vergrößernverkleinern
Valentino Rossi raste in Misano zum Heimsieg © Getty Images

München - SPORT1-Experte Alex Hofmann huldigt dem Sieger von Misano. Valentino Rossis Heimsieg sei mehr wert als viele Erfolge vorher.

Liebe Motorsport-Freunde,

was wir an diesem Wochenende in Misano erlebt haben, war schon etwas Außergewöhnliches.

Valentino Rossi war auf seiner Heimstrecke so fokussiert und konzentriert wie schon lange nicht mehr. Die Yamaha hat mit ihm zusammen super funktioniert und man hat gemerkt, dass sich über die Tage eine besondere Spannung aufgebaut hat. Jeder wusste, hier und heute könnte es noch einmal passieren.

Auch Rossi hat das gespürt, das hat man an der Art und Weise gesehen, wie er sich vorbereitet hat. Normalerweise ist er da schon ein wenig lockerer und entspannter. Aber auch wenn Rossi immer noch weltklasse ist, sind Siege für ihn eben nicht mehr selbstverständlich.

Dass er in seinem Alter jetzt doch noch einmal einen rausgehauen hat, hat nicht nur ganz Italien verzaubert, sondern das ganze Fahrerlager. Man hat gemerkt, dass ihm jeder die Daumen gedrückt und sich für ihn gefreut hat.

Zumal dieser Sieg deutlich höher einzuschätzen ist, als sein Sieg in Assen im letzten Jahr als alle Konkurrenten Probleme hatten. In diesem Jahr waren Marquez, Lorenzo und auch Pedrosa voll da. Von dem her war dieser Sieg ein ganz besonderer. Deshalb ist seine Freude auch so groß gewesen.

Die MotoGP hat sich in den letzten Jahren einfach sehr stark verändert. Zu der ganz dominanten Zeit von Rossi muss man auch sagen, dass beispielsweise bei den Reifen Privilegien vergeben wurden. Die Werke hatten viel mehr Möglichkeiten und es war aus technischer Sicht nicht so ausgeglichen wie heute.

Damals wussten natürlich alle, dass er ein Ausnahmetalent ist, aber sie wussten auch, dass viele aus dem Umfeld Rossi siegen sehen wollten, weil er einfach ein Verkaufsschlager war. Deshalb war der Sieg am Wochenende wahrscheinlich noch mehr herausgefahren als viele seiner Siege von damals.

Dennoch ist es gar keine Frage, wer Weltmeister wird. Marc Marquez hat zwar erstmals ein bisschen geschwächelt, aber er wird das heimschaukeln. Es war abzusehen, dass Misano Yamaha-Land ist, sie haben dort in den letzten vier Jahren immer gewonnen. (MITDISKUTIEREN: Facebook-Seite SPORT1 Motorsport).

Marquez war vom Setup des Bikes nicht da, wo er sein sollte. Aber er ist jemand, der das nicht akzeptiert und trotzdem alles versucht. Er hat am Anfang einige tolle Überholmanöver gezeigt, aber Rossi hat dann auch in einer Art und Weise dagegengehalten, wie er es sonst wohl nicht tun würde.

Das hat wahrscheinlich auch Marquez nervös gemacht, der gespürt hat, dass er über dem Limit fährt. Er musste mehr als hundert Prozent geben um überhaupt dranzubleiben und das geht dann eben nicht immer gut. Er ist zwar ein Zauberer, aber irgendwann kann selbst er dann nicht mehr alles abfangen.

Stefan Bradl steckt dagegen weiterhin in einem Tal, das Glück ist auch einfach nicht auf seiner Seite. Im Rennen ist er die fünftschnellste Runde gefahren und hat auf jeden Fall versucht zu beißen, doch das endete dann im nächsten Sturz und im nächsten Nuller.

Es läuft einfach alles nicht nach seinen Vorstellungen. Er sollte jetzt so langsam an den Punkt kommen, wo er die Saison einfach abhakt und einfach versucht, noch einmal ein unbeschwertes Wochenende hinzulegen (Die MotoGP in Aragon ab 26. September LIVE im TV auf SPORT1).

Dann traue ich ihm auf jeden Fall zu, noch einmal in die Top Fünf zu fahren.

Euer

Alex Hofmann

Alex Hofmann (@Alex_66), Jahrgang 1980, wurde 1998 Deutscher Meister und Europameister in der 250-cm³-Klasse. Von 2002 bis 2007 war er in der MotoGP, der Königsklasse des Motorradsports, aktiv . Seit 2009 ist Hofmann, der fünf Sprachen fließend spricht, SPORT1-Experte und -Kommentator. In seiner Kolumne befasst er sich nach jedem Rennwochenende mit dem aktuellen Geschehen in der MotoGP, der Moto2 und Moto3.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel