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Simon Pagenaud IndyCar-Meister 2016
Simon Pagenaud IndyCar-Meister 2016 © LAT

Simon Pagenaud gewinnt das Finale auf dem Sonoma Raceway und ist IndyCar-Meister 2016 - Will Power rollt mit Kupplungsproblemen aus.

Die IndyCar-Meisterschaft 2016 wurde auf dem Sonoma Raceway frühzeitig entschieden: Simon Pagenaud war ab der 36. von 85 Runden Meister, weil Will Power ohne Vortrieb ausrollte. Der Penske-Pilot sicherte sich in einem recht ereignislosen Rennen den Sieg vor Graham Rahal (RLL-Honda) und Juan Pablo Montoya (Penske-Chevrolet). Pagenaud ist der 65. Meister in der US-amerikanischen Monoposto-Geschichte und der erste französische Meister seit Sebastien Bourdais 2007.

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll; da sind so viele Emotionen im Moment", sagte Pagenaud sichtlich berührt. "Schwer die Worte zu finden. Meine ganze Karriere ging es darum, diesen Punkt zu erreichen. Jetzt ist es geschehen; ich werde das wohl erst morgen realisieren. Ich konnte meine Leistung unter Druck zu 100 Prozent bringen, das ist ein tolles Gefühl. Aber dieser Erfolg gehört dem ganzen Team, danke für die harte Arbeit und für die Chance, auf der Rennstrecke so performen zu können!"

Sein geschlagener Konkurrent gratulierte ihm ehrlich: "Simon hat einen phänomenalen Job gemacht und ist ein verdienter Meister. Ich freue mich zu sehen, dass er eine Meisterschaft gewonnen hat, selbst wenn er sie vor mir holt." Die vierte Niederlage in einem Titelkampf schmerzt Will Power wohl am wenigsten, da er mittlerweile eine Meisterschaft auf dem Konto hat und ohnehin nicht der Favorit war. "Man musste um die Punktesituation schon realistisch sehen", wirft er ein. Gegen Pagenaud war einfach kein Kraut gewachsen.

Pagenaud in eigener Liga

Vermutlich hätte der Franzose den Defekt bei Power gar nicht gebraucht, denn er war beim Finalrennen eine Klasse für sich. Vom Start weg setzte sich der 32-Jährige ab und fuhr in einer eigenen Liga. Nach sechs Runden hatte er bereits fünf Sekunden auf Power herausgefahren, der beim Start Montoya überholen konnte. Dazwischen lag zunächst noch Helio Castroneves, der dann beim ersten Boxenstopp gewaltig Zeit verlor und den zweiten Platz an Power abgeben musste.

Der Australier konnte aber gegen den furios fahrenden Pagenaud nichts ausrichten. Er hätte eine Gelbphase benötigt, die er auch bekommen hätte, als Spencer Pigot (Carpenter-Chevrolet) mit Getriebeschaden liegen blieb. Doch Powers Chevrolet entschloss sich im selben Moment, dasselbe zu tun. Fassungslos rollte der Australier den Hügel hinunter im Wissen, dass nun alles vorbei war. Statt auf dem Podium fand er sich am Abschlepphaken wieder. Power konnte nach einer sieben Runden dauernden Reparatur das Rennen wieder aufnehmen, um seine vierte Vizemeisterschaft abzusichern.

Da die Gelbphase nicht sofort ausgelöst wurde, hatten alle Fahrer Zeit, ihren Boxenstopp einzulegen. Einige Fahrer waren zu diesem Zeitpunkt schon off sequence, sodass sich die Reihenfolge änderte: Pagenaud führte beim Restart vor Castroneves, der aber mehrere Runden vor der Gelbphase gestoppt hatte, weil er von Will Power aufgehalten wurde. Pagenaud hatte also nicht nur Track Position gegenüber seinem Teamkollegen, sondern auch den Strategie-Vorteil. Die Gelbphase durchkreuzte nämlich Castroneves? Vierstopp-Strategie.

Rahal greift am Ende an

So rückte Rahal auf Rang zwei vor, gefolgt von Montoya. Gegen Pagenaud hatten aber auch sie kein Mittel; der Franzose baute - ohne sich nun um den Titel scheren zu müssen - den Vorsprung selbst im Spritspar-Modus aus. Beim letzten Stopp kam Rahal eine Runde später rein und nutzte daraufhin seine größeren Spritreserven, um Druck auf den neuen Meister auszuüben. Doch Pagenaud konnte im entscheidenden Moment nachlegen und sicherte sich den Sieg. "Ich habe zu viel Anpressdruck verloren, als er hinter mir war", sagt der Rahal-Letterman-Lanigan-Pilot.

Juan Pablo Montoya beendete seine Schreckens-Saison mit einem versöhnlichen Resultat. "Das Auto war heute wirklich gut, auch wenn etwas Rennpace gefehlt hat", so der Kolumbianer. Er verkündete außerdem an, in der IndyCar-Serie und wenn möglich bei Penske bleiben zu wollen. Ryan Hunter-Reay brachte den besten Andretti-Honda auf die vierte Position - sicherlich nicht das, was sich das Team nach den starken Trainingsleistungen erhofft hatte.

Hinter ihm kam Halb-Teamkollege Alexander Rossi (Andretti-Herta-Honda) ins Ziel. Dahinter machte Helio Castroneves mit frischen Reifen Druck, blieb im letzten Stint aber an Josef Newgarden (Carpenter-Chevrolet) hängen, der Rang sechs verteidigte. Der Brasilianer musste sich letztlich mit Platz sieben abfinden; die Top 10 komplettierten Marco Andretti (Andretti-Honda), Charlie Kimball (Ganassi-Chevrolet) und Sebastien Bourdais (KVSH-Honda). Will Power wurde als 20. gewertet.

Kurioser Dixon-Boxenstopp

Für eine kuriose Szene sorgte in der Gelbphase Scott Dixon (Ganassi-Chevrolet) beim letzten Rennen unter Target-Sponsoring. Der ausgehende Meister hatte ein Funkproblem. So kam er kurzerhand unter Gelb an die Box, um seine Ohrstöpsel samt integriertem Earphone zu wechseln. Der Plan, bei dem Manöver, das ein Abnehmen des Helms beinhaltete, keine Runde zu verlieren, ging auf. Unglücklicherweise wurde aber in jener Runde schon wieder grün geschaltet, sodass Dixon danach einen enormen Rückstand auf das Feld hatte. Er wurde 17.

Die IndyCar-Serie verabschiedet sich in eine lange Winterpause, die zumindest ein paar Wochen kürzer ist als in den Vorjahren. Über den Winter werden einige spektakuläre Teamwechsel erwartet. Die neue Saison startet am 12. März 2017 in St. Petersburg.

© Motorsport-Total.com

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