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Flach, breit, brachial: IndyCar wagt ab 2018 die Retro-Optik
Flach, breit, brachial: IndyCar wagt ab 2018 die Retro-Optik © LAT

Die IndyCar-Serie besinnt sich auf ihre Traditionen: Mit dem neuen Aerokit ab 2018 werden die Autos wieder wie zu CART-Zeiten aussehen: Dallara-Chassis bis 2020

Das neue IndyCar-Aerokit ab der Saison 2018 hält für IndyCar-Fans ein ganz besonderes Schmankerl parat: Die Dallara-Boliden sollen künftig wieder in der klassischen Champ-Car-Optik daherkommen! Verschwinden wird die Lufthutze, die Rear Wheel Guards sollen nur noch auf Superspeedways zum Einsatz kommen. Gleichzeitig wurde die Lebenszeit des Dallara DW12 bis mindestens 2020 festgelegt. Das neue Aerokit wird also mindestens drei Jahre lang im Einsatz sein.

Die Änderungen sollen dafür sorgen, dass die letzten Erinnerungen an die IRL verschwinden. In dieser wurden einst wegen ihrer Saugmotoren Lufthutzen eingeführt. Diese wurden beim Wechsel auf den DW12 beibehalten, um Sponsorenflächen zu schaffen. Künftig wird wieder wie früher über die Seitenkästen Luft angesogen. Der wegfallende Raum für Sponsoren wird durch größere Seitenkästen kompensiert. Diese werden die als "Sponsorenblocker" belächelten, nach vorne gerichteten Schutzschilde überflüssig machen werden. Die waren nötig, um ein Verhaken der Reifen zu verhindern.

Den gleichen Sinn erfüllen seit 2012 die Rear Wheel Guards, die unter Fans hochumstritten sind. Diese werden ab 2018 ebenfalls auf den meisten Kursen verschwinden und nur auf Superspeedways noch zum Einsatz kommen. IndyCar verspricht, dass sie in einer wesentlich weniger auffälligen Form als jetzt zum Einsatz kommen werden. Mit dem Wegfall der Wheel Guards auf Kurzovalen, Straßen- und Rundkursen werden ab 2018 auch die Zusatzflügel neben dem eigentlichen Heckflügel der Vergangenheit angehören. Generell soll mehr Abtrieb über den Unterboden generiert werden.

Retro-Look mit moderner Technik

"Wir wollen eine niedrige Motorenabdeckung, weil wir die Fahrzeuge wieder wie traditionelle IndyCars der 90er-Jahre aussehen lassen wollen", verkündet IndyCar-Rennchef Jay Frye gegenüber 'Racecar Engineering' die Botschaft, die vielen Traditionalisten das Herz höher schlagen lassen wird. "Diese ganze Airbox ist einfach ein Überbleibsel der Saugmotoren, die wir so lange hatten." Die alten IRL-Motoren kamen noch bis 2011 zum Einsatz und die aktuelle IndyCar-Führung ist sehr bemüht, die unsägliche Zeit des Splits möglichst aus dem kollektiven IndyCar-Gedächtnis zu verbannen.

Der Ansaugtrakt und damit Teile der Turbotechnik wandern künftig in die Seitenkästen. "Damit wird die Motorabdeckung geschmeidiger. Wir wollen ein schnittiges, niedriges und breites Erscheinungsbild", so Frye. Die Arbeiten an dem neuen Aerokit haben bereits im April begonnen. Bei Testfahrten in Mid-Ohio wurde im Juli ein erstes Interims-Paket getestet, das für positive Reaktionen im Fahrerlager gesorgt hat.

Die IndyCar-Serie geht damit einen Retro-Schritt, den auch die Formel 1 macht. Diese wird bekanntlich 2017 wieder eine an die Saison 1997 angelehnte Optik mit zwei Metern Fahrzeugbreite einführen. Unter dem Carbonkleid kommt natürlich in beiden Serien aktuelle Technik zum Einsatz. "Wenn man einen heutigen Camaro heranzieht, dann sieht er ein bisschen aus wie ein Camaro der 60er-Jahre, aber mit einem dicken Motor und der ganzen Elektronik - also alles, was ihn retromäßig aussehen lässt, aber mit moderner Technik", erläutert Jay Frye. Genau das hat er nun auch mit der IndyCar-Serie vor.

Drei weitere Jahre für den DW12

Damit den Teams keine großen Neuanschaffungskosten entstehen, wurde auch die Lebenszeit des Dallara DW12 bis 2020 verlängert. Das Chassis wird damit mindestens neun Saisons alt werden. Mit der Einführung der Aerokits zur Saison 2015 änderte sich die Optik ein erstes Mal stark. 2018 wird eine weitere optische Revolution erfolgen.

Das Ziel der IndyCar-Serie ist es, bis 2020 mindestens einen weiteren Motorenlieferanten zu gewinnen. Gleichzeitig werden verschiedene Bereiche des Fahrzeugs dereguliert. Statt Einheitslieferanten will IndyCar wieder auf einen liberalen Markt vertrauen. Vor allem die Bremsen waren häufig von den Teams kritisiert worden. 2021 bestünde dann theoretisch die früheste Möglichkeit, wieder einen Chassis-Wettbewerb zuzulassen.

© Motorsport-Total.com

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