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Am Ende jubelten wieder einmal Sebastien Ogier und Julien Ingrassia
Am Ende jubelten wieder einmal Sebastien Ogier und Julien Ingrassia © xpbimages.com

Reine Nervensache: Sebastien Ogier zeigte bei der Rallye Schweden, dass er ein wahrer Weltmeister ist, könnte auf diese Hochspannung aber gerne verzichten

In dem Moment, als der Sieg feststand, kletterten Sebastien Ogier und Julien Ingrassia aufs Dach ihres Volkswagen Polo R WRC und jubelten dort so ausgelassen, als wäre der Sieg bei der Rallye Schweden ihr erster in der Rallye-Weltmeisterschaft. Dabei war es für den Seriensieger der vergangenen beiden Jahre schon der 26. Erfolg in der WRC. Doch in den verschneiten Wäldern Schwedens war am Sonntag manches anders als bei vielen anderen Siegen von Ogier.

"Das ist gut für die Show und großartig für die Fans, aber ich hoffe die nächste (Rallye; Anm. d. Red.) wird anders!", schnauft der zweimalige Weltmeister durch. Während Ogier sonst bei der Powerstage oftmals einen Vorsprung verwalten konnte, musste der Franzose im dramatischen Finale der Rallye Schweden hart um den zweiten Saisonsieg kämpfen. Und das gleich gegen zwei Fahrer.

Teamkollege Andreas Mikkelsen lag vor den abschließenden 15,87 Kilometern der Wertungsprüfung "Värmullsasen 2" drei Sekunden vor Ogier. Im Nacken spürte der Weltmeister den heißen Atem von Hyundai-Ass Thierry Neuville, der nur 1,6 Sekunden hinter ihm lag. Doch in einem der spannendsten Finale, das die Rallye-Weltmeisterschaft seit langer Zeit zu bieten hatte, behielt Ogier die Nerven und gewann die Powerstage und damit auch die Rallye.

Dabei kam dem 30-Jährigen seine Erfahrung zu Gute. "Ich war schon früher in ähnlichen Situationen, aber heute war es in gewisser Weise einfacher, denn ich wusste, dass ich Vollgas geben musste", sagte Ogier bei der Pressekonferenz nach der Rallye. "Ich bin so schnell gefahren, wie ich nur konnte." Damit hielt er seine Rivalen in Schach und unterstricht nach Ansicht von Volkswagen-Motorsportchef Jost Capito einmal mehr seine Klasse. "Bei der letzten Prüfung ist es reine Nervensache. Sie haben gezeigt, dass sie wahre Weltmeister sind", verneigt sich Capito vor Ogier und Beifahrer Julien Ingrassia.

Jungstar Mikkelsen wurde hingegen tragischer Held des Schweden-Dramas. Seinen ersten WRC-Sieg zum Greifen nahe, zeigte der Norweger im Gegensatz zu seinem erfahrenen Teamkollegen bei der Powerstage keine Nerven aus Stahl. In einer Linkskurve kurz vor dem Ziel blieb Mikkelsen mit seinem Polo an einem Schneewall hängen und drehte sich. Damit war die Chance auf den Sieg dahin, hinter Neuville musste sich Mikkelsen mit Platz drei begnügen.

Eine herbe Enttäuschung für den ehrgeizigen Norweger, der aber dennoch sagt: "Ich blicke positiv auf das Wochenende zurück. Wir hatten einen Vorsprung, haben aber einen Fehler gemacht. Wir haben bei der letzten Prüfung Vollgas gegeben. Das mussten wir tun, um zu gewinnen, denn Sebastien und Thierry waren wirklich schnell."

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