vergrößernverkleinern
Porsche wird ab sofort nicht mehr mit der Le-Mans-Aerodynamik starten
Porsche wird ab sofort nicht mehr mit der Le-Mans-Aerodynamik starten © xpbimages.com

Toyota gegen Porsche unter neuen Bedingungen: 919 erstmals mit High-Downforce-Paket - GTE-Pro: Ford, Porsche und Ferrari jagen die Le-Mans-Sieger

Nur vier Wochen nach den 24 Stunden von Le Mans wird die Saison 2017 der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) fortgesetzt. So kurz war die Pause nach dem Highlight in Frankreich noch nie. Auf dem Nürburgring steht am kommenden Wochenende das 6-Stunden-Rennen auf dem Programm. Es wird die Revanche für Le Mans und gleichzeitig der Beginn eines vermutlich etwas veränderten Wettbewerbs bei den LMP1-Herstellerteams.

Porsche hatte die bisherigen drei Rennen des Jahres allesamt in der Le-Mans-Spezifikation für wenig Abtrieb absolviert. Toyota hatte hingegen in Silverstone und Spa-Francorchamps mit jenem Paket agiert, das auch ab dem Nürburgring wieder zum Einsatz kommen wird. Die Japaner hatten bislang das potenziell schnellere Auto, aber Porsche hofft, mit dem neuen Aerodynamik-Update aufschließen und einen engen Kampf bieten zu können. Vor allem die Heckpartie ist stark verändert worden.

Bei einem abschließenden Test in Barcelona hielt die neue Spezifikation das, was Windkanal, CFD und Simulation versprochen hatten. "Unser neues Aerodynamik-Paket für hohen Abtrieb hat beim Test gut funktioniert. Jetzt geht der Kampf um die Verteidigung unserer Weltmeistertitel für Hersteller und Fahrer richtig los", freut sich Porsche-LMP1-Leiter Fritz Enzinger auf das kommende Rennen. Die Mannschaft aus Weissach führt die Meisterschaft derzeit an.

Die Chancen auf den Gewinn des WM-Titels stehen für die Le-Mans-Sieger Timo Bernhard, Earl Bamber und Brendon Hartley bestens. Das Trio hat 83 Punkte auf dem Konto, die Toyota-Piloten Sebastien Buemi, Kazuki Nakajima und Anthony Davidson haben 17 Zähler Rückstand. Bei beiden Herstellern hat nur noch jeweils ein Auto realistische Chancen auf die Krone: bei Porsche die Startnummer 2, bei Toyota die Nummer 8. Ergo können sich die Crews auf die Unterstützung ihrer jeweiligen Schwesterautos verlassen.

Porsche traditonell nach Le Mans immer bärenstark

Die Statistik spricht in einem anderen Punkt für Porsche. Die Stuttgarter waren in den zurückliegenden Jahren stets die Mannschaft der zweiten Saisonhälfte. 2016 holte man in den insgesamt sechs Saisonrennen nach Le Mans vier Siege, 2015 blieb man gar in allen fünf Läufen nach dem Jahreshighlight ungeschlagen. "Ein Hattrick wäre schön", sagt Timo Bernhard, der 2015 und 2016 jeweils den Heimsieg in der Eifel bejubeln durfte.

"In den beiden vorangegangenen Jahren gelangen uns am Nürburgring nicht eben berauschende Resultate, doch wir arbeiten hart daran, dies nun zu ändern", erklärt Toyota-Pilot Buemi, der für das WEC-Rennen in Deutschland auf seinen Einsatz mit der Formel E in New York verzichtet. "Unser Ziel ist nun ganz klar, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Wir liegen nach Le Mans etwas zurück, doch es bleiben noch sechs Rennen, in denen wir eine gute Chance haben. Dass unser Auto schnell ist, konnten wir ja bereits zeigen", so die Kampfansage von Teamkollege Davidson.

Der enorm intensive Wettbewerb der beiden LMP1-Hersteller führte bei den 24 Stunden von Le Mans zu zahlreichen technischen Gebrechen. Auf ein ähnliches Szenario auf dem Nürburgring hofft die Mannschaft von ByKolles. Das einzige LMP1-Privatteam, das nach dem frühen Aus an der Sarthe an der Verbesserung der Standfestigkeit gearbeitet hat, will in die Abstauberposition. Im Enso CLM P1/01 Nismo sitzen erneut Oliver Webb, Dominik Kraihamer und Marco Bonanomi.

Die LMP2-Klasse, die in Le Mans eine riesige Show abgeliefert hatte, kehrt zur Normalität zurück. Das in Frankreich riesige Starterfeld ist im WEC-Rennen wieder auf elf Autos reduziert. Rebellion, Manor, G-Drive, TDS und Alpine machen Jagd auf die Le-Mans-Sieger von DC (Jota). In der Meisterschaft haben Ho-Pin Tung, Oliver Jarvis und Thomas Laurent in der "Mighty 38" bereits 38 Zähler Vorsprung auf Senna/Canal/Prost (Rebellion). Tockwith dürfte mit dem Ligier-Gibson kaum Chancen haben.

GTE-Pro: Gelingt Porsche der erste WEC-Sieg mit dem Neuen?

Die Fans am Nürburgring dürfen sich in der GTE-Pro-Klasse wieder auf eine herbe Schlacht freuen. Trotz des Aston-Martin-Sieges in Le Mans liegen in der WM immer noch Ford (117 Punkte) und Ferrari (108) recht deutlich vorn. Die beiden großen Rivalen der 1960er-Jahre gelten mit ihren Turbo angetriebenen Fahrzeugen auch in der Eifel als Siegkandidaten. Vor allem Porsche möchte aber endlich den ersten WEC-Klassensieg mit dem neuen 911 RSR einfahren.

"Bei der WEC-Premiere auf dem Nürburgring vor zwei Jahren holten wir für Porsche einen Doppelsieg. Es wäre schön, wenn uns das auch diesmal gelingen würde", meint Frederic Makowiecki. "Wir führen die Meisterschaft zur Zeit zwar an, doch der Kampf um den Titel hat erst jetzt so richtig begonnen", sagt Ford-Pilot Andy Piaulx. Markenkollege Stefan Mücke kündigt an: "Olivier und ich werden unser Bestes geben, um möglichst schnell zu ihnen aufzuschließen. Der Nürburgring ist mein Heimspiel, dem Rennen blicke ich natürlich mit besonderer Spannung entgegen."

Für das 6-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gelten neue Einstufungen in der GTE-Szene. Die automatischen Berechnungen der Balance-of-Performance (BoP) haben ergeben, dass ausgerechnet die Le-Mans-Sieger von Aston Martin Vorteile bekommen. Im Lager von Ford rechnet man mit einem harten Rennen, denn nach Aussage der Piloten fehlt es dem GT aus den USA an Power. Der sogenannte "Punch" aus den Kurven heraus soll schwächer ausfallen als bei der Konkurrenz. In der GTE-Am-Klasse haben noch Clearwater (Ferrari), Aston Martin und Dempsey-Proton (Porsche) Chancen auf den Titel.

© Motorsport-Total.com

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel