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Tommi Mäkinen und TMG arbeiten bei der Entwicklung eng zusammen
Der Toyota Yaris dient als Testträger für das WRC-Comeback © Toyota Motorsport GmbH

Bei Toyota herrscht nach der Verkündung des WRC-Comebacks Aufbruchstimmung - Die Techniker erklären die Herausforderungen beim Bau des Yaris WRC

1999 war das Kapitel Rallye-WM bei der Toyota Motorsport GmbH (TMG) in Köln zu Ende gegangen, doch nun wird die Geschichte des erfolgreichen Teams weitergeschrieben. 2017 kehrt Toyota mit einem eigenen Werksteam in die WRC zurück. In den vergangenen 16 Jahren drehte sich bei TMG zwar vieles um die Formel 1 und die WEC, doch seine Wurzeln hat das frühere Toyota-Team-Europe in all der Zeit nicht vergessen.

"Rallye ist Teil der TMG DNS", betont der Technische Direktor Pascal Vasselon. Und dieser Gene kamen in den vergangenen Jahren wieder zum Vorschein. Mit der Entwicklung der Kundensportautos Yaris R1A und GT86 CS-R3 hatte TMG dafür gesorgt, dass in der Rallye-Szene wieder über Toyota gesprochen wird.

"Der Rallyebereich gehört zu den am stärksten wachsenden Motorsportaktivitäten von Toyota", sagt TMG-Präsident Yoshiaki Kinoshita. Daher wagte TMG 2013 auch das Risiko, noch ohne offiziellen Auftrag des Konzerns aus Japan mit der Entwicklung eines Yaris WRC zu beginnen, der nun als Testträger dient. Der Bau des Autos weckte im früheren Rallye-Piloten Kinoshita die alte Leidenschaft. "Rallye liegt mir im Blut, daher bin ich jeden Tag in die Werkstatt gegangen und haben mich ins Auto gesetzt, um mich persönlich von den Fortschritten zu überzeugen", sagt er.

Drei Schlüssel-Herausforderungen beim Bau des Autos

Nachdem sich Toyota in den vergangen Jahren hauptsächlich mit der Entwicklung von Fahrzeugen für den Rundstrecken-Sport beschäftigt hatte, war die Entwicklung des WRC-Autos für die Mannschaft in Köln eine Art Neuanfang. "Toyota war in den 1990er-Jahren sehr erfolgreich und hat sowohl Fahrer- als auch Hersteller-Titel gewonnen. Nach fast 20 Jahren wieder ein neues Auto zu bauen, ist eine große Herausforderung", sagt Emmanuelle Battisti, Projektleiter Rallye bei TMG.

Doch die Toyota-Ingenieure wissen, was es braucht, um ein gutes WRC-Auto zu bauen. "Bei einem WRC-Auto gibt es aus technischer Sicht drei Herausforderungen", zählt Technikchef Vasselon auf. "Zum einen muss man das Gewichtslimit erreichen. Zum anderen braucht man einen starken Motor, denn diese Autos mit Allradantrieb sind untermotorisiert. Und dann braucht man ein effizientes Fahrwerk."

Wichtig sei zudem ein Auto, das bei unterschiedlichsten Bedingungen gut funktioniert. "Auf der Rundstrecke sind die Bedingungen vorhersehbar, daher kann das Fenster, in dem das Auto funktioniert, recht eng sein. Im Rallyesport muss man aber unter allen Bedingungen schnell sein", beschriebt Vasselon den Unterschied. "Daher muss ein WRC-Auto dem Fahrer ein deutlich größeres Arbeits-Fenster bieten."

Kompromiss aus Leistung und Haltbarkeit

Das bestätigt auch Battisti: "Bei einem WRC-Auto muss man den besten Kompromiss zwischen Performance und Zuverlässigkeit finden. Diese Autos werden unter völlig unterschiedlichen und schwierigen Bedingungen und Umgebungen eigesetzt. Von hohen bis frostigen Temperaturen, im Schlamm, über Sprüngen."

Ähnlich vielseitige Anforderungen werden auch an den 1,6-Liter-Turbomotor gestellt. "Das Leistungsband sollte möglichst breit sein", erklärt Projektleiter Falk Schulkowski, der bei TMG für die Entwicklung des auch als "Weltmotor" bezeichneten Antriebs verantwortlich ist. "Das Drehmoment sollte hoch sein, sich aber gleichmäßig entfalten. Im Grunde also ähnlich, wie bei einem Straßenmotor, nur auf einem anderen Niveau."

Im Laufe des Jahres 2014 nahm das Entwicklungsprogramm mit dem Yaris WRC Fahrt auf und lieferte den Ingenieuren viele Antworten auf ihre Fragen. "Wir haben im Laufe des Jahres in Europa sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter getestet. Bis jetzt war das Auto sehr zuverlässig, sodass wir Rückmeldungen und Informationen bekommen haben, die nun in die weitere Entwicklung des Autos einfließen", sagt Battisti.

Im kommenden Jahr werden WEC-Pilot Stephane Sarrazin und Sebastian Lindholm des Testprogramm mit dem Yaris WRC vorantreiben. Die Erkenntnisse fließen dann in die Entwicklung eines neuen WRC-Autos ein, das dann Anfang 2017 in der Rallye-WM debütieren wird.

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