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Sebastien Ogier flog nicht so weit wie die Konkurrenz - aber ebenso ästhetisch
Sebastien Ogier flog nicht so weit wie die Konkurrenz - aber ebenso ästhetisch © Volkswagen

Andreas Mikkelsen. Sebastian Ogier und Thierry Neuville sorgen bei der Rallye Schweden für Spektakel - Volkswagen-Piloten doppelt auf Podiumskurs, Ende offen

Vollgas statt Taktik - Andreas Mikkelsen/Ola Flöene und ihre Teamkollegen Sebastien Ogier/Julien Ingrassia liegen mit ihren Volkswagen Polo R WRC bei der Rallye Schweden als Zweite und Dritte in Schlagdistanz zum Sieg. Beim zweiten Saisonlauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) hält ein packender Dreikampf um die Führung Zuschauer und Teams in Atem, bei dem sich die Volkswagen-Duos vor dem Showdown gut positionierten.

Vor den 46,76 Prüfungskilometern am Sonntag beträgt der Rückstand von Mikkelsen/Flöene lediglich 1,5 Sekunden auf die Führenden Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (Hyundai). Ogier/Ingrassia folgen mit nur weiteren 8,1 Sekunden Rückstand auf Rang drei. Nach 261 von insgesamt 308 Prüfungskilometern liegen die Top 3 damit innerhalb von nur 380 Metern. Bei perfekten Bedingungen in den Wäldern von Värmland standen am zweiten Tag der Rallye Schweden etwa 135 WP-Kilometer auf Eis und Schnee auf dem Programm - darunter die Klassiker "Fredriksberg", "Rämmen" und "Vargasen" mit der berühmten Sprungkuppe "Colin's Crest".

Mikkelsen musste sich erst daran gewöhnen, nicht Jäger, sondern Gejagter zu sein: "Das war ein extrem spannender Tag für uns bei der Rallye Schweden. Die Situation war für uns erst einmal ungewohnt: als Führende einen Vorsprung zu verteidigen. Ich habe am Morgen zwei Fehler gemacht, die Zeit gekostet haben. Der größere von beiden war, dass ich mich auf der 'Vargasen'-Prüfung gedreht habe, nachdem ich mit der Front unseres Polo in einem Schneewall eingehakt bin", so der Norwerger.

Taktieren ist bei Mikkelsen Fehlanzeige: "Vollgas!"

Er erinnert sich mit Unbehagen an die Szene: "Ich musste kompliziert wenden und 20 Sekunden waren dahin. Doch der Nachmittag lief wieder nach meinem Geschmack und wir haben viel Zeit gutgemacht. Wir haben das Beste aus unserer Startposition herausgeholt und es liegt nicht viel zwischen uns und Platz eins. Der Sieg ist weiterhin unser großes Ziel. Für morgen gilt das, was schon während der gesamten Rallye für uns gilt: Vollgas, ohne zu taktieren", zeigt sich der Norweger angriffslustig.

Ogier jubelt über sein Abschneiden: "Ich bin heute wirklich super zufrieden mit meiner Leistung. Julien und ich haben alles gegeben. Wir sind auf jeder Prüfung absolut am Limit gewesen. Jetzt freue ich mich auf morgen, denn das wird einer der spannendsten Schlusstage der letzten Zeit", erklärt der Franzose. "Kompliment an Thierry Neuville, der eine starke Leistung gezeigt hat, genau wie mein Teamkollege Andreas Mikkelsen. Aber die Jungs müssen sich warm anziehen, denn ich will hier gewinnen!"

Gelaufen ist die Rallye dagegen schon für Jari-Matti Latvala: "Wir haben versucht, den Tag dazu zu nutzen, verschiedene Abstimmungen zu testen - denn nachdem wir uns gestern den großen Rückstand eingehandelt hatten, war heute eine gute Gelegenheit dazu. Morgen werden wir versuchen, auf der Powerstage voll anzugreifen und noch ein paar Punkte für die Fahrer-Meisterschaft einzufahren. Dann heißt es: Schweden abhaken und volle Konzentration auf die nächste Aufgabe in Mexiko", blickt der Finne voraus.

Mikkelsen spricht sieben Meter weiter als Ogier

Volkswagen-Motorsportchef Jost Capito ist begeistert von dem, was ihm seine Piloten boten und schickt ein dickes Lob in die Cockpits: "Ein Kampf mit offenem Visier um den Sieg, nur wenige Sekunden entscheiden über Führung oder Platz drei - das war heute Rallye-Sport vom Allerfeinsten. Die Fahrer konnten heute nicht taktieren, mussten vom ersten Meter an wirklich alles geben. Genau das wollen die Zuschauer sehen. Unsere Duos Andreas Mikkelsen und Ola Flöene sowie Sebastien Ogier und Julien Ingrassia sind im Kampf um die Spitze fantastisch gefahren.

"Aber auch Thierry Neuville gebührt großer Respekt, er hat eine großartige Leistung gezeigt. Dieser Dreikampf wird uns bis ins Ziel in Atem halten. Für mich ist es unmöglich, einen Tipp abzugeben, wer morgen gewinnt - das ist wie Roulette, jede Nummer kann kommen", so Capito weiter.

Und da war dann noch "Colin's Crest". Sowohl die berühmte Sprungkuppe, als auch der dort vergebene Preis für den weitesten Sprung, sind nach dem stets mutigen Colin McRae benannt. Dass Mikkelsen und Flöene große Traute haben, bewiesen sie mit einem 41-Meter-Sprung - dem weitesten im ersten Durchgang. Die Sensoren am Polo R WRC registrierten dabei beim Abheben eine Geschwindigkeit von 151,23 km/h. Zum Vergleich: Ihr Teamkollege Ogier hob mit 135,87 km/h ab und landete bei 34 Metern. Der "Colin's Crest Award" ging an Neuville mit 44 Metern Weite im zweiten Durchgang.

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