vergrößernverkleinern
Jonny Adam bescherte Aston Martin den ersten Le-Mans-Sieg im GTE-Zeitalter
Jonny Adam bescherte Aston Martin den ersten Le-Mans-Sieg im GTE-Zeitalter © xpbimages.com

Aston Martin hat es endlich geschafft, den ersten Le-Mans-Sieg in der GTE-Pro-Kategorie zu holen - In der Neuauflage eines alten GT1-Duells kam es zum Showdown

Ob GT3 oder GTE, ob Nürburgring, Daytona, Spa oder Le Mans, die Rezeptur klappt einfach überall: Man nehme verschiedenste GT-Modelle, bringe sie mittels Balance of Performance auf ein gleiches Niveau, standardisiere die Boxenstoppzeiten und lasse die besten GT-Teams der Welt gegeneinander antreten. Ein packendes Finale ist garantiert. So auch bei den 24 Stunden von Le Mans 2017, bei denen sich Aston Martin und Corvette bis zum Schluss hart bekämpften.

Aston Martin ging aus dem Kampf als Sieger hervor und beendete damit eine Durststrecke von neun Jahren seit dem GT1-Sieg von 2008. Ausgerechnet im letzten Jahr des derzeitigen V8 Vantage, der 2018 von seinem Nachfolger abgelöst werden wird, hat er doch noch seinen Le-Mans-Sieg errungen. Ein ähnliches Schicksal wie der BMW Z4 GT3, der erst in seinem letzten 24-Stunden-Rennen (Spa-Francorchamps 2015) nach Pleiten, Pech und Pannen doch noch zum Sieger avancierte. Astin Martin hat in der Vergangenheit viele Gelegenheit in Le Mans ausgelassen, doch nun ist es geschafft.

Und wie Aston Martin es geschafft hat: In einem beinharten Kampf standen sich nach 23:15 Stunden Jonny Adam im Aston Martin #97 (Turner/Adam/Serra) und Jordan Taylor in der Corvette #63 (Magnussen/Garcia/Taylor) gegenüber. Für beide eine Bewährungsprobe in einem Kampf zwischen zwei prestigeträchtigen Marken in Kombination mit dem Kräftemessen Dunlop (Aston Martin) gegen Michelin (Corvette). Aston Martin hat nun einen neuen Helden: Jonathan Adam, Engländer, 32 Jahre, einst als Ersatz für den zu Ford abgewanderten Stefan Mücke verpflichtet.

"Das war nicht nur die wohl beste Fahrt seiner Karriere - das war eine der besten Fahrten, die ich je gesehen habe!", jubelt Teamkollege Darren Turner, der beim Aston-Martin-Doppelschlag 2007 und 2008 in der GT1-Klasse an beiden Siegen beteiligt war. "Ich bin mir sicher, dass dies als einer der besten GT-Kämpfe aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen wird!" Womit er richtig liegen dürfte, denn die Show, die Taylor und Adam in den letzten Minuten lieferten, stellte von der Spannung her ganze Spritrennen in den Schatten.

Wilde Attacke in Arnage

Alle Kalkulationen ergaben, dass Corvette beim letzten Stopp ungefährlich gleichzeitig mit dem Aston Martin herauskommen würde. In welcher Reihenfolge, das konnten aber selbst die besten Simulationen nicht berechnen. Es war letztlich Taylor, der mit Minimalvorsprung aus der Boxenausfahrt als Erster beschleunigte. "Von da an war mir klar, dass ich jetzt im Kampf um den Le Mans-Sieg bin und wenn ich gewinnen wollte, ihn kriegen müsste", erzählt Jonny Adam über den Beginn des Kampfes seines Lebens.

Es folgte eine lange Hetzjagd und die beiden GT-Fahrzeuge lagen nie mehr als eine Sekunde auseinander. Aston Martin hatte sogar noch das zuvor durch Reifenschaden zurückgefallene Fahrzeug #95 (Thiim/Sörensen/Stanaway) im Schlepptau, setzte diesen Joker fairerweise aber nicht ein. Überhaupt blieb das Duell, obschon der größte Preis der Saison zur Debatte stand, zwar am absoluten Limit, aber stets fair.

Die Corvette hatte den höheren Topspeed, womit es für Adam noch schwerer wurde als es ohnehin schon war. Jordan Taylor kennt solch knappe Zieleinläufe aus der IMSA SportsCar Championship zu genüge, Adam brachte Erfahrung aus der BTCC mit, die allerdings schon acht Jahre zurück liegt. Dennoch versuchte der Brite einen Tourenwagen-Move vor Arnage. "Ich musste es dort einfach versuchen", rekapituliert er. "Allerdings war ich ein bisschen schwach durch Indianapolis hindurch gekommen und musste das auch noch kompensieren."

Abgefahrene Vorderreifen entscheiden das Rennen

Das versuchte er mit einem irre späten Bremspunkt, der es ihm aber unmöglich machte, die scharfe 90-Grad-Kurve zu meistern. Taylor hatte den Braten gerochen und kreuzte die Linie am Kurvenausgang, um wieder vorbeizugehen - einen kleinen Bodycheck inklusive. Damit schien das Rennen eigentlich gelaufen, denn nun war der Abstand erstmals mehr als eine Sekunde groß.

Doch alles kam ganz anders. "Schon fünf oder sechs Runden vor Schluss merkte ich, dass ich Performance auf dem Vorderreifen verlor", kommentiert der US-Amerikaner bei 'Sportscar365'. "Dadurch habe ich massives Untersteuern bekommen und es wurde immer schwieriger, das Fahrzeug zu fahren." Und so kam, was kommen musste: In der vorletzten Runde verbremste er sich in der zweiten Schikane auf der Hunaudieres-Geraden. "Ich war mir nicht sicher, ob ich einen Reifenschaden hätte, denn es blockierte so plötzlich ohne jede Warnung", kann er sich die Sache noch immer nicht erklären.

Bei der Rallycross-Einlage ging Taylor an die Grenzen des Reglements und stellte den vorigen Abstand gerade so wieder her. Doch schon wenige Kurven später war Adam erneut dran. Taylor konnte mit dem Bremsplatten keinen Bremspunkt mehr treffen, schlidderte hin und her. Eingangs der letzten Kurve war es dann soweit: Taylor ließ sich in der Ford-Schikane die nötige Zeit, um mehrmals die Linie zu kreuzen und in einem günstigeren Winkel auf die Zielgerade hinauszubeschleunigen. "Man muss aus so etwas einfach Profit schlagen", kommentiert er.

Corvette stolz auf erfolgreiche Aufholjagd

Taylor war geschlagen, kurze Zeit später war der Reifen endgültig hin. Der 26-Jährige fiel noch auf Rang drei hinter den Ganassi-Ford #67 (Priaulx/Tincknell/Derani) zurück. Aber ob Zweiter oder Dritter - danach kräht ohnehin kein Hahn. "Ein enttäuschendes Resultat", fasst er zusammen. "Aber wenn man sich ansieht, wo wir nach der dritten Stunde lagen, bin ich enorm stolz auf das Team." Die Corvette kämpfte sich nach einem Reifenschaden zu Beginn wieder zurück ins Geschehen. Das System mit drei Safety-Cars half bei der Aufholjagd auch nicht. "Wir haben zwei Minuten Rückstand aufgeholt", zeigt Taylor auf.

Durch den Sieg liegen Daniel Serra, Jonny Adam und Darren Turner nun mit 63 Punkten auf Rang zwei der in der GTE-Pro-Fahrerwertung der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2017. Es führen Andy Priaulx und Harry Tincknell aus dem Ford, der durch den Reifenschaden bei der Corvette den zweiten Platz in Le Mans erbte.

© Motorsport-Total.com

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel