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Scott Dixon ließ die Penske-Piloten in Elkhart Lake alt aussehen
Scott Dixon ließ die Penske-Piloten in Elkhart Lake alt aussehen © IndyCar

Scott Dixon feiert seinen ersten IndyCar-Sieg in Elkhart Lake und festigt seine Tabellenführung. Eine Gelbphase durchkreuzt Newgardens Rennen.

Es gibt nicht viele weiße Flecken auf der Landkarte von Scott Dixon, doch die Road America in Elkhart Lake war so einer. Oder war. Der Ganassi-Pilot rang beim zehnten IndyCar-Lauf 2017 die an diesem Wochenende dominanten Penske-Chevrolets nieder und feierte seinen ersten Saisonsieg. Mit seiner kontrollierten Fahrt und sauberen Manövern zeigte er, warum er als einer der besten, wenn nicht gar als der beste IndyCar-Pilot gilt. Ein wenig Glück tat sein Übriges (Die IndyCar Series LIVE im TV auf SPORT1 US)

Der Durchmarsch von Startplatz fünf erfolgte in Etappen: Dixon ging bereits beim Start vorbei am vor ihm gestarteten Simon Pagenaud, während Helio Castroneves seine Führung vor Josef Newgarden und Will Power (alle Penske-Chevrolet) verteidigte. Beim ersten Stopp kam er eine Runde später als Power rein und ging am Australier vorbei, weil dieser in einen Zweikampf mit dem auf einer Vierstopp-Strategie fahrenden Alexander Rossi (Andretti-Herta-Honda) verwickelt wurde.

Castroneves war als nächster an der Reihe: Auf den härteren Reifen im zweiten Stint fiel er zunächst hinter Newgarden zurück, beim zweiten Boxenstopp schob sich Dixon dann auf dieselbe Art am Altmeister vorbei wie zuvor an Power - er kam eine Runde später rein. Da Takuma Sato (Andretti-Honda) genau nach seinem Stopp abflog (wohl aber später weiterfahren konnte) und eine Gelbphase ausgerufen wurde, konnte Castroneves nicht mehr kontern. Wäre der Unfall nur eine Minute vorher passiert, hätte Dixon den Stopp nicht mehr wahrnehmen können. So brachte er die Dreistopp-Strategie zum Funktionieren.

Zum richtigen Zeitpunkt auf richtigen Reifen

Josef Newgarden servierte der Neuseeländer dann beim anschließenden Restart ab: Mit einem Wahnsinnsmanöver über die Außenbahn ging der 36-Jährige in Führung. Als entscheidend erwies sich, dass Dixon zu diesem Zeitpunkt gebrauchte weiche Reifen auf dem Fahrzeug hatte statt neuer harter wie bei Newgarden. Das erlaubte es Dixon, die Reifen schneller auf Temperatur zu bringen und den Überschuss dann zu haben, als er ihn brauchte. "Josef hat es auf harten Reifen leicht gemacht", erläutert Dixon das Manöver. "Er hat mir genug Raum gelassen. Ich hatte guten Schwung aus der letzten Kurve und die Honda-Power hat den Rest erledigt."

Newgarden kann es nicht fassen: "Wir hatten alles richtig gemacht und unsere Strategie hat gepasst. Aber man kann diese Gelbphasen einfach nicht vorhersagen. Er hatte beim Restart mehr Temperatur in den Reifen. Als ich meine Reifen auf Temperatur gebracht hatte, konnte ich schneller, aber eben nicht ausreichend schneller." Der letzte Spurt nach einer Gelbphase für einen Abflug von Tony Kanaan (Ganassi-Honda) dauerte sechs Runden. Dixon war aber zu jedem Zeitpunkt Herr der Lage.

Wieder kein Sieg für Castroneves

Der Kampf der Penske-Piloten ging somit nur noch um Rang zwei. Josef Newgarden war gegenüber seinen Teamkollegen herausragend, trug aber trotzdem nicht den Sieg davon. "Wir hatten vier starke Autos, da muss man eigentlich den Sieg holen. Das haben wir verpasst, deshalb sind wir ein wenig enttäuscht", spricht der US-Amerikaner im Namen seines Teams.

Castroneves musste sich wild gegen Pagenaud verteidigen, konnte den dritten Platz aber retten. Zuvor hatte es ein Missverständnis beim letzten Boxenstopp gegeben, sodass er eine Runde zu früh reinkam. Die Boxencrew hatte ihn angewiesen, draußen zu bleiben. "Wir hatten vereinbart, dass ich reinkommen soll, wenn in Kurve 14 ein blaues Licht angeht. Das Licht ging an und ich konnte den Funkspruch leider nicht verstehen", erklärt er das Missgeschick. Die Gelbphase für den Kanaan-Unfall zehn Runden vor Schluss rettete ihn, denn sonst hätte der Sprit nur mit großer Mühe gereicht. So hielt er den Angriffen von Simon Pagenaud stand, wartet aber weiter seit Detroit 2014 auf einen Sieg.

Für Will Power war es wieder ein Rennen, in dem einfach nichts zusammenlaufen wollte: Beim Start verlor er den zweiten Platz an Newgarden. Nach dem ersten Stopp blieb er im Verkehr stecken, sodass Dixon durchging. Als ihn dann auch noch Pagenaud attackierte, drängte er diesen aufs Gras und musste die Position hergeben. Statt eine Gegenattacke gegen seine Teamkollegen zu starten, fand er sich in der ersten Gelbphase plötzlich hinter Charlie Kimball und Max Chilton (beide Ganassi-Honda) wieder. Diese konnte er zwar wieder kriegen, hatte aber keine Reserven mehr gegen Pagenaud und Castroneves. Platz fünf.

Rahal bester Vierstopper

Besagter Kimball landete auf der sechsten Position, gefolgt von Rookie Ed Jones (Coyne-Honda), Graham Rahal (RLL-Honda) mit Vierstopp-Strategie, Max Chilton (Ganassi-Honda) und Michail Aljoschin (Schimdt-Peterson-Honda), obschon dieser einen heftigen Ausritt im Kampf mit Rahal einmal durch das Kiesbett am Ende der Gegengeraden musste. Rahal mischte seinerseits zu Beginn des Rennens ganz vorne mit, ruinierte sich im ersten Stint aber die Vorderreifen. So war er zu einem frühen Stopp und der Vierstopp-Strategie gezwungen.

Pechvogel des Rennens war Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda), dessen Frontflügel kurz vor Schluss zu Bruch ging. Von Rang sieben und der Position als bester Pilot, der nicht in einem Penske- oder Ganassi-Boliden saß, ging es noch bis auf die 14. Position zurück. Auch Alexander Rossi verlor durch einen Ausritt kurz vor Schluss einen möglichen siebten Rang und wurde nur 13. Esteban Gutierrez (Coyne-Honda) holte in seinem dritten IndyCar-Rennen den 17. Platz.

Wie schon im Juni steht der IndyCar-Serie auch im Juli ein Monat mit drei Rennwochenenden ins Haus. Den Anfang macht Iowa am 9. Juli.

© Motorsport-Total.com

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