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So werden die Fahrzeuge der IndyCar-Serie 2018 auf Superspeedways aussehen
So werden die Fahrzeuge der IndyCar-Serie 2018 auf Superspeedways aussehen © IndyCar

IndyCar hat das Aerokit für das Indianapolis 500 2018 präsentiert . Einen Tag vor Beginn der Testfahrten lassen Honda und Chevrolet die Hüllen fallen.

Das alte IndyCar-Chassis in völlig neuen Kleidern: Erstmals wurde das neue Einheits-Aerokit für die IndyCar-Serie 2018 der Öffentlichkeit präsentiert. Im Vorfeld der lang erwarteten Testfahrten auf dem Indianapolis Motor Speedway wurden die Boliden enthüllt. Sowohl Chevrolet als auch Honda werden ihre Hersteller-Kits kommende Saison zugunsten einer neuen Einheits-Aerodynamik einstampfen. Diese soll an die glorreiche ChampCar-Zeit erinnern und gleichzeitig viel besseres Racing erlauben.

Die neue Aerodynamik wurde bereits in den ersten Render-Bildern von der Fangemeinde extrem positiv aufgenommen. Erstmals seit dem 20. April 2008, als das letzte Rennen mit dem Panoz DP01 ausgetragen wurde, werden IndyCars ohne Airbox auskommen. Auch die seit 2012 vorgeschriebenen Rear Wheel Guards, die mit dem damals noch Dallara DW12 (heute: Dallara IR-12) eingeführt wurden, sind wieder verschwunden. Die Fans konnten sich mit der Sicherheitsmaßnahme nie anfreunden.

IndyCar ist mit dem neuen Fahrzeug gänzlich neue Wege gegangen. Rennchef Jay Frye hat den Ingenieuren einen völlig neuen Weg vorgegeben, der in der Fachsprache "Reverse Engineering" genannt wird. Das Mantra: Erst die Optik, dann alles andere. Das Ziel war ausdrücklich, IndyCar spirituell wieder an die glorreiche CART-Zeit heranzuführen und mit der IRL-Tradition zu brechen, aus der die jetzige IndyCar-Serie hervorgegangen ist. Alexander Rossi, der Indy-500-Sieger von 2016, schwärmt vom neuen Auto: "Das sieht wie ein echter Rennwagen aus."

Bessere Optik, gleiche Performance

Obschon die Optik im Vordergrund stand, wird das neue Fahrzeug höchsten Performance-Ansprüche gerecht. Die Zeiten auf dem Indianapolis Motor Speedway sollen auf dem Niveau von 2017 liegen. Gleichzeitig sollen die Fahrzeuge in der gefürchteten "Dirty Air" deutlich fahrbarer werden. Dazu wurde die aerodynamische Philosophie des Dallara IR-12 komplett umgedreht: Künftig werden 66 Prozent des Abtriebs über den Unterboden erzeugt. Bisher sind es ganze 19 Prozent. Möglich machen dies mächtige Diffusoren, die an die Wing-Car-Zeit in der Formel 1 erinnern - nur dass sie nicht in den Seitenkästen, sondern der Fahrzeugmitte angeordnet sind.

Optisch macht das Fahrzeug einen deutlich aufgeräumteren Eindruck als alle IndyCars seit 2012. Ins Auge fallen die enormen Luftleitbleche vor den Hinterrädern, die Turbulenzen vor dem Miniatur-Heckflügel verhindern sollen. Ebenfalls auffällig ist der stark ausgeprägte "Wicker" - die kleine Finne an der Nase des Fahrzeug vor dem Fahrer. Dieser sorgt für eine ruhigere Front bei der Kurvenfahrt. Auch das Schutzblech an der Seite des Fahrzeugs ist verschwunden. Ein Verhaken der Vorderräder wird nun mit einem optisch deutlich unauffälligeren Kohlefaser-Bügel verhindert.

Sicherheit nochmals verbessert

Dass sich Sicherheit und Ästhetik nicht ausschließen müssen (ein Thema, das in einer anderen Formelserie gerade ganz heiß ist), beweisen nochmals verstärkte Sicherheitsvorschriften. Besonders stolz ist IndyCar auf den Seitenaufprallschutz, der jeden FIA-Sicherheitstest nicht nur bestehen, sondern weit übertreffen würde. Öl- und Wasserkühler sind in den Seitenkästen nach vorne gewandert und somit Teil der Crash-Struktur, die den Fahrer schützt. Einen Cockpitschutz hat das Fahrzeug nicht, da sich die Schutzscheibe "Aeroscreen" noch in der Entwicklung befindet.

Die neue Aerodynamik wurde für den Fall eines Unfalls in drei verschiedenen Winkeln getestet - 90, 135 und 180 Grad zur Fahrtrichtung. In allen Fahrzuständen wird ein Abheben des Autos so verhindert. Die neuen Fahrzeuge kommen ohne die sogenannten "Domed Skid Plates" aus, die 2016 für viel Ärger gerade bei Honda-Teams gesorgt hatten. Die gewölbten Platten mit eingelassenen Metallteilen wurden 2016 nachgerüstet, nachdem im Jahr zuvor beim Indy 500 Fahrzeuge bei der Rückwärtsfahrt zum Abheben neigten.

Das Aerokit wird am Dienstag und Mittwoch auf dem Indianapolis Motor Speedway intensiven Tests unterzogen. Die beiden Veteranen Juan Pablo Montoya (Penske-Chevrolet) und Oriol Servia (Schmidt-Peterson-Honda) werden insbesondere Versuche zum Kühlbedarf des Motors absolvieren. Die neue Aerodynamik sorgt dafür, dass sämtliche Berechnungen hinsichtlich des Kühlbedarfs neu angestellt werden müssen. Neu ist auch das Fahrverhalten des Autos, da der Schwerpunkt deutlich nach vorne gerückt ist. Insgesamt ist der Dallara IR-12 kürzer als in der Vergangenheit.

Das sagen die Verantwortlichen

Jay Frye (IndyCar-Rennchef): "Der Prozess hat vergangenes Jahr im April begonnen. Wir haben den Input von Fans, Fahrern, Teams, Herstellern und Partnern verarbeitet - von jedem, der involviert ist. Dieses Design besticht mit einer schönen historischen Komponente. Es ist sehr zukunftsweisend und verfügt über die neueste Technik. In der Realität sieht es noch beeindruckender aus als auf dem Papier. Wir sind mehr als gespannt, dieses Auto auf der Strecke fahren zu sehen."

Giampaolo Dallara (Gründer von Dallara Automobili): "2017 ist unser 20. Jahr in der IndyCar-Serie und wir freuen uns, dass wir weiter zum Erfolg beitragen können, den diese Meisterschaft verdient. Wir haben eng mit der Serienorganisation und den Teams zusammengearbeitet, um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen. Dieser Tag markiert einen exorbitanten Schritt vorwärts."

Mark Kent (Chevrolet-Motorsportchef): "Die Chevrolet-Fans in der IndyCar-Serie werden 2018 jede Menge Grund zur Begeisterung haben. Nachdem wir mit unserem eigenen Aerokit große Erfolge feiern konnten, freuen wir uns jetzt auf das nächste Kapitel. Unserer Ziel wird sein, den 2,2-Liter-V6-Biturbo-Direkteinspritzer in dieses Paket perfekt zu integrieren."

Art St. Cyr (HPD-Präsident): "Wir sind gespannt darauf, die IndyCar-Karosserie des Jahrgangs 2018 auf der Strecke zu sehen. Sie sieht großartig aus, eine Rückbesinnung auf ein traditionelles IndyCar-Design, aber mit vielen zukunftsorientierten Features und noch immer großen Fortschritten bei der Sicherheit. Es sieht schnell aus, wie es sein soll. Wir glauben, dass die Fans es ebenfalls lieben werden."

© Motorsport-Total.com

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