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James Hinchcliffe durfte zum ersten Mal seit seinem schweren Unfall jubeln
James Hinchcliffe durfte zum ersten Mal seit seinem schweren Unfall jubeln © LAT

James Hinchcliffe hat die richtige Strategie und den richtigen Instinkt im richtigen Moment. Marco Andretti kämpft mit einem Motorschaden.

Ein perfektes Zusammenspiel von Fahrer, Stratege und Maschine hat James Hinchcliffe (Schmidt-Peterson-Honda) den ersten Sieg beim Grand Prix von Long Beach beschert. Der zweite kanadische Sieger auf dem Straßenkurs nach Paul Tracy wählte die für dieses Rennen korrekte Zweistopp-Strategie und rang beim letzten Boxenstopp Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda) nieder. Dieser wurde am Ende des Rennens Opfer des Andretti-Motorensterbens. Alle vier Hondas des Teams schieden aus.

Wie immer war in Long Beach die Strategie entscheidend: In diesem Jahr setzte sich die Spritspar-Taktik mit zwei Stopps gegen die Vollgas-Taktik mit deren drei durch. Nur fünf Fahrer versuchten die Strategie mit zwei regulären Boxenstopps, zwei von ihnen landeten am Ende auf den ersten beiden Plätze, zwei weitere schieden aus. James Hinchcliffe hatte am Ende das glücklichste Händchen und gewann vor Sebastien Bourdais (Coyne-Honda) und Josef Newgarden (Penske-Chevrolet).

"Ich bin stolz auf uns alle, ein phänomenales Resultat!", lässt der Rennsieger nach mehreren langen Donuts verlauten. "Diese Strecke ist mir immer entgegengekommen und ich wollte unbedingt mal in der Victory Lane hier stehen. Es tut mir nur leid für RHR."

Andretti-Ausfall kostet Dixon möglichen Sieg

Der erste Spitzenreiter des Rennens hieß Scott Dixon (Ganassi-Honda), der die ersten 17 Runden dominierte. Auch der Sieger von 2015 war ursprünglich auf der richtigen Strategie unterwegs, doch in Runde 17 holte ihn Mike Hull rein. Marco Andretti war gerade ausgerollt und die Befürchtung, dass eine Gelbphase rauskommt, war zu groß. Damit war zwar noch nicht alles verloren, doch dem Neuseeländer fehlte danach plötzlich Speed und er musste sich im Kampf um den besten Dreistopper Newgarden beugen. Er kam auf Rang vier ins Ziel. "Wir haben das Rennen aus der Hand gegeben", sagt er frustriert.

Nach Dixons Stopp übernahm Hunter-Reay die Führung vor Hinchcliffe und Alexander Rossi (Andretti-Honda). Auch Sebastien Bourdais war auf derselben Strategie unterwegs. Dass bei ihm trotzdem drei Stopps zu Buche stehen, liegt an einem Zwischenfall in der ersten Runde. "Da flog ein Teil direkt an meinem Kopf vorbei!", so der Franzose, der mit einem Sieg und einem zweiten Platz so gut in eine Saison gestartet ist wie seit 2006 nicht mehr. "Ich habe mich im Auto zusammengekauert und das Teil schlug im Heckflügel ein." Wieder fuhr er sich von ganz hinten bis (fast) ganz nach vorn.

Hunter-Reay hielt die Führung (in Abwechslung mit Dixon durch die Boxenstoppzyklen) bis zum letzten Service. Hier schlug Hinchcliffe zu. Hinter RHR hatte dieser so viel Sprit gespart, dass er eine zusätzliche Runde fahren konnte. Der klassische Undercut funktioniert im IndyCar-Sport nicht, da Nachtanken erlaubt ist und Reifenwärmer verboten sind. So nutzte Hinchcliffe die zusätzliche Runde mit wenig Sprit und warmen Reifen, um in Führung zu gehen.

Andretti-Desaster in der Schlussphase

Das Donnerwetter bei Andretti Autosport brach in Runde 63 los: Rossi rollte auf Rang drei liegen aus. "Ich bin platt", vermeldete er über Funk. Durch die Gelbphase brauchten die Zweistopper nun keinen Sprit mehr sparen. Hinchcliffe und Hunter-Reay hatten darüber hinaus mehrere überrundete Autos als Puffer, die sie gegen Bourdais und die Dreistopper abschirmten. Gerade, als Hunter-Reay wieder auf Hinchcliffe aufholte, ging erst der Motor beim vierten Andretti-Fahrer Takuma Sato aus und kurze Zeit später auch bei Hunter-Reay. Der Frust kannte keine Grenzen.

Im Schlussspurt über drei Runden konnte Hichcliffe Bourdais auf Distanz halten und fuhr so seinen ersten Sieg seit seinem Horrorunfall beim Indianapolis 500 2015 ein. "Ich wusste es immer, dass ich es wieder schaffen würde", jubelt der 30-Jährige, der einst dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen ist. Newgarden fand keinen Weg mehr an Bourdais vorbei. Dahinter musste Dixon den nachdrückenden Simon Pagenaud (Penske-Honda) abwehren. Dieser musste von ganz hinten starten, nachdem er im Qualifying Helio Castroneves blockiert hatte. Schon nach wenigen Runden war er in den Top 10, am Ende wurde er Fünfter.

Power und Kimball kollidieren

Dabei profitierte er von einem Reifenschaden bei Graham Rahal (RLL-Honda), der einen sicheren fünften Platz sechs Runden vor Schluss verlor. Dieser wurde am Ende Zehnter. Dazwischen liefen noch Rookie Ed Jones (Coyne-Honda), Carlos Munoz (Foyt-Chevrolet), Spencer Pigot (Carpenter-Chevrolet) und Helio Castroneves (Penske-Chevrolet) ein. Letzterer konnte trotz der Pagenaud-Blockade im Qualifying die Pole-Position herausfahren, verlor jedoch schon am Start fünf Plätze und spielte im Rennen nie eine Rolle.

Das tat auch Will Power (Penske-Chevrolet) nicht. Der Australier geriet in der ersten Runde mit Charlie Kimball (Ganassi-Honda) aneinander. Kimball kam auch im zweiten Rennen nicht über die erste Runde hinaus. "Ich kam aus dem Kreisverkehr super heraus", meldet der Insulin-Racer. "Ich dachte, ich hätte ihn hinter mir gelassen. Aber er war noch da und hat mich in die Mauer befördert. Leider passieren solche Dinge auf Straßenkursen. Hoffentlich haben wir unser Glück aufgespart für Barber und die anderen Rennen." Die Gelbphase gleich zu Beginn half vor allem Conor Daly, der sich noch vor der Startlinie gedreht hatte.

Das nächste Rennen zur IndyCar-Serie findet am 23. April im Barber Motorsports Park in Birmingham statt.

© Motorsport-Total.com

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