verloren. Er sieht den Unfall auf dem Lausitzring als zweite Chance - und die hat er genutzt. "Als ich einige Tage nach dem Unfall im Berliner Krankenhaus aufgewacht bin, wusste ich nicht, was ich durchgemacht hatte. Irgendwie habe ich es trotzdem gefühlt. Ich hatte Schmerzen, aber ich war vom ersten Moment an glücklich, am Leben zu sein", verrät er.

Zu Zanardis Lebensrettern zählte damals unter anderem Doktor Terry Trammell. Als die beiden sich 2003 in Toronto wiedertrafen, wurde es emotional - allerdings in erster Linie für den Arzt. "Er ist auf einen Stuhl gefallen und hat angefangen zu weinen", berichtet Zanardi, der Trammell damals seine Wunden zeigte. "Ich fragte ihn, warum. Er antwortete: 'Alex, heute Nacht werde ich erstmals seit einem Jahr gut schlafen.'"

"Erst in dieser Sekunde habe ich realisiert, was er selbst nach dem Unfall durchstehen musste. Es war nicht einfach sein Job. Er hat versucht, einem Freund das Leben zu retten und er wusste, dass es aussichtslos ist. Er wusste, sein Freund würde sterben. Sein im Studium erworbenes Wissen und seine Erfahrung als Arzt hatten ihm beigebracht, dass es keine Möglichkeit gab, mich zu retten", weiß der ehemalige Formel-1-Pilot.

"Hätte mit größter Wahrscheinlichkeit gewonnen"

"Er hat es trotzdem versucht. Hartnäckig. Und er hat einen Mordsjob gemacht. Für ihn war es wahrscheinlich das größte Geschenk seines Lebens, als er in Toronto realisiert hat, was er mir mit seiner Arbeit gegeben hatte", so Zanardi, der auch seinen Humor nicht verloren hat. "Es klingt absurd, aber ich schwöre, dass es wahr ist. Ich habe Bier nie gemocht", leitet Zanardi eine Anekdote ein.

"Ich stamme aus Bologna. Wer da volljährig wird, macht einmal im Leben im späten September ein Auto voll, fährt nach München und vergnügt sich auf dem Oktoberfest. Meine Freunde haben mich immer eingeladen, aber ich bin nie mitgefahren. Ich mochte ja kein Bier. Nach meinem Unfall habe ich so viel deutsches Blut bekommen, dass ich plötzlich Bier liebe. Ich bin mir sicher: Das liegt an meinem deutschen Blut. Ich liebe Bier", lacht er.

"Das ganze Wochenende war im Nachhinein betrachtet ein großartiges. Zusätzlich war es meine Rache an dem Jahr. Ich habe geführt, ich bin großartig gefahren - und ich hätte mit größter Wahrscheinlichkeit gewonnen. Ich habe mir damit selbst bewiesen, dass ich noch immer ein guter Fahrer war, mit dem Lenkrad umgehen und das Beste aus dem Auto herausholen konnte", so der Italiener.

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