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Jorge Lorenzo und Marc Marquez
Jorge Lorenzo (r.) musste Marc Marquez in Silverstone den Vortritt lassen. © Getty Images

Alex Hofmann beurteilt den harten Zweikampf von Marquez und Lorenzo in Silverstone. Er würdigt Dauerbrenner Rossi.

Liebe Motorsport-Freunde,

Der spektakuläre Zweikampf zwischen Marc Marquez und Jorge Lorenzo war das Highlight des Rennwochenendes der MotoGP in Silverstone.

Grenzwertig – das war vor Ort gleich mein erster Gedanke dazu, und so würde ich es immer noch bezeichnen. Ja, es war absolut auf der Grenze. Aber wenn so ein Manöver ala Marquez gut geht, er innen über die Curbs vorbeizieht, ohne Lorenzo runterzuboxen, dann kann man es durchgehen lassen.

Das Ganze vom Fernsehbild zu beurteilen ist ohnehin etwas ganz anderes, als selbst drauf zu sitzen und so ein Manöver zu spüren. So ein Moment ist pures Adrenalin, diese Millimeter-Entscheidungen zum Überholen in Millisekunden aus dem Bauch heraus zu treffen, mit dem richtigen Renninstinkt, das zeichnet einen Profi aus.

Schließlich geht es um die WM und um nicht weniger als die Vorherrschaft in der MotoGP.

Marquez hat den Sport in den letzten zwei Jahren auf ein anderes Niveau gebracht und das Limit noch einmal angehoben. Wenn einer kommt und noch eine Schippe drauflegt, versuchen alle nachzulegen und mitzuziehen.

Das pusht die anderen Fahrer wie Lorenzo, Valentino Rossi oder Dani Pedrosa. Vielleicht ist dabei auch etwas die Risikobereitschaft gestiegen. Und ganz ehrlich: Das ist natürlich auch das, was jeder Motorsport-Fan sehen will.

Bei der Weltmeisterschaft lege ich mich übrigens fest. Marquez ist mit 89 Punkten Vorsprung im Gesamtklassement nicht mehr einzuholen. Er könnte sogar mal guten Gewissens ein Wochenende zu Hause bleiben.

Das wird er natürlich nicht tun. Denn es zählt weiterhin jedes Rennwochenende. Für ihn und für seine Verfolger. Jeder kämpft für einen GP-Sieg.

Und auch Platz zwei im Gesamtklassement ist noch sehr umstritten. Gute Chancen rechne ich Rossi zu. Er ist in Silverstone sein 246. Rennen gefahren – so viele wie niemand zuvor.

Dazu kann ich nur sagen: Allerhöchsten Respekt, Mister Dauerbrenner!

Was Valentino Rossi leistet ist Wahnsinn. Er ist immer noch voll da, er kann sich immer noch steigern, er schlägt nach wie vor die jungen Fahrer und fährt ganz vorne mit. Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen.

Rossi ist weiterhin alles zuzutrauen. Ein Sieg am richtigen Tag im richtigen Moment ist auf jeden Fall drin – genauso wie der Platz hinter Marquez in der Gesamtwertung.

Vielleicht lässt sich damit ja auch das packende Duell vom vergangenen Wochenende toppen. Der nächste Stopp in der MotoGP heißt San Marino (ab 12. September LIVE im TV auf SPORT1). Wenn Rossi in seinem Vorgarten bei schönem Wetter und südländischem Flair den Heimsieg perfekt macht, wäre das ein kleines Motorsportmärchen.

Euer

Alex Hofmann

Alex Hofmann (@Alex_66), Jahrgang 1980, wurde 1998 Deutscher Meister und Europameister in der 250-cm³-Klasse. Von 2002 bis 2007 war er in der MotoGP, der Königsklasse des Motorradsports, aktiv . Seit 2009 ist Hofmann, der fünf Sprachen fließend spricht, SPORT1-Experte und -Kommentator. In seiner Kolumne befasst er sich nach jedem Rennwochenende mit dem aktuellen Geschehen in der MotoGP, der Moto2 und Moto3.

Deshalb denke ich, dass die Reaktion der Fahrer entscheidend ist. Lorenzo hat Marquez nach dem Rennen per Handschlag gratuliert – das war alles andere als böse und sollte somit auch bei der Beurteilung des Manövers berücksichtigt werden.

Zusammenfassend kann man sagen: Grenzwertig, hart? Ja. Unfair? Nein (MITDISKUTIEREN: Facebook-Seite SPORT1 Motorsport).

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