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Alex Rossi fuhr zu seinem zweiten IndyCar-Sieg, dem ersten auf einem Rundkurs
Alex Rossi fuhr zu seinem zweiten IndyCar-Sieg, dem ersten auf einem Rundkurs © LAT

Traumwochenende für Alexander Rossi: Neuer Vertrag, Pole-Position und Sieg - Crash von Tabellenführer Josef Newgarden macht Titelkampf spannend.

Spannung im Kampf um den IndyCar-Titel 2017. Beim vorletzten Saisonrennen in Watkins Glen hat sich Alexander Rossi (Herta/Andretti-Honda) knapp vor dem als Tabellenzweiten angereisten Scott Dixon (Ganassi-Honda) den Sieg geholt. Gleichzeitig zeigte Tabellenführer Josef Newgarden (Penske-Chevrolet) Nerven, indem er beim letzten Boxenstopp in der Boxengassen-Ausfahrt in die Leitplanke krachte und daraufhin in eine Kollision verwickelt wurde.

Für Rossi markiert der Sieg den perfekten Abschluss eines perfekten Wochenendes. Am Freitag hatte der Indy-500-Sieger von 2016 einen neuen Zweijahresvertrag bei Andretti unterzeichnet. Am Samstag holte er sich die 1. Pole-Position seiner IndyCar-Karriere. Am Sonntag hat er nun seinen 2. Sieg und seinen ersten auf einem Rundkurs folgen lassen. Im Kampf um den IndyCar-Titel 2017 hat Rossi sogar noch ganz geringe Chancen.

"Das ist unglaublich. Wir hatten hier ein richtig schnelles Auto. 2018 werden wir richtig aufdrehen", so die ersten Worte von Sieger Alexander Rossi in der Victory Lane.

Start mit Regenreifen

Kurz vor dem Start hatte es geregnet, weshalb das gesamte Feld mit Regenreifen startete. Polesitter Alexander Rossi verlor den Vorteil der 1. Pole-Position seiner IndyCar-Karriere zunächst, denn der vom 3. Startplatz gekommene Tabellenführer Josef Newgarden stach in Kurve 1 innen vorbei. Allerdings konnte Rossi am Kurvenausgang mit mehr Schwung sofort wieder kontern.

Schon am Ende der 1. Runde nutzte der Großteil des Feldes die Gelegenheit, um von Regenreifen auf Slicks zu wechseln. Einzig Max Chilton (Ganassi-Honda) und J.R. Hildebrand (Carpenter-Chevrolet) warteten eine Runde länger.

Auf der ersten Runde mit Slicks (Runde 2) ging Helio Castroneves (Penske-Chevrolet) ausgangs Kurve 9 an Rossi vorbei, weil der auf einer feuchten Stelle beinahe abgeflogen wäre. Da Chilton und Hildebrand wenige Sekunden später ihren Boxenstopp einlegten, war Castroneves bei Ende der 2. Runde der Spitzenreiter. Der "Spiderman" führte in der Anfangsphase vor Rossi, Newgarden, Dixon und Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda).

2 frühe Gelbphasen

In Runde 6 brachte James Hinchcliffe (Schmidt-Honda) mit einem Getriebe-bedingten Ausrollen in Kurve 9 die 1. von insgesamt 4 Gelbphasen heraus. Beim Restart verteidigte Castroneves die Führung klar vor Rossi, während sich Dixon vor der Schikane auf der Gegengerade an Newgarden vorbei auf Rang 3 nach vorn schob.

In Runde 15 gab es wieder Gelb. Diesmal war ein technisch bedingtes Ausrollen des vom 4. Startplatz losgefahrenen, aber schon früh weit zurückgefallenen Takuma Sato (Andretti-Honda) der Grund. Der Japaner musste in Kurve 6, die von der Kurzanbindung auf die lange Streckenvariante führt, abstellen. Der Bergungstrupp brachte Sato zurück an die Box und er konnte nach Reparatur das Rennen fortsetzen.

Der Großteil des Feldes nutzte die Gelegenheit der 2. Gelbphase zum 1. Routinestopp mit Auftanken und Wechsel auf frische Slicks. Castroneves hielt sich knapp vor Rossi. Dahinter schob sich Hunter-Reay dank eines schnellen Stopps seiner Andretti-Crew an Newgarden vorbei, während Dixon einige Positionen verlor.

5 Fahrer blieben während der Gelbphase auf der Strecke und wurden somit nach vorn gespült: Spencer Pigot (Carpenter-Chevrolet), Max Chilton, Marco Andretti (Andretti-Honda), J.R. Hildebrand und Jack Harvey (Schmidt-Honda). Beim Restart führte somit Pigot vor Chilton und Andretti.

Unterschiedliche Strategien

In Reihen der frischbereiften Fahrer war es Rossi, der sich am zügigsten wieder nach vorn kämpfte. Doch noch bevor der Polesitter wieder in Führung gehen konnte, musste er in Runde 25 einen außerplanmäßigen Boxenstopp unter Grün einlegen. Der Grund: Beim vorangegangenen Stopp unter Gelb wurde der Tank aufgrund eines Problems mit der Tankanlage nicht vollgemacht.

Nachdem fast alle unter Gelb auf der Strecke gebliebenen Fahrer unter Grün stoppten, lautete die Reihenfolge an der Spitze: Hunter-Reay, Castroneves und Dixon, als Takuma Sato in Runde 28 erneut für eine Gelbphase sorgte: diesmal mit einem Dreher in Kurve 7. Die Spitze kam erneut an die Box. Hunter-Reay, Castroneves, Dixon, Andretti und Newgarden lautete die Reihenfolge bei der Ausfahrt aus der Boxengasse. Allerdings blieben wieder einige Fahrer draußen.

Dixon setzt sich in Szene

Beim Restart war es nun Rossi, der vor Pigot, Chilton und Hildebrand führte. Dahinter folgte die von Hunter-Reay angeführte Gruppe der frischer bereiften Fahrer. In Runde 39 ging Dixon an Hunter-Reay vorbei und lag damit an 3. Stelle hinter Rossi und Chilton. Pigot war inzwischen unter Grün an der Box gewesen.

18 Runden vor Schluss der 60-Runden-Distanz kamen Spitzenreiter Rossi und Verfolger Chilton zeitgleich unter Grün zum letzten Tankstopp mit Reifenwechsel. Somit übernahm Dixon erstmals in diesem Rennen die Führung, doch 2 Runden später kam auch der Neuseeländer, gefolgt von Hunter-Reay, Castroneves und Co.

Crash von Tabellenführer Newgarden in Boxenausfahrt

Bei Tabellenführer Newgarden ging die Ausfahrt aus der Boxengasse komplett schief. Mit kalten Reifen rutschte er mit Untersteuern in die Leitplanke der bergab führenden Boxenausfahrt und wurde vom nachfolgenden Sebastien Bourdais (Coyne-Honda) gerammt. Direkt dahinter hatte Routinier Tony Kanaan (Ganassi-Honda) genau das gleiche Problem wie Newgarden. Auch er erwischte die Leitplanke: Gelbphase Nummer 4 im Rennen.

Für Kanaan war das Rennen gelaufen. Bourdais und Newgarden konnten weiterfahren, doch Newgarden musste zwecks Heckpartie-Wechsel noch einmal die Box aufsuchen. Dabei sah der Penske-Pilot seinen Punktevorsprung förmlich dahinschmelzen. Schließlich wurde es für Newgarden mit 2 Runden Rückstand nur Platz 18.

An der Spitze diktierte Rossi das Tempo beim Restart vor Dixon, der als Tabellenzweiter hinter Newgarden angereist war und nun die große Chance roch, jede Menge Punkte gutzumachen. Im Verlauf der letzten gut 10 Runden ließ sich Dixon nicht abschütteln, doch Rossi brachte den 2. Sieg seiner IndyCar-Karriere nach dem Indy 500 im vergangenen Jahr gerade so mit 0,9 Sekunden Vorsprung über die Linie.

Hinter Rossi und Dixon machte Hunter-Reay auf Platz 3 das Podest komplett. Die Top 5 wurden von Castroneves und Graham Rahal (Rahal-Honda) abgerundet. Will Power (Penske-Chevrolet) beendete ein komplett unauffälliges Rennen auf Platz 6. Die übrigen Top-10-Positionen wurden von den Ganassi-Piloten Kimball und Chilton, dem wie Power ebenso unauffälligen Simon Pagenaud (Penske-Chevrolet) sowie Carlos Munoz (Foyt-Chevrolet) belegt.

In der Gesamtwertung ist der Vorsprung von Tabellenführer Josef Newgarden auf den viermaligen IndyCar-Champion Scott Dixon von 31 auf 3 Punkte zusammengeschmolzen. Das Saisonfinale 2017, bei dem es wie schon 2015 und 2016 doppelte Punkte gibt, steigt in 2 Wochen (17. September) in Sonoma.

© Motorsport-Total.com

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