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Valentino Rossi war einer von vielen Piloten, die am Freitag stürzten
Valentino Rossi war einer von vielen Piloten, die am Freitag stürzten © FGlaenzel

Insgesamt 64 Stürze in sechs Sessions: Die Piloten haben beim Trainingsauftakt in Misano große Probleme und schimpfen über den in die Jahre gekommenen Asphalt

Regen sorgte beim Wochenendeauftakt in Misano für schwierige Bedingungen. Der ohnehin wenig griffige Asphalt bot den Piloten bei Nässe deutlich weniger Haftung als andere Kurse im Nassen. Zudem stellte Bridgestone die falsche Regenmischung bereit. Insgesamt 64 Stürze wurden in der MotoGP, der Moto2 und der Moto3 verzeichnet. Unter den Sturzopfern entdeckte man prominente Namen wie Valentino Rossi, Andrea Dovizioso oder auch Aleix Espargaro.

"Der Regen und die niedrigen Streckentemperaturen kreierten für die Fahrer eine große Herausforderung", bemerkt Bridgestone-Chefingenieur Masao Azuma. "Die allgemeine Meinung der Fahrer war, dass der Asphalt in Misano im Nassen sehr wenig Haftung bot, vor allem beim Bremsen." Der MotoGP-Reifenlieferant stellte den Fahrern sechs harte und zwei weiche Sätze Regenreifen bereit. Dadurch waren die Piloten gezwungen, im ersten Freien Training den harten Regenreifen zu verwenden. Doch Bridgestone disponierte um und stellte für das zweite Training mehr weiche Reifen bereit.

"Alle Fahrer verwendeten im ersten Freien Training den harten Reifen. Durch die schwierigen Bedingungen fuhren beinahe alle Fahrer im zweiten Freien Training mit dem weichen Reifen. Durch den fehlenden Grip des Asphalts entschieden wir uns nach dem ersten Training, mehr weiche Reifen bereitzustellen, um die Sicherheit aller Fahrer zu gewährleisten. Der weiche Reifen ist in Misano nur die alternative Mischung", betont der Bridgestone-Verantwortliche.

Rossi bringt Reifen nicht auf Temperatur

Yamaha-Werkspilot Valentino Rossi machte die harten Reifen für seinen Sturz verantwortlich: "Ich stürzte, weil ich vorne den harten Regenreifen montiert hatte. Dieser funktioniert nicht, wenn die Streckentemperatur niedriger als 20 Grad ist", bemerkt der Italiener, der den Tag nur auf Position zehn beendete. Teamkollege Jorge Lorenzo stürzte nicht, war als Achter aber auch nicht besonders schnell unterwegs.

"Man muss sanfter als auf anderen Strecken bremsen", erklärt Lorenzo, der gut verstehen kann, warum Bridgestone sich auf den harten Regenreifen konzentriert hat: "In den vergangenen Jahren lösten sich die Regenreifen ziemlich schnell auf. Vielleicht hat Bridgestone deshalb härtere Mischungen mitgebracht. Heute fehle der Grip."

Dass die Bedingungen in Misano sehr schwierig waren, belegt ein Blick auf die Rundenzeiten: "Normalerweise beträgt der Unterschied zwischen trocken und nass zehn oder 15 Sekunden pro Runde. Hier waren es mehr als 20 Sekunden", vergleicht Lorenzo. "Es fehlte also Haftung und man musste vorsichtiger fahren. Durch die Traktionskontrolle gab es nicht viele Stürze am Kurvenausgang. Doch beim Bremsen war es auch durch den Gummi von den Autorennen schwierig."

Dovizioso kann Bridgestones Wahl verstehen

Ducati-Werkspilot Andrea Dovizioso beendete den Tag an der Spitze der Wertung. "Wir haben im Nassen keine Erfahrungen auf diesem Kurs. Mein Gefühl sagt mir, dass sehr viel Gummi auf dem Asphalt liegt. Wenn man stürzt, obwohl man noch gerade fährt, dann ist das ein Beleg für die niedrige Haftung. Alle Fahrer stürzten auf der Ideallinie. Dort lag sehr viel Gummi, doch die Haftung ist generell nicht besonders gut", berichtet der Italiener.

Doch Dovizioso macht Bridgestone ebenfalls nicht für die nicht ganz optimale Reifenwahl verantwortlich: "Ich denke, dass sie den harten Reifen gebracht haben, weil die Reifen in der Vergangenheit ziemlich schnell kaputt waren, wenn nicht viel Wasser auf der Strecke stand", grübelt der Ducati-Werkspilot. Teamkollege Cal Crutchlow reagierte gelassen auf die Geschehnisse: "Bridgestone sagte, dass es kein Problem mit dem harten Vorderreifen gibt. Als dann alle stürzten bekamen wir den weichen - und wieder stürzten alle. Ich denke also, dass es kein Reifenproblem war. Ich denke eher, die Jungs haben etwas zu hart gepusht."

Bradl wünscht sich neuen Asphalt

Für LCR-Pilot Stefan Bradl war klar, was der Grund für die vielen Stürze war: "Der Asphalt ist ziemlich alt. Die Reifen beißen sich nicht so wie auf anderen Strecken in den Asphalt", erklärt der Deutsche. "Es ist nicht normal, dass so viele Fahrer stürzen. Es war schwierig, die Bedingungen richtig einzuschätzen. Ich bin sehr froh, dass ich nicht gestürzt bin. Zudem bin ich froh, dass ich ziemlich schnell war. Ich fühlte mich wohl. Doch man musste nur einen Zentimeter neben der Linie sein und lag auf dem Boden. Ich hoffe, dass es morgen nicht so unberechenbar sein wird."

"Ich bin überzeugt, dass es nicht an den Reifen liegt. Es ist der Belag, der in einem miesen Zustand ist", betont Bradl, der sich beim Meeting am Abend dafür einsetzen wird, dass der Kurs in Misano für die kommende Saison einen neuen Belag erhält: "Ich werde an der Sicherheits-Kommission teilnehmen und mein Statement abgeben. Ich denke, dass alle Fahrer der gleichen Meinung sind."

Marquez verzichtet auf zu viel Risiko

Weltmeister Marc Marquez erkannte, dass es am Freitag schnell zu einem Sturz kam und verzichtete auf unnötiges Risiko: "Die Strecke war sehr rutschig, ganz besonders heute Vormittag. Es dauert lange, bis man Temperatur in die Reifen bringt. Mit dem weichen Reifen war es heute Nachmittag etwas besser, aber nicht gut genug. Es sieht so aus, dass man auf diesem Kurs einfach Zeit braucht, um die Reifen auf Temperatur zu bringen. Aus diesem Grund bin ich nicht viele Runden gefahren, denn laut der Wettervorhersage wird es morgen besser sein."

"Am Sonntag soll es dann ganz trocken bleiben. Aus diesem Grund bin ich kein Risiko eingegangen. Ich fühlte mich bei diesen Bedingungen gut, auch wenn ich nur fünf Runden gefahren bin. Dann bin ich an die Box gefahren und habe abgewartet", berichtet der Honda-Werkspilot. "Das Problem ist, dass es schwierig war, beim Bremsen das Limit zu finden. Ich hatte keine großen Probleme, aber es gab viele Stürze von anderen Fahrern. Daher war ich vorsichtig, denn wenn man sieht, wie die anderen stürzen, verliert man auch selbst etwas das Vertrauen."

Tech-3-Pilot Pol Espargaro teilt die Meinungen seiner Kollegen und sieht die Hauptschuld im Asphalt: "Ein neuer Asphalt wäre eine gute Sache, vor allem wenn es regnet", bemerkt der Moto2-Weltmeister. "Im Trockenen ist es hier auch recht rutschig, aber nicht so gefährlich wie bei Regen. Wenn es nass ist, wird der Asphalt sehr rutschig. Man konnte in der MotoGP sehr viele Stürze beobachten. Auch in der Moto2 und Moto3 gab es viele Stürze. Das zeigt, dass der Kurs im Nassen nicht gerade ideal ist."

Doch Reifenlieferant Bridgestone trifft laut Espargaro auch eine gewisse Schuld: "Normalerweise erhalten wir sechs weiche und zwei harte Regenreifen. Hier war es genau umgedreht. Warum das so war, weiß ich nicht", rätselt der Yamaha-Pilot "Am Morgen mussten wir den harten Reifen verwenden, weil wir nicht genug weiche hatten, sollte es weiterhin regnen. Bridgestone sah, wie viele Fahrer stürzten und änderte die Anzahl der Reifen für den Nachmittag."

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