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Porsche hält sich eine Trumpfkarte für den weiteren Saisonverlauf offen
Porsche hält sich eine Trumpfkarte für den weiteren Saisonverlauf offen © xpbimages.com

Porsche wird beim WEC-Saisonauftakt in Le-Mans-Spezifikation starten - Damit können die Weissacher das High-Downforce-Paket bis Juli weiterentwickeln

Es ist ein einzelner, unscheinbarer Satz in der Presseaussendung von Porsche, der die ganze Sprengstoffladung in sich birgt: "Zugunsten der Aerodynamik-Auslegung für die gesamte Saison wird der Porsche 919 Hybrid in Northamptonshire mit weniger Abtrieb antreten als für die schnellen Kurven des anspruchsvollen Grand-Prix-Kurses wünschenswert wäre." Kurzum: Porsche geht in der WEC-Saison 2017 volles Risiko und opfert zwei Rennen zugunsten einer Weiterentwicklung des High-Downforce-Pakets.

Wie von 'Motorsport-Total.com' bereits berichtet, hält sich Porsche damit die Option offen, das Aerodynamik-Paket mit viel Abtrieb, noch drei Monate weiterzuentwickeln. Dieses kommt in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) nach Le Mans bei allen Rennen zum Einsatz. Die Option lag seit der Verkündung von Toyota auf dem Tisch, dass die Kölner das Hochabtriebspaket bereits homologieren lassen und beim Saisonauftakt einsetzen werden. Seit der WEC-Saison 2017 sind in der LMP1 nur noch zwei Abtriebspakete pro Jahr erlaubt.

"Wir haben unsere Ressourcen so eingeteilt, dass wir bis zum dritten WM-Lauf den Fokus auf die Entwicklung und Erprobung der Le-Mans-Aerodynamik legen", lässt Teamchef Andreas Seidl verlauten. "Das bedeutet wenig Abtrieb zugunsten eines geringen Luftwiderstands und wird sich in England negativ auswirken. Nach dem 24-Stunden-Rennen im Juni werden wir den 919 für die weiteren WM-Läufe konsequent auf mehr Abtrieb umrüsten."

Die Entscheidung erhöht nun den Druck auf beide Kontrahenten: Toyota muss unbedingt dafür sorgen, bei den ersten beiden Rennen einen Doppelerfolg herauszufahren, um ein Punktepolster aufzubauen. Der TS050 Hybrid darf nur noch in kleinen Bereichen beim Hochabtriebspaket weiterentwickelt werden. Bei TMG muss man mit dem Schlimmsten rechnen, nämlich, dass Porsche die zweite Saisonhälfte dominiert. Damit darf bei den ersten beiden Rennen und in Le Mans nichts schieflaufen.

Porsche kann streng genommen nicht tiefer als Platz drei (P4 in Spa wegen drei Toyotas) fallen, sofern es keine gröberen Probleme gibt. Sollte Toyota in dieser Situation auch noch Punkte zu Saisonbeginn verschenken, kann dies später teuer werden. Gleichzeitig darf sich aber auch Porsche keine Schwächen erlauben: Sollte Le Mans bei diesem Risikoplan in die Hose gehen, könnte der Punkteabstand dermaßen groß werden, dass es selbst mit sechs Doppelerfolgen in den zwei Dritteln Restsaison nicht mehr reicht. Dann verkehrt sich das Punktesystem ins Gegenteil, da auch Toyota - Problemlosigkeit vorausgesetzt - nicht tiefer als Rang drei fallen kann.

In Silverstone wird Porsche jedenfalls mit einem großen Nachteil starten. Auf dem Traditionskurs mit seinen vielen schnellen und mittelschnellen Kurven wie Stowe, Copse, Becketts und Brooklands ist viel Abtrieb gefordert. In Spa-Francorchamps fällt der Nachteil kleiner aus, da die Ardennen-Achterbahn auch eine Einstellung mit wenig Abtrieb zulässt. Gänzlich verschwinden wird er aber nicht. Und ob drei Monate Weiterentwicklung den 919 Hybrid wirklich zum Überflieger ab dem WEC-Lauf auf dem Nürburgring Mitte Juli machen, ist auch noch nicht in Stein gemeißelt.

© Motorsport-Total.com

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