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Scott Dixon fuhr in Watkins Glen in einem eigenen Sonnensystem
Scott Dixon fuhr in Watkins Glen in einem eigenen Sonnensystem © IndyCar

Scott Dixon hat seine unheimliche Dominanz in Watkins Glen fortgesetzt und siegt überlegen - Will Power nach Kollision raus, Pagenaud fast Meister

Zahlreiche Dramen, eine Gelbphase, die alles durcheinander wirbelte, und ein Spritspar-Rennen am Ende - all das konnte Scott Dixon (Ganassi-Chevrolet) nicht stoppen. Der Neuseeländer holte seinen vierten Sieg auf der Watkins Glen International und seinen 40. IndyCar-Sieg insgesamt. In einem kuriosen Finale, in dem mehreren Fahrzeugen der Sprit ausging, holte Josef Newgarden (Carpenter-Chevrolet) den zweiten Platz vor Helio Castoneves (Penske-Chevrolet). Entscheidend für die Meisterschaft: Will Power (Penske-Chevrolet) schied nach einer Kollision aus, während Teamkollege Simon Pagenaud Platz sieben rettete.

Vorentscheidenden Charakter hatte eine Gelbphase in Runde 15, die genau zum Zeitpunkt der ersten Boxenstopps ausgerufen wurde. Anders als in Toronto hatte Dixon diesmal Glück, denn er war genau zu diesem Zeitpunkt an der Box. Power und Pagenaud wurden beide zurückgeworfen, später geriet der Meister von 2014 dann mit Charlie Kimball (Ganassi-Chevrolet) aneinander und verunfallte auf der Gegengeraden. Eine Vorentscheidung im Titelkampf.

Dixon führte von der ersten Runde an und lag fast das ganze Rennen über an der Spitze. Lediglich nach Powers Unfall musste er sich kurz hinten anstellen, weil Helio Castroneves, der eine andere Strategie fuhr, kürzer tanken musste und obendrein drei Fahrzeuge nicht stoppten. Doch er war so dominant, dass er von der fünften Position binnen eineinhalb Runden wieder an die Spitze ging. "Das ist cool, so cool!", jubelt der amtierende Meister, der trotz des Sieges aus dem diesjährigen Titelrennen nun draußen ist. "Das ist ein Wochenende, das ich definitiv erinnern werde." Im Spritsparmodus fuhr er zwei Sekunden schneller als alle anderen.

Geordnetes Rennen nur für 15 Runden

Zunächst sah alles nach einem Penske-vs.-Ganassi-Klassiker aus, als sechs Boliden der beiden großen Teams das Rennen anführten. Dixon verteidigte die Führung beim Start vor Power, während Pagenaud einen irren Start von Rang sieben aus hinlegte und nach der ersten Kurve schon Dritter war. Im Mittelfeld versuchten vier Autos, die erste Kurve nebeneinander zu durchfahren, was natürlich nicht funktionierte. Sebastien Bourdais drehte sich raus und verlor eine halbe Runde. Kaum zu glauben, doch der Franzose kämpfte sich wieder nach vorn bis auf Endrang fünf.

Mit ihm drehten sich in der ersten Kurve Juan Pablo Montoya und Michail Aljoschin raus, der 15 Runden später für die wichtige Gelbphase mit einer Schrecksekunde sorgte: Bei 300 km/h platzte ihm auf der Gegengeraden der links Hinterreifen. "Ich hatte absolut keine Chance", sagt der Russe erleichtert ob der Tatsache, dass er relativ glimpflich aus der brandgefährlichen Situation herauskam. "Das ist kein schönes Gefühl, wenn einem der Reifen so explodiert. Eigentlich wollten wir gerade an die Box kommen."

Die Gelbphase kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für Power, Kanaan, Pagenaud, Castroneves, Kimball, Enerson, Hinchcliffe und Hawksworth, die als einzige noch nicht gestoppt hatten und ihre Top-10-Positionen gegen die Plätze von zwölf aufwärts tauschen mussten. Kanaan und Pagenaud gingen obendrein beim Stopp an Power vorbei. Die folgenden Runden sollten zeigen, wie unterschiedlich ein Rennen sich nach einem Positionsverlust durch Gelbphasen entwickeln kann.

Alles läuft gegen Power

Pagenaud und Power lagen direkt hintereinander, doch James Hinchcliffe (Schmidt-Peterson-Honda) splittete die beiden Penske. Power wurde in Runde 29 von 60 an die Box beordert, um eine weitere Gelbphase so antizipieren. Aber zahlreiche andere Teams coverten diesen Versuch, nur Pagenaud blieb draußen. Es war ein äußerst riskantes Spiel, da eine Gelbphase zu diesem Zeitpunkt den Franzosen ans Ende des Feldes katapultiert hätte. Doch die Versuchung der freien Strecke war groß und Pagenaud hatte das nötige Glück: Es blieb grün und er konnte den Stopp fünf Runden später als Power absolvieren - und war plötzlich zehn Plätze vor seinem Titelrivalen.

Dieser verlor im Verkehr allmählich die Nerven. Als ihn auch noch Kimball von hinten anfing zu beharken, sah er rot und versuchte ein Max-Verstappen-Manöver mit dem Ganassi-Fahrer. Das war jedoch falsch getimt und er wurde in die Mauer katapultiert, womit seine Meisterschaftschancen einen riesigen Dämpfer erlitten haben. 43 Punkte beträgt nun der Abstand - Pagenaud benötigt somit bei einem Power-Sieg in Sonoma einen sechsten Platz zum Titelgewinn.

Der Unfall wirbelte das Rennen erneut durcheinander, denn alle Fahrer wurden nun früher als geplant an die Box gezwungen und mussten in der Folge Sprit sparen, um ins Ziel zu kommen. Helio Castroneves? Alternativstrategie zahlte sich aus, er konnte Dixon an der Box überholen. Doch Ganassi stellte ihm eine Falle beim Restart: Tony Kanaan, der nach Aufhängungsproblemen einen Rundenrückstand hatte und direkt vor Castroneves lag, bog beim Restart in die Box ab, wodurch der Penske-Pilot vom Gas musste, Dixon war sofort durch.

Chaos in den letzten Runden

Castroneves gehörte am Ende zu den wenigen Piloten, die für einen Splash an die Box kamen. "Mir war klar, dass ich mit unserem Setup nur schlecht Sprit sparen konnte", begründet er. "Deshalb habe ich sie am Funk um eine Lösung gebeten und sie haben eine gefunden. Tolle Strategie." Auch Juan Pablo Montoya wagte einen Blitzstopp von Rang fünf aus, verlor aber alles durch einen Dreher bei der Aufholjagd - am Ende blieb ein bitterer 13. Platz.

Die Ereignisse überschlugen sich in den letzten Runden, da viele Fahrzeuge extrem langsam wurden oder ganz ohne Sprit ausrollten. Zu letzteren gehörte James Hinchcliffe, der durch Spritmangel den zweiten Platz verlor. Am besten neben Dixon machte es Josef Newgarden (Carpenter-Chevrolet), der überraschend Zweiter wurde. Hinter Castroneves fuhr Conor Daly (Coyne-Honda) einen sensationellen vierten Platz nach Hause, gefolgt von Bourdais, Kimball und Pagenaud. Die Top 10 komplettierten Alexander Rossi (Andretti-Herta-Honda), R.C. Enerson (Coyne-Honda) und Max Chilton (Ganassi-Chevrolet).

Das Finale in Sonoma steigt am 18. September, findet aufgrund der enormen Zeitverschiebung nach Kalifornien aber erst in der Nacht deutscher Zeit statt. Die Saison 2015 hat gezeigt, wie schnell auch mit großem Vorsprung ein IndyCar-Titel auf der Berg-und-Tal-Bahn verloren werden kann.

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