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Kris Meeke gewann die Rallye Argentinien vor Mads Östberg
Kris Meeke gewann die Rallye Argentinien vor Mads Östberg © Citroen Racing

Citroen nutzt die Probleme von Volkswagen bei der Rallye Argentinien gnadenlos aus und feiert mit Kris Meeke und Mads Östberg einen souveränen Doppelerfolg

Während Citroen in der WTCC von Sieg zu Sieg fährt, wartete die Rallye-Mannschaft der Franzosen seit August 2013 auf einen Erfolg. Doch diese Durststrecke ging bei der Rallye Argentinien, dem vierten Saisonlauf der Rallye-Weltmeisterschaft 2015, am Sonntag zu Ende. Kris Meeke und Mads Östberg schlugen aus den Problemen der erfolgsverwöhnten Volkswagen-Mannschaft Kapital und bescherten Citroen einen Doppelerfolg.

Während Meeke früher oft in aussichtsreicher Position die Nerven einen Streich gespielt hatte, blieb er in Argentinien souverän und verwaltete seine Führung. Im Ziel lag er 18,1 Sekunden Östberg. Für Meeke war es der erste Sieg in der WRC. Zugleich gewann erstmals seit 2002 wieder ein Brite in der Rallye-WM. Damals hatte Rallye-Legende Colin McRae, der Meeke entdeckt und in der Frühphase seiner Karriere gefördert hatte, die Safari-Rallye gewonnen.

Auch die Erinnerung an seinen Mentor, der 2007 bei einem Hubschrauberabsturz gestorben war, sorgte bei Meeke im Ziel für große Emotionen, der Nordire wurde von seinen Gefühlen überwältigt. "Was soll ich sagen? Es war eine lange Rallye...", sagte er, bevor ihm die Stimme versagte und er sich sammeln musste. "Derjenige, der mir alles ermöglicht hat, ist heute nicht hier. Dieser Sieg ist für dich Colin", widmet Meeke McRae den Sieg.

Kris Meeke widmet den Sieg Colin McRae

Östberg fuhr nach Mexiko zum zweiten Mal in Folge auf Platz zwei und ist damit nun erster Verfolger des in der WM-Wertung führenden Sebastien Ogier. Obwohl ihn eine Grippe mit Fieber plagte, fuhr Östberg eine starke Rallye und zeigte erneut, dass er auf Schotter zu den schnellsten Fahrern gehört. Dennoch ärgerte sich der Norweger über ein Motorproblem am Freitag, durch das er rückblickend betrachtet die entscheidenden Sekunden im Kampf um den Sieg verloren hatte.

Andere hatten jedoch mehr Grund zum Klagen. Für Volkswagen rund um Weltmeister Ogier lief bei in Argentinien so gut wie nichts nach Plan. Während die Zuverlässigkeit des Polo R WRC sonst ein Trumpf des deutschen Werksteams ist, versagte in Argentinien an allen drei Autos die Technik. Nachdem Ogier, der die ersten drei Saisonläufe gewonnen hatte, bereits am Freitag durch einen Defekt am Benzinsystem ausgefallen war und damit alle Chancen auf den Sieg verloren hatte, traf es am Samstag auch Jari-Matti Latvala.

Auf Rang drei liegend blieb sein Polo R während der vorletzten Wertungsprüfung stehen. Schuld war, ähnlich wie bei Ogier, ein Problem mit der Benzinzufuhr eines Zylinders. Bei der Powerstage schied dann auch Andreas Mikkelsen aus. Der Norweger, der nach einem Defekt der Servolenkung seit Samstag unter Rallye2-Regel fuhr, wurde kurz nach dem Start der letzten Wertungsprüfung von einem Felsen ausgehebelt, schlug mit seinem Polo R ein und musste aufgeben.

Erstmals seit August 2013 kein Volkswagen auf dem Podium

Damit stand in Argentinien kein Volkswagen-Fahrer auf dem Podium. Das hatte es seit dem Einstieg des Konzern in die Rallye-Weltmeisterschaft erst einmal, 2013 bei der Rallye Deutschland gegeben. Und genau wie heute hatte damals mit Dani Sordo ein Citroen-Pilot gewonnen. Ogier, der unter Rallye2-Regel in die Rallye zurückgekehrt war, gewann immerhin noch die Powerstage und damit drei Zusatzpunkte, womit er erfolgreiche Schadensbegrenzung betrieb. "Ich war mal Limit und hätte nicht schneller fahren können", sagte er nach der Powerstage. "Es war ein wirklich schwieriges Wochenende für Volkswagen, wir hatten eine Menge Pech."

Grund zum Jubeln hatten hingegen M-Sport und Elfyn Evans. Der junge Waliser zeigte in Argentinien wie gewohnt eine solide Leistung und kam im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten ohne große Fehler oder Probleme ins Ziel. Dafür wurde er mit dem dritten Platz belohnt und steht damit zum ersten Mal in seiner WRC-Karriere auf dem Siegerpodium. Vierter wurde mit Privatier Martin Prokop ein weiterer Ford-Pilot.

Für Hyundai holte Dani Sordo mit Platz fünf die Kastanien aus dem Feuer. Dabei wäre für den Spanier mehr drin gewesen, aber ein Technikdefekt am Samstag warf ihn im Kampf um das Podium zurück. Thierry Neuville warf einen möglichen fünften Platz bei der Powerstage weg. Der Hyundai des Belgiers wurde von selben Felsen wie Mikkelsen ausgehebelt. Dabei riss das linke Hinterrad ab, Neuville musste das Auto abstellen.

Sechs Zuschauer bei Unfall verletzt

Überschattet wurde die Rallye Argentinien von einem schweren Unfall von Hayden Paddon (Hyundai). Der Neuseeländer hatte am Samstag bei der neunten Wertungsprüfung auf einer Kuppe die Kontrolle über sein Auto verloren und war in einer Gruppe von Zuschauern gefahren. Dabei wurden sechs Zuschauer verletzt, einer davon muss auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden. Paddon und Beifahrer John Kennard blieben unverletzt.

In der WM-Wertung führt weiterhin Ogier. Durch den Sieg bei der Powerstage hat der Franzose nun 84 Punkte aus seinem Konto. Erster Verfolger ist nun Östberg mit 51 Punkten vor Mikkelsen mit 47 Zählern. Der fünfte WM-Lauf findet vom 21. bis 24. Mai in Portugal statt.

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