vergrößernverkleinern
Josef Newgarden setzte ein dickes Ausrufezeichen im Meisterschaftskampf
Josef Newgarden setzte ein dickes Ausrufezeichen im Meisterschaftskampf © LAT

Josef Newgarden besiegt Will Power auf dem Mid-Ohio Sports Car Course und übernimmt die Tabellenführung. Scott Dixon wird nur Neunter

Zum zweiten Mal hintereinander durfte Josef Newgarden (Penske-Chevrolet) die Victory Lane in der IndyCar-Serie aufsuchen. Mit seinem Sieg in Lexington hat der Penske-Pilot zudem erstmals die Führung in der Gesamtwertung übernommen. Seine Meisterschaftskontrahenten Scott Dixon (Ganassi-Honda), Helio Castroneves und Simon Pagenaud (beide Penske-Chevrolet) fuhren nur auf die Plätze neun, sieben und vier. Mit auf das Podium kamen Will Power (Penske-Chevrolet) und Graham Rahal (RLL-Honda).

Newgarden war der dominierende Mann des Rennens. Als Zweiter gestartet, überrumpelte er Power in Runde 13 von 90 mit einem hervorragenden Dummy-Manöver. Von da an kontrollierte der 26.Jährige das Geschehen von der Spitze aus. Auch von einer späten Gelbphase nach einem Dreher von Ed Jones (Coyne-Honda) ließ er sich aus der Ruhe bringen. Sein Vorsprung betrug am Ende 5,156 Sekunden.

"Mit so einem Auto ist es wirklich einfach. Das war einfach unglaublich schnell auf allen Reifenmischungen. Ich muss wohl mit dieser Farbgebung weiterfahren, die funktioniert wirklich gut", lacht der US-Amerikaner. "Ich war in der Gelbphase besorgt, dass sie hinter mir auf weichen Reifen schneller sein würden. Wir haben die harten Reifen gewählt, als ich noch Vorsprung hatte." Sein Glück hieß Esteban Gutierrez (Coyne-Honda), der nach dem Restart zwischen ihm und Power lag und rundenlang versuchte, sich zurückzurunden. Dadurch kam Power nicht heran und Newgarden hatte bald einen gesunden Vorsprung.

Gutierrez regt Power auf

Polesetter Power brachte den zweiten Platz nach Hause, obwohl er sich in der Schlussphase heftiger Attacken von Rahal erwehren musste, der wiederum von Pagenaud bedrängt wurde. "Warum lassen die solche Überrundete da vorne drin?", ärgert sich Power über die Anwesenheit von Gutierrez im letzten Stint. "Ich habe irgendwann einen Abstand gelassen, um keinen Fehler wegen jemandem zu machen, der nicht einmal im selben Rennen ist." Insgesamt sei es aber ein "solides Ergebnis". Nur hat Will Power vier Rennen vor Schluss noch immer mehr als 50 Punkte Rückstand im Meisterschaftskampf und hat nur Außenseiterchancen.

Rahal hatte in den letzten Runden einen entscheidenden Nachteil, weil er viel Push-to-Pass in einem frühen Kampf mit Takuma Sato (Andretti-Honda) verbrannt hatte. So konnte Power die Angriffe abwehren, doch auch Pagenaud fand keinen Weg mehr am Sohn von IndyCar-Legende Bobby Rahal vorbei. "Wir hatten wirklich eine gute Pace", reflektiert Rahal. "Schade, dass wir so gut wie nie freie Fahrt hatten. Aber als einziges Team zwischen die ganzen Penskes zu fahren, zeigt, wie gut diese Mannschaft ist." Einmal hätte er Power fast ausgetrickst, doch der machte sich sehr breit. "Das hätte es für uns beide sein können. Wir werden später reden", drückt er seinen Unmut aus.

Sato fiel zwischenzeitlich nach einem schwachen ersten Stopp auf die achte Position zurück, konnte sich aber wieder bis auf Rang fünf nach vorne fahren. Nach dem letzten Restart überrumpelte er Alexander Rossi (Andretti-Herta-Honda) in der "Keyhole"-Kurve mit einem seiner gefürchteten "Banzai"-Manövern. Rossi konnte nicht mehr kontern und fuhr die sechste Position nach Hause. So stellte er sicher, dass Newgarden die Führung in der Gesamtwertung übernehmen konnte.

Dixon kann nur Schadensbegrenzung betreiben

Denn erst hinter ihm kam Helio Castroneves ins Ziel. Der Brasilianer hatte einen guten Start und hielt seinen fünften Platz, fiel aber beim ersten Stopp in eine Kampfgruppe zurück, die ihn viel Zeit kostete. Doch selbst mit freier Fahrt fehlte ihm danach schlicht der Speed. Zwar ist er an Dixon in der Meisterschaft vorbeigekommen, dafür hat er nun Newgarden vor der Nase. Und der Penske-Youngster befindet sich in einem Formhoch.

Für Dixon lief auf dem Mid-Ohio Sports Car Course gar nichts zusammen. Nach dem ersten Renndrittel klagte er, dass etwas im Auto gebrochen sei. Der Ganassi-Honda hatte nur noch Übersteuern. Ganassi holte ihn frühzeitig an die Box, um den Flügel massiv zu verstellen. Zu allem Überfluss ging auch noch der Stopp komplett in die Hose. "Das ist einer dieser Tage, an denen gar nichts zusammenläuft", schüttelt der viermalige IndyCar-Meister den Kopf. "Da muss etwas gebrochen sein. Ich war in einer Runde zwei bis drei Sekunden zu langsam. Wir haben gewaltig Fronflügel rausgenommen, aber auch das hat es nicht kuriert."

Die Strategie hätte mit Gelb-Glück wie 2014 noch immer aufgehen können, doch die ersehnte Gelbphase kam erst, nachdem alle anderen ihren letzten Stopp auch schon absolviert hatten. Der Neuseeländer betrieb mit Rang neun Schadensbegrenzung. "Wir sind noch immer gut platziert in der Meisterschaft", bleibt er gelassen.

Zwischen Castroneves und Dixon lief Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda) auf der achten Position im Ziel ein. Der Meister von 2012 traf zu Beginn des Rennens mit seinem Teamkollegen Rossi zusammen und drehte sich, fuhr sich aber wieder in die Top 10 hinein. Diese komplettierte Conor Daly (Foyt-Chevrolet).

Mit der dominanten Vorstellung hat sich Newgarden endgültig zum Topfavoriten auf den IndyCar-Titel 2017 gemausert. Er führt nun mit sieben Punkten Vorsprung vor Castroneves, Dixon liegt einen weiteren Punkt zurück. Je länger die Saison dauert, umso stärker scheint die neue Paarung Josef Newgarden - Penske - Tim Cindric zu werden. Die Konkurrenz hat Zeit zum Reagieren, denn es steht nun eine dreiwöchige Pause mit Testfahrten an, bevor es am 20. August auf dem Pocono-Superspeedway weitergeht.

© Motorsport-Total.com

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel