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Über dem IndyCar-Feld für 2017 schweben noch zahlreiche Fragezeichen
Über dem IndyCar-Feld für 2017 schweben noch zahlreiche Fragezeichen © LAT

Die IndyCar-Saison 2016 ist gerade erst zu Ende gegangen, doch das Fahrerkarussell dreht sich mit hoher Geschwindigkeit - Wer fährt 2017 wo?

Schon während der letzten Rennen der Saison 2016 hat sich das IndyCar-Fahrerkarussell begonnen zu drehen. Zahlreiche Änderungen stehen auf dem Programm. Heißestes Eisen im Feuer ist Josef Newgarden, der Mitte der Saison noch mit Ganassi Racing in Verbindung gebracht wurde, nun aber voraussichtlich bei Penske Juan Pablo Montoya ersetzen wird. Doch auch mehrere andere Fahrer und Teams haben Pläne. Insgesamt zeigen weitaus mehr Fahrer Interesse an einem Engagement, als es freie Plätze gibt.

Zunächst zu den Fahrern, die sicher sind: Bei Penske sitzen Will Power und Simon Pagenaud fest im Sattel, bei Ganassi Racing Scott Dixon und Charlie Kimball, bei Andretti Autosport Marco Andretti und Ryan Hunter-Reay. Graham Rahal ist wenig überraschend bei RLL eine feste Bank, James Hinchcliffe hat einen Vertrag bei Schmidt/Peterson in der Tasche. Ed Carpenter wird außerdem in seinem Team weiterhin die Ovalrennen bestreiten. Alle weiteren Fahrerplätze sind derzeit vakant - manche mehr, manche weniger.

Während bei Penske ein weiteres Engagement von Helio Castroneves nur Formsache ist, ist der vierte Platz vakant: Juan Pablo Montoya wird nach der schwachen Saison 2016 nicht gehalten werden. Darüber hinaus bildete dieser auch keine Teameinheit mit den anderen drei Fahrern, die aller Titelkämpfe zum Trotz ein gutes Verhältnis zueinander haben. Nach seinen starken Leistungen bei Carpenter Racing hat sich Josef Newgarden für ein Cockpit im Team des Captains empfohlen. Auch Indy-500-Sieger Alexander Rossi soll bei Penske angeklopft haben.

Penske hat Newgarden an der Angel

Dem amerikanischen Magazin 'Racer' zufolge soll die Wahl mittlerweile auf Newgarden gefallen sein. Es bezieht sich auf eine anonyme Quelle im Team: "Ich kann noch nicht verkünden, dass er unterschrieben hat, aber er ist unser Mann." Mit einer Verpflichtung von Newgarden würde Penske auch einheimischen Kritikern einen Riegel vorschieben, die bemängelt hatten, das Team würde keinen US-amerikanischen Fahrer beschäftigen.

Alexander Rossi wird sicher daher wohl darauf konzentrieren, im Team von Bryan Herta zu bleiben, das die Einsätze weiter in Kooperation mit Andretti Autosport einsetzen wird. "Der Deal ist noch nicht unter Dach und Fach, aber wir arbeiten dran", sagt Michael Andretti. "Wir wollen ihn halten und er möchte hier bleiben. Wir versuchen derzeit nur, das nötige Geld aufzutreiben." Die Zukunft von Carlos Munoz hingegen ist momentan unklar.

Montoya werden unterdessen Verbindungen zu Ed Carpenter nachgesagt. Obwohl Carpenter Newgarden ein finanziell sehr attraktives Angebot gemacht haben soll, wird er ihn kaum halten können, wenn Roger Penske anruft. Deshalb wird ein Fahrertausch mit Montoya wahrscheinlicher. Der Kolumbianer hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er gerne weiter IndyCar fahren würde. Zwar liebäugelt er auch mit einem LMP1-Engagement in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), doch dort wird kaum ein Platz für ihn frei werden. Er selbst lässt sich nicht in die Karten schauen. "Wir werden sehen, was passiert", sagt er 'IndyCar.com'.

Ganassi kämpft um seinen Ruf

Bei Chip Ganassi Racing sind derzeit Scott Dixon und Charlie Kimball bestätigt. Nach dem Verlust des Sponsors Target ist die erfolgsverwöhnte Mannschaft nun verstärkt auf externe Mittel angewiesen. So überrascht es nicht, dass Max Chilton trotz durchschnittlicher Leistungen in seiner Rookie-Saison hoch im Kurs steht. "Wir arbeiten hart daran, Max für hoffentlich mehr als ein weiteres Jahr zu halten", sagt Mike Hull, der verstärkt die Teamchefrolle von Chip Ganassi übernimmt. Er rührt die Werbetrommel für seinen finanziell potenten Fahrer: "Er würde davon sicher profitieren. Es ist eine große Chance für ihn, sich zu beweisen."

Tony Kanaans Engagement hingegen steht auf der Kippe. Der Brasilianer hat in seinen drei Ganassi-Jahren nur ein einziges Rennen gewonnen. Er liefert zwar gute Ergebnisse, der stärkere Fahrer war jedoch Scott Dixon. Und Kanaan ist sponsorentechnisch nicht so stark aufgestellt wie andere Fahrer. Zum Beispiel Michail Aljoschin, der von der SMP Bank mit reichlich Rubel gefördert wird. Mit starken Leistungen bei Schmidt/Peterson hat der Russe eine Visitenkarte abgegeben. Doch sein jetziges Team ist stark und hat sich zu Hondas Vorzeigeteam gemausert. Warum also wechseln?

Ganassi läuft nämlich Gefahr, seinen Status als eine der ersten Adressen der IndyCar-Serie zu verlieren. Die jüngeren Erfolge waren eher auf die fahrerische Klasse von Scott Dixon zurückzuführen. Der letzte Ganassi-Sieg, der nicht auf Dixons Konto geht, stammt aus 2014 (Kanaan in Fontana). Das Rennen um Newgarden scheint Ganassi jedenfalls gegen Penske verloren zu haben. Die Diskussionen um eine eventuelle Rückkehr zu Honda bringen ebenfalls Unruhe ins Team. Noch ist nicht klar, ob Ganassi nach drei Jahren mit Chevy-Power zurück zu seinem ursprünglichen Partner kehrt.

Was wird aus KVSH?

Bei den kleineren Teams ist ebenfalls Bewegung im Fahrerkarussell: Conor Daly wird wohl von Dale Coyne weggehen. Den Sitz könnte Sebastien Bourdais einnehmen, der bereits 2011 bei Coyne unterwegs gewesen ist. Der Hintergrund ist hier, dass sein bisheriger Arbeitgeber, das KVSH-Team, von Carlin übernommen werden könnte. Trevor Carlin hat großes Interesse an einem IndyCar-Engagement. Ein bestehendes Team zu übernehmen wäre einfacher, als aus eigener Kraft zu expandieren.

KVSH-Mitbesitzer Kevin Kalkhoven bleibt mit seinen Plänen so vage, dass selbst Bourdais das Weite sucht. "Das einzige, was ich bestätigen kann, ist, dass wir nächstes Jahr dabei sein werden", sagt das "K" in KVSH gegenüber 'Racer'. Trevor Carlin will ebenfalls nichts bestätigen: "Es gibt viele Möglichkeiten, bevor irgendetwas passiert. Bislang ist noch nichts geschehen." Carlin würde mit Ed Jones den amtierenden IndyLights-Meister gleich mitbringen.

Der zweite Platz bei Coyne neben Bourdais (der noch nicht offiziell bestätigt ist, doch die Spatzen pfeifen es von den Dächern) wird voraussichtlich wieder ein Bieterrennen werden. Wer am meisten hinblättert, bekommt das Cockpit. Rennen für Rennen. R.C. Enerson hat sich mit guten Leistungen empfohlen, muss aber noch einen Rechtsstreit mit Schmidt/Peterson durchstehen, weil er dort mitten in der Indy-Lights-Saison weggegangen ist. Ansonsten kann sich eine ganze Reihe von Fahrern (s.u.) Hoffnungen machen, das eine oder andere Rennen zu fahren - wenn das Geld stimmt.

Wer bietet am meisten?

Die letzte Baustelle ist das Team von A.J. Foyt. Nach einer schwachen Saison 2016 steht das Engagement von Takuma Sato auf der Kippe, kann aber gerettet werden. Jack Hawksworth hingegen ist nach einer indiskutablen Saison (Letzter aller regulären Piloten in der Meisterschaft) wohl ohne Cockpit. Mit einem prominenten Namen könnte Foyt wieder in erfolgreichere Gewässer steuern. Tony Kanaan wäre ein möglicher Kandidat. Oder Carlos Munoz. Dessen Sponsorengelder könnte Foyt ganz gut gebrauchen. Auch Conor Daly sucht nach einer neuen Heimat, nachdem sich seine Wege mit Dale Coyne wohl trennen werden.

Viele Fahrer wollen IndyCar fahren, doch so viele Cockpits sind gar nicht vorhanden. Von den Indy Lights drücken Fahrer nach, gleichzeitig wollen ehemalige Stamm- und Teilzeitfahrer zurück. Gabby Chaves, Sebastian Saavedra, Sage Karam und Spencer Pigot hätten es alle fahrerisch drauf, brauchen aber die eine oder andere Million. Gleichzeitig drücken neben Ed Jones auch Santiago Urrutia, Dean Stoneman und Kyle Kaiser aus den Indy Lights nach oben. Auch Jack Harvey und Andre Negrao haben jüngst für IndyCar-Teams getestet. Doch Sponsoren sind in der IndyCar-Welt rar gesät...

© Motorsport-Total.com

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