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Einheitlich: 2016 soll Schluss mit Factory-, Factory-2-, und Open-Klasse sein
Einheitlich: 2016 soll Schluss mit Factory-, Factory-2-, und Open-Klasse sein © Repsol

Die MotoGP wird sich in der Saison 2016 verändern - Doch wie wird die Königsklasse dann genau aussehen und wo werden die größten Einschnitte gemacht werden?

Die MotoGP-Saison 2014 ist gerade einmal seit ein paar Wochen vorbei, doch in den Köpfen von Teams, Fahrern und Offiziellen dreht sich bereits jetzt vieles um das Jahr 2016, denn dann wird die Königsklasse des Motorradsports einige umfassende Änderungen erfahren. So wird die Open-Klasse endgültig verschwinden und es werden nur noch Prototypen an den Start gehen. Wie genau die Regeln nach diesem Umbruch aussehen werden, steht laut MotoGP-Renndirektor Mike Webb allerdings noch nicht fest.

"Unser Ziel ist es, dass die Privatiers mit mit dem gleichen Equipment wie die Werksteams an den Start gehen. Das wäre der Idealfall", erklärt Webb gegenüber 'Crash.Net' und ergänzt: "Aber ich weiß, dass die Realität anders aussieht, also haben beispielsweise Satelliten-Maschinen (Tech-3-Yamaha, LCR-Honda und Co.; Anm. d. Red.) trotzdem eine etwas andere Spezifikation."

Um dieses Ziel trotzdem zu erreichen, wurden 2012 die sogenannten Claiming-Rule-Teams (CRT) zugelassen. Diese Teams sorgten zwar für ein deutlich breiteres Teilnehmerfeld in der Königsklasse, waren aufgrund ihres begrenzten Budgets allerdings nie wirklich konkurrenzfähig. Die Folge der CRT-Einführung war, dass es nun zwei unterschiedliche Regelsätze in der Königsklasse gab: Die "normalen" Regeln und die Sonderregeln für die CR-Teams, die beispielsweise mehr Motoren in einer Saison einsetzen durften.

"Wollen nur noch einen Satz an Regeln"

"Seit Jahren, spätestens seit 2012, ist es das Ziel, nur einen Satz an technischen Regeln zu haben", erklärt Webb: "Die Interim-Klassen waren dabei nur ein Mittel zum Zweck. Der Pfad in Richtung 2016 hat mit der Einführung der Privat-Maschinen (CRT; Anm. d. Red.) begonnen, wodurch es mehr Motorräder in der Startaufstellung gab. Dann haben wir sie langsam konkurrenzfähiger gemacht und letztendlich gibt es dann nur noch einen Satz Regeln für alle."

Diese verbesserte Konkurrenzfähigkeit wurde 2014 mit der neuen Open-Klasse erreicht, die die CRT-Klasse ersetzte. Highlight war 2014 der zweite Platz von Forward-Pilot Aleix Espargaro auf der Open-Yamaha in Aragon. "Als wir die Open-Klasse mit Standard-ECU eingeführt haben, waren die Werksteams ziemlich skeptisch. Ihre Meinung war: 'Für die Privatteams ist das okay, aber wir können so keine Rennen fahren'", erinnert sich Webb.

"Jetzt wo Honda, Yamaha und Ducati einige ihrer Maschinen in der Open-Klasse mit dieser Einheitselektronik an den Start geschickt haben, sagen sie: 'Okay, das könnte funktionieren.' Wenn wir bei den Details also ein paar Kompromisse eingehen, dann glaube ich wirklich, dass wir alle glücklich mit der Einheitselektronik und nur einem Regelsatz für 2016 sein werden."

Verhandlungen dauern an

Denn der Dorna wäre es am liebsten, wenn 2016 alle Motorräder unter den aktuellen Open-Regeln an den Start gehen würden. Webb weiß allerdings, dass es sehr schwierig werden wird, diesen Vorschlag durchzudrücken: "Die finale Vereinbarung für 2016 wurde zwischen MSMA (Motorcycle Sports Manufacturers Association, Zusammenschluss der Hersteller) und Dorna/IRTA (International Road-Racing Teams Association, Zusammenschluss der Teams) noch nicht getroffen."

"Die Verhandlungen laufen noch immer", verrät Webb und ergänzt: "Es liegen Vorschläge auf dem Tisch und sie werden diskutiert, um eine gemeinsame Mitte zu finden. Ich habe das Gefühl, dass Spritlimit und die Anzahl der Motoren sich zwischen dem aktuellen Level von Factory- und Open-Klasse einpendeln werden. Ich denke, dort wird es einen vernünftigen Kompromiss geben."

So hatten Factory-Teams in der abgelaufenen Saison beispielsweise nur fünf Motoren pro Fahrer zur Verfügung, die Open-Teams zwölf. Außerdem durften sie im Rennen bis zu 24 Liter Sprit verwenden, die Factory-Teams lediglich 20. Doch selbst wenn ab 2016 die Regeln für alle gleich sein werden, hält Webb es für sehr unwahrscheinlich, dass eine komplette Chancengleichheit herrschen wird.

Werksteams wohl auch weiterhin vorne

"Wir wissen, dass die Werke immer einen besseren Job machen werden, wenn es darum geht, ihr Equipment für ein Rennen vorzubereiten und zu tunen - ganz egal, wie die Regeln aussehen. Aber wir wollen, dass alle einen ähnlichen Ausgangspunkt in Sachen Equipment haben", erhofft sich der Renndirektor eine bessere Chancengleichheit zwischen Werks- und Satellitenteams.

"In der Zweitakt-Ära gab es eine Zeit, in der Production-Motorräder verfügbar waren. Du konntest dir quasi eine Kopie von dem kaufen, mit dem die Werke angetreten sind", erinnert sich Webb, ergänzt jedoch: "Die Werksteams haben ihre Möglichkeiten zur Weiterentwicklung voll ausgeschöpft und konnten sich die besseren Piloten leisten. Also war es quasi trotzdem eine sichere Sache, dass sie die Rennen gewinnen würden."

Auf die Frage, wo genau sich die Regeln in der Saison 2016 einpendeln werden, antwortet Webb: "Es wird irgendwo zwischen Open und Factory liegen. Allerdings bedeutet das nicht, dass es dann so sein wird wie jetzt bei den Ducatis, denn 2016 werden Elektronik, Hardware und Software für alle gleich sein. Das trifft auf die Ducatis bei den aktuellen Regeln nicht zu."

Ducati war in der abgelaufenen Saison unter der sogenannten Factory-2-Regel angetreten, also als Factory-Team, dass aber trotzdem die Vorzüge der Open-Klasse genießt. Geht es nach Webb, ist mit solchen Sonderregelungen spätestens 2016 endgültig Schluss.

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