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Ab 2016 soll das Wettrüsten bei der Elektronik der Vergangenheit angehören

Der Technikdirektor der Dorna hat eine klare Vorstellung von der neuen Software und ist sich bereits bewusst, dass die Hersteller anderer Meinung sein werden

Ab der Saison 2016 müssen alle MotoGP-Bikes mit einer einheitlichen Software betrieben werden. Bereits Mitte der kommenden Saison wird die Software der Factory-Teams eingefroren. MotoGP-Technikdirektor Corrado Cecchinelli hat eine genaue Vorstellung von der neuen Einheitssoftware. Diese soll an die momentane Open-Software angelehnt sein und in einigen Details verbessert werden. Die Komplexität der heutigen Lösungen von HRC, Yamaha oder Ducati soll der Vergangenheit angehören. Cecchinelli wünscht sich, dass die privaten Teams keine Probleme haben, die Software perfekt anzuwenden.

Geplant ist, dass es eine einheitliche Software gibt, die weiterentwickelt werden kann. Doch was mit der Zeit verbessert wird, entscheidet der MotoGP-Technikdirektor und nicht die Hersteller. "Alle Teilnehmer haben die Chance, auf den Server zuzugreifen. Einige können etwas schreiben, andere können nur lesen", bemerkt er im Gespräch mit 'MotoMatters'. Cecchinelli schildert, der wie treibende Kraft bei Entwicklung sein wird: "Ich werde diese Rolle übernehmen. Ich werde alle Anfragen annehmen und dann entscheiden, welche Dinge wir durchsetzen und was nicht."

"Es ist ein sehr umfangreiches Projekt, bei dem viele verschiedene Partien involviert sind. Es umfasst die Veranstalter, die Hersteller und die Teams", erklärt der MotoGP-Technikdirektor, der weiß, dass es früher oder später zu Spannungen kommen wird: "Ich denke, dass es zwei verschiedene Meinungen darüber gibt. Meine Meinung entspricht zum Großteil der Meinung der Teams. Wir sind der Meinung, dass die Elektronik nicht in Science-Fiction-Sphären abdriften sollte. Ich sehe es als eine Evolutionsstufe der Open-Software an."

Dorna sucht nach Kompromissen

"Wir werden mit der Evolution fortfahren. Doch man kann sich vorstellen, dass es durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Parteien in einem anderen Tempo passieren wird", prognostiziert Cecchinelli, der klarstellt, dass die optimale Performance nicht das grundlegende Ziel sein wird: "Wir streben einen Kompromiss aus guter Nutzbarkeit und Performance an. Das entspricht aber nicht der Factory-Software. Das sind nicht die besten Kompromisslösungen. Sie sind sehr komplex und für Menschen beinahe nicht zu verstehen. Sie stellen nicht den optimalen Kompromiss dar sondern sind auf Performance getrimmt. Das ist nicht das, was ich anstrebe."

"Ich erwarte, dass die Teams meine Meinung teilen, doch die großen Hersteller der MSMA werden das sicher nicht tun. Sie hätten gern die gleichen Features wie jetzt, was aber nicht möglich ist", berichtet Cecchinelli entschlossen. Der MotoGP-Technikdirektor strebt eine bessere Chancengleichheit zwischen Werksteams und privaten Teams an: "Ich wünsche mir, dass alle Nutzer die Software zu 100 Prozent verstehen. Das ist mein Konzept."

Um Kosten zu sparen, möchte Cecchinelli die existierende Open-Software als Basis verwenden und diese mit der Zeit anpassen: "Es ist noch nicht genau entschieden, doch die Chancen stehen gut, dass meine Idee, die Open-Software als Basis zu verwenden, in die Tat umgesetzt wird", bestätigt er. Die Kosten sollen beim Thema Elektronik deutlich sinken: "Die Entscheidungsträger sollten sich verantwortlich fühlen, die Ausgaben in Bereiche zu bringen, die akzeptabel sind. Dafür fühle ich mich verantwortlich. Es ist mein großes Ziel."

Ende der kurvenslektiven Mappings?

Besonders die komplexen Lösungen der Factory-Teams sind Cecchinelli ein Dorn im Auge. Momentan wird für jede Kurve ein anderes Elektronikmapping verwendet. Die Einstellungen von Traktionskontrolle, Anti-Wheelie-Kontrolle und Co. passen sich somit für jede Kurve individuell an. Dafür benötigen die Teams Ressourcen, die sich die kleinen Teams nicht leisten können. Zudem zweifelt Cecchinelli an, dass diese Technologie eine Bedeutung für die Serienproduktion der Hersteller hat.

"Die kurvenselektive Anpassung der Parameter ist Geldverschwendung. Ich würde diese Möglichkeit einfach entfernen, weil das unnötige Arbeit sparen würde", erklärt der MotoGP-Technikdirektor. "Jeder müsste eine Kompromisslösung finden, was viel relevanter für die Serienproduktion ist. Man hätte als Ergebnis ein Motorrad, das einen besseren Kompromiss darstellen würde. Es hätte einen besseren Bezug zur Serie. Dann könnte man andere Techniken zulassen, die momentan verboten sind, zum Beispiel elektronische Federelemente oder ABS."

"Wenn man auf der Suche nach einem kurvenspezifischen Elektroniksetup ist, dann hat man Vorteile, wenn sich zehn Leute darum kümmern. Das Setup wird noch besser ,wenn man 20 Leute hat. Es gibt keine Grenzen. Wenn sich 1.000 Leute darum kümmern würden, wäre es besser als bei 900 Mitarbeitern", ärgert sich Cecchinelli, der das Wettrüsten der Hersteller beenden möchte: "Man ist immer in Versuchung, Geld auszugeben. Deswegen sollten wir dieses Feature verbieten."

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