Sandro Cortese und Marcel Schrötter landen im Kiesbett. Der Schweizer Tom Lüthi gewinnt in Motegi. Rabat setzt sich weiter ab.

Alex Marquez ist der große Sieger des Grand Prix von Japan in Motegi. In der letzten Runde verloren Jack Miller (KTM) und Danny Kent (Husqvarna) im beinharten Duell um die Führung wertvollen Boden. Marquez nutzte die Situation und holte sich seinen dritten Saisonsieg. Damit baute sich der Honda-Werksfahrer auch einen komfortablen Vorsprung in der WM von 25 Punkten auf. Efren Vazquez (Honda) und Brad Binder (Mahindra) komplettierten als Zweiter und Dritter das Podium. Die beiden Deutschen sammelten keine WM-Punkte.

Der Grand Prix über 20 Runden sorgte vielleicht für eine Vorentscheidung im Titelkampf. Außerdem schieden viele Fahrer durch Stürze aus. Beim Start übernahm Kent von der Pole-Position aus die Führung, doch dahinter herrschte Chaos, denn einige Fahrer stürzten. Im Laufe der ersten Runde gab es einen Unfall zwischen zwei weiteren Fahrern, wodurch in Summe im ersten Umlauf sechs Fahrer zu Boden gingen. Alex Rins (Honda) wurde in der ersten Kurve von Jakub Kornfeil (KTM) nach außen abgedrängt und verlor viel Boden. Am Ende der ersten Runde war der Vizeweltmeister nur 21.

Dafür entwickelte sich in der Anfangsphase ein Dreikampf um die Spitze zwischen Kent, Marquez und Miller. Auch Binder mischte mit der Mahindra kräftig mit. Nach dem ersten Rennviertel hatte sich eine sechsköpfige Spitzengruppe gebildet, bestehend aus Miller, Kent, Miguel Oliveira (Mahindra), Binder, Marquez und John McPhee (Honda). Es wurde in dieser Gruppe hart gefahren. Vor allem Miller und Marquez schenkten sich im Duell nichts.

Bei Halbzeit kam es in der Unterführung unter dem Oval zu einem Unfall zwischen Kornfeil und Jorge Navarro (Kalex-KTM). Die beiden Motorräder blieben mitten auf der Strecke liegen, aber alle nachfolgenden Fahrer konnten ausweichen. Es gab viele Stürze im Laufe des Grand Prix. Neun Runden vor dem Ende verabschiedete sich Oliveira per Highsider aus der Spitzengruppe. Der Portugiese hielt sich sofort die Hüfte und wurde auf einer Trage weggetragen.

Außerdem hatte sich bei Rennhalbzeit eine Verfolgergruppe mit Rins, Romano Fenati (KTM) und Enea Bastianini (KTM) ab Platz sieben gebildet. Sie versuchten, den Anschluss an die Spitzengruppe zu schaffen, während Miller, Marquez und Binder um Platz eins kämpften. Keiner aus der sechsköpfigen Spitzengruppe konnte sich einen Vorteil verschaffen und es kam zum Showdown auf den letzten Kilometern.

Miller startete die letzte Runde in Führung liegend, dicht verfolgt von Kent und Marquez. Auf der langen Gegengeraden wollte Kent Miller überholen, aber der Australier ließ keinen Platz und Kent fuhr einige Meter über die Wiese. Trotzdem bremste der Husqvarna-Pilot tief in Kurve elf, Miller war außen. Beide waren zu spät auf der Bremse und kamen weit nach außen. Als sie über die Randsteine zurück auf die Strecke fuhren, kam es sogar zur Berührung zwischen Kent und Miller.

Marquez nutzte die Situation perfekt, stach innen durch und der Weg zum Sieg war frei. Der Spanier eroberte seinen dritten Saisonsieg. "Es hat so viel Spaß gemacht. Zunächst einmal danke an Honda, dass sie mir hier so ein schnelles Motorrad gegeben haben", sagt Marquez, der nächstes Jahr in der Moto2 fahren wird. "Ich wusste, dass ich Kent und Miller am Ende noch überholen konnte. Ich bremste spät und sie bekamen die Kurve überhaupt nicht. Es ist etwas Besonderes, hier ein Jahr später wieder zu gewinnen. Diesen Sieg möchte ich Bianchi widmen."

Miller kam durch diese Situation nur als Fünfter ins Ziel, Kent als Sechster. Da Rins nur Zehnter wurde, baute Marquez seine WM-Führung deutlich aus. Sein Vorsprung auf Miller wuchs auf 25 Punkte. Rins hat als Dritter schon 37 Zähler Rückstand. Damit kann sich Marquez in den verbleibenden drei Rennen theoretisch einen Fehler leisten und gilt von nun an als klarer WM-Favorit. Außerdem hat Honda nun die Führung in der Herstellerwertung von KTM übernommen. Es bleibt spannend, denn die Österreicher haben nur neun Punkte Rückstand.

Aufgrund der Kent/Miller-Situation eroberte Vazquez den zweiten Platz und Binder Rang drei. Für Vazquez war es der sechste Podestplatz der Saison. "Ich habe mich die ersten sechs oder sieben konzentriert, um in den gleichen Rhythmus wie die Führenden zu kommen. Es war nicht einfach, denn die Strecke ist sehr lang", berichtet der Spanier. "Im Windschatten hat man es viel leichter. Da aber keiner versuchte mir zu folgen, konnte ich mich einfach aufs Fahren konzentrieren."

"Am Ende habe ich in den letzten Runden auf einen Fehler der anderen gewartet. Es wurden immer weniger Runden und Kurven und dann bremsten Kent und Miller erst im allerletzten Moment", so Vazquez über die entscheidende Situation. "Dieser zweite Platz ist sehr wichtig und ein gutes Ergebnis für uns." Binder kletterte zum zweiten Mal in seiner Karriere auf das Podium. Der Südafrikaner wird im nächsten Jahr Nachfolger von Miller bei Ajo-KTM.

"Das Rennen lief sehr gut für mich", freut sich Binder über seinen Erfolg. "Ich hatte einen guten Start und war dann in der Spitzengruppe dabei. Drei Runden vor Schluss war ich sehr zuversichtlich, aber dann passierte irgendetwas Komisches mit meinem Motorrad. Ich weiß nicht, was da los war, aber bei jedem Schaltvorgang sank die Drehzahl ab und ging nicht wieder hoch. Bei jedem Schaltvorgang verlor ich also aus irgendeinem Grund etwas Zeit. In der drittletzten Kurve habe ich mir dann schon gedacht, dass etwas passieren und zwei oder drei Leute die Kurve nicht bekommen würden. Ich bin mit dem dritten Platz zufrieden. Sehen wir mal, was der Rest des Jahres noch bringt."

Für das Racing-Team-Germany war es ein erfolgreicher Tag, denn auch McPhee fuhr in der Spitzengruppe mit und wurde schließlich Vierter. Hinter dem Duo Miller/Kent setzte sich Fenati in der Verfolgergruppe durch und kam als Siebter ins Ziel. Dahinter folgten Bastianini, Niccolo Antonelli (KTM), Rins und Isaac Vinales (KTM). Karel Hanika (KTM) führte als Zwölfter die nächste Gruppe vor Francesco Bagnaia (KTM), Zulfahmi Khairuddin (Honda) und Alessandro Tonucci (Mahindra) an.

Die beiden Deutschen sammelten keine WM-Punkte. Philipp Öttl (Kalex-KTM) wurde 17. Luca Grünwald hatte Chancen auf WM-Punkte, doch er stürzte in der zweiten Rennhälfte und erreichte das Ziel noch als 21. Insgesamt schieden zehn Fahrer vorzeitig aus. Der nächste Grand Prix findet bereits am kommenden Wochenende in Australien (Phillip Island) statt.

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