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Oliver Jarvis erreichte bei seinem LMP2-Debüt sein bestes LM24-Ergebnis
Oliver Jarvis erreichte bei seinem LMP2-Debüt sein bestes LM24-Ergebnis © xpbimages.com

"Rush Hours": Die LMP2-Helden von Hollywood-Star Jackie Chan, angeführt von Oliver Jarvis, wären in Le Mans beinahe zur ganz großen Sensation geworden

Die 85. Auflage des 24-Stunden-Rennens von Le Mans hätte beinahe den ersten Gesamtsieg eines LMP2-Fahrzeugs gebracht. Als der mit 13 Runden Vorsprung führende Porsche #1 mit Andre Lotterer am Steuer rund drei Stunden vor Schluss ausrollte, lag plötzlich völlig überraschend das Jackie-Chan-DC-Team mit seinem LMP2-ORECA-Gibson in Führung! Eine Premiere in der Le-Mans-Geschichte.

Dass es nicht für den Gesamtsieg reichen würde, war den Rechenprofis in der Porsche-Box relativ schnell klar, denn der später siegreiche Porsche #2 ging schon eine Stunde vor Schluss in Führung. Bei Rundenzeiten, die um mehr als zehn Sekunden schneller waren als das Tempo von Ho-Pin Tung, keine Überraschung. Aber zumindest für ein paar Minuten lag der Hauch einer Sensation in der Luft.

Alles zu riskieren, um auf die ganz große Sensation loszugehen, wäre "dumm" gewesen, findet Oliver Jarvis, der wohl auch nicht damit gerechnet hätte, nach dem Wechsel aus dem LMP1-Audi beim ersten Rennen mit einem LMP2-Auto seine bisher beste Siegchance in Le Mans vorzufinden: "Wir haben schon gepusht", sagt er zwar, "aber wir haben konservativ gepusht und sind von den Randsteinen weg geblieben, um das Auto zu schonen."

Keine echte Chance auf den Sieg

"Wären wir auf Gesamtsieg gefahren, wäre das dumm gewesen. Das hatten wir nicht selbst in der Hand, dafür war ihr Tempo einfach zu hoch", analysiert der Brite. "Wir hofften auf ein Safety-Car oder auf ein Problem für sie. Wir waren besorgt, denn wir hatten noch nie 24 Stunden ohne Probleme absolviert, und erst recht nicht unter solchen Bedingungen. Und wenn du in Führung liegst und kleine Geräusche hörst, bist du doppelt besorgt."

"Ich saß gerade im Auto, als ich den Porsche #1 neben der Straße sah", erinnert sich Jarvis und gibt zu: "Da dachte ich schon kurz daran, dass wir das Ding vielleicht gewinnen können. Es hat nicht ganz sollen sein, aber es ist trotzdem ein unglaublicher Tag für uns, mit dem Sieg in der LMP2-Klasse und dem zweiten Gesamtrang. Trotzdem hat man natürlich im Hinterkopf, wie es gewesen wäre, das Ding zu gewinnen."

Großer Rückstand letztendlich tröstlich

Aber obwohl der Vorsprung zwischendurch schon fünf Runden betrug, hat der 33-Jährige seinen Frust im Griff: "Dass es letztendlich vier oder fünf Minuten waren, macht es einfacher. Wenn es wie vorhergesagt in der letzten Runde zum Führungswechsel gekommen wäre, das hätte ernsthaft wehgetan. Aber 13 Sekunden pro Runde, da kommt halt was zusammen. Es war etwas Besonderes, das Rennen anzuführen, und die Enttäuschung lassen wir jetzt einfach nicht zu."

Auch nicht beim Teammanagement. Es waren bewegende Szenen, als Tung den letzten Stint fuhr und in der Box stolz die chinesischen Flaggen ausgerollt wurden. Das Team wurde gegründet von David Cheng und dem chinesischen Hollywood-Superstar Jackie Chan ("Rush Hour") und wird eingesetzt von der britischen Jota-Sport-Operation.

Chan konnte nicht selbst zum Rennen kommen, dachte aber offenbar daran, sich last Minute einen Jet zu chartern, um bei der Sternstunde anwesend zu sein. Letztendlich wohnte er der Sensation via Telefon "live" bei. "Ich kenne Jackie schon seit drei oder vier Jahren", sagt Cheng. "Etwa eine Stunde nach dem 2015er-Rennen in Le Mans hatten wir diese Idee, ein Team zu gründen, um chinesische Fahrer zu fördern." Dabei kam dann das Jackie-Chan-DC-Team heraus ...

© Motorsport-Total.com

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