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Jorge Lorenzo konnte Valentino Rossi im Rennen in Misano nicht das Wasser reichen

War Valentino Rossi in Misano einfach zu stark für Jorge Lorenzo? Teammanager Wilco Zeelenberg glaubt nicht, dass die Reifenwahl das Rennen entschieden hat.

"Mit diesem Reifen war nicht mehr möglich", hatte ein enttäuschter Jorge Lorenzo nach dem Rennen in Misano geurteilt. Der Spanier hatte als einziger der 23 Piloten auf den harten Vorderreifen gesetzt - und sich damit augenscheinlich verzockt. Zwar wurde er am Ende Zweiter, war gegen seinen Yamaha-Teamkollegen und Sieger Valentino Rossi allerdings chancenlos.

Nun meldet sich Yamaha-Teammanager Wilco Zeelenberg zu Wort und erklärt gegenüber 'MCN', dass es gute Gründe für Lorenzos Entscheidung gab: "Es wer der Vorderreifen, mit dem er das Rennen im vergangenen Jahr gewonnen hatte. Die Pace war sehr gut und wir hatten nichts zu verlieren, also entschieden wir uns für den harten Reifen."

"Wir sind in der Meisterschaft Vierter, also können wir nicht viel gewinnen oder verlieren. Aber er fühlte sich damit gut und traf die Entscheidung, ihn im Rennen zu verwenden. Wir hofften, dass uns das einen Vorteil verschaffen würde, aber es hat nicht funktioniert", sagt Zeelenberg weiter und ergänzt: "Im vierten Training in Misano fühlte er sich nach zwei Runden auf dem Reifen wirklich stark, aber im Rennen hatte er ganz offensichtlich nicht das gleiche Gefühl."

Der Teammanager gibt außerdem zu bedenken, dass man nicht wissen könne, ob Lorenzo mit dem Medium-Reifen besser abgeschnitten hätte: "Valentino hatte einen großartigen Rhythmus und als sie beide den weicheren Vorderreifen testeten, war Valentino schneller als Jorge. Er hat den Sieg verdient und wir dürfen das nicht auf den harten Reifen schieben. In Silverstone hatten wir den härteren Reifen zunächst gar nicht verwendet, aber wählten ihn dann im Rennen und er funktionierte sofort."

Auch Bridgestone verteidigt Lorenzo

Auch bei Reifenhersteller Bridgestone glaubt man nicht, dass Lorenzo auf klar schlechterem Material unterwegs war. "Jorge fuhr die drittschnellste Runde des Rennens und seine Rundenzeiten waren extrem konstant. Das zeigt, dass der harte Vorderreifen auch in diesem Jahr eine gute Option war", gibt Ex-Pilot und Bridgestone-Mitarbeiter Masao Azuma zu bedenken.

Trotzdem war es auffällig, dass nur der Spanier die härtere Option wählte. Azuma erklärt: "Es gibt viele Gründe, warum die anderen Fahrer dieses Jahr den Medium-Reifen vorgezogen haben. Der Charakter der Motorräder hat sich geändert, der Asphalt ist ein Jahr älter und es gab nicht viel Zeit, im Trockenen am Setup zu arbeiten. Letztendlich haben aber sowohl der Medium-Reifen als auch die harte Mischung im Rennen gut funktioniert."

"Der Vorderreifen ist wichtig, damit die Fahrer Vertrauen in die Front des Motorrads haben und schnell fahren können. Wenn man hinten etwas rutscht und das Heck etwas unruhig ist, dann kann man das verkraften. Aber der Front muss man zu 100 Prozent vertrauen können. Letztendlich entscheidet bei der Wahl des Vorderreifens immer die Vorliebe des Fahrers und was mit ihrem Setup am besten funktioniert."

"In diesem Fall fühlte sich nur Jorge mit der harten Mischung besser", so Azuma. Ob Lorenzo das Rennen mit dem Medium-Reifen hätte gewinnen können, wird sich abschließend sowieso nicht mehr klären lassen. Und "hätte, wäre, wenn" zählt im Rennsport bekannterweise sowieso nicht.

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