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Toyotas Le-Mans-Fluch geht auch 2017 auf bizarre Art und Weise weiter: Ein als Streckenposten verkleideter Mann kostet diesmal den Sieg beim Klassiker

Nach dem herzzerreißenden Last-Minute-Drama 2016 hat Toyota auch 2017 den möglich scheinenden ersten Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans auf ungewöhnliche Art und Weise verloren. Vor allem die Umstände des Ausfalls von Fahrzeug #7 (Mike Conway, Kamui Kobayashi und Stephane Sarrazin) sind ein Fall für die Le-Mans-Geschichtsbücher.

Streckenrekordhalter Kobayashi steuerte nach neun Stunden in Führung liegend die Box an, um während einer Safety-Car-Phase einen Routinestopp zu absolvieren. Der Japaner stellte sich an der Boxenausfahrt an, wo er von einem Streckenposten aufgehalten wurde - soweit noch normal, weil von hinten gerade ein Safety-Car mit einigen Autos im Schlepptau heranrollte. Als Kobayashi stand, ging der Streckenposten am Toyota vorbei zum nächsten Auto, um auch dieses zum Anhalten zu bringen.

Doch an dem Punkt wurde es bizarr: Plötzlich tauchte ein zweiter Streckenposten auf, der Kobayashi signalisierte, er dürfe losfahren. Als der Toyota-Kommandostand das sah, wurde Kobayashi sofort instruiert anzuhalten, weil das Safety-Car noch nicht vorbei war. Erst im Nachhinein stellte sich dank Videoaufnahmen heraus, dass es sich beim zweiten "Streckenposten" um einen verkleideten Mann handelte, der kein echter Streckenposten war!

Vasselon hadert mit Toyotas Pech

"Wir haben es auf Video. Es ist unfassbar", hadert Toyota-Technikchef Pascal Vasselon im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' mit dem Schicksal. Zu erkennen, dass der verkleidete Mann kein echter Streckenposten war, war sowohl für Kobayashi als auch für den Kommandostand unmöglich. Aber: "Unsere Fahrer sind instruiert, von Menschen angezeigte Signale zu priorisieren. Wir sagen ihnen: Wenn du einen Streckenposten siehst, der eine gelbe Flagge zeigt, hat das Priorität vor virtuellen Anzeigen."

"In dem Fall fuhr er los, als er den Streckenposten sah, der ihm das Signal zum Losfahren gab. Wir sagten ihm aber, er soll stehen bleiben, weil der Safety-Car-Zug kam und es nicht möglich war loszufahren. Start-Stopp, große Konfusion", schildert Vasselon. Das Problem daran: Die Kupplung des Toyota TS050 Hybrid ist nicht darauf ausgelegt, stehend nur mit Verbrennungsmotor zu starten. Normalerweise kuppelt sie bei 80 km/h, wenn mit Elektropower durch die Boxengasse gefahren wird.

"Das Problem war", erklärt Vasselon, "dass Kamui am Boxenausgang stand und nicht mehr im Boxenmodus war. In Boxenmodus wird elektrisch gestartet. So waren es mehrere Starts, die auf die Kupplung kamen. Die Kupplung ist aber dafür ausgelegt, bei einer gewissen Geschwindigkeit zu kuppeln, nicht aus dem Stand. Und dadurch ging sie kaputt. Weil wir in eine Situation gebracht wurden, die es normalerweise nicht gibt. Das ist ein bisschen frustrierend."

Enttäuschung bei Kobayashi riesengroß

Auch für den ehemaligen Formel-1-Piloten Kobayashi ist der kuriose Ausfall "sehr enttäuschend. Das Auto lief sehr gut und wir nahmen es Schritt für Schritt, bauten uns nach und nach einen Vorsprung auf. Dann hatte ich nach dem Safety-Car einfach keine Leistung mehr. Ich versuchte noch an die Box zu fahren, aber das war nicht mehr möglich. Sehr traurig für alle im Team, die so hart für dieses Rennen gearbeitet und so ein schnelles Auto produziert haben."

Noch dazu gleich drei davon. Das Aus von Nicolas Lapierre im Fahrzeug #9 kam nach einem Kontakt mit Simon Trummer im Manor-LMP2. "Ich kann es nicht glauben", ärgert sich Lapierre. An der Schuldfrage scheiden sich die Geister. Wie dem auch sei: Beim Toyota platzte wegen der Kollision der Reifen, und dessen Fetzen beschädigten wiederum den Ölkühler. In der Folge gingen Getriebe und Motor kaputt.

Hybrid-Defekt in der Form noch nie aufgetreten

Bei Fahrzeug #8 (Sebastien Buemi, Anthony Davidson, Kazuki Nakajima) ging der Hybridantrieb kaputt. Das sei davor "noch nie passiert", ärgert sich Vasselon, ohne zu hadern: "Ein Zuverlässigkeitsproblem, unser eigener Fehler." Dass die Reparatur wegen der engen Monocoque-Integration länger dauerte als bei Porsche, ist aus Toyota-Sicht ärgerlich: "Normalerweise ist der Frontmotor so zuverlässig, dass wir ihn nicht wechseln müssen. Von so einem Fall gehen wir nicht aus."

"Die ersten sieben Stunden haben Spaß gemacht. Danach wurde es sehr schwierig", trauert Vasselon der Le-Mans-Auflage 2017 nach. "Es ist frustrierend, denn wir hatten drei Autos und nur ein Zuverlässigkeitsproblem. Wenn wir gegen einen Gegner mit perfekter Zuverlässigkeit verloren hätten, hätten wir damit leben können. Aber wir wurden von einem Gegner geschlagen, dessen Zuverlässigkeit auch nicht hundertprozentig war. Das ist frustrierend."

© Motorsport-Total.com

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