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Lorenzo Bertelli: Nach Überschlag über drei Stunden auf professionelle Hilfe gewartet
Lorenzo Bertelli: Nach Überschlag über drei Stunden auf professionelle Hilfe gewartet © xpbimages.com

Das FWRT-Team rund um WRC-Privatier Lorenzo Bertelli kritisiert die ärztliche Versorgung nach einem Crash auf der zehnten Prüfung der Rallye Portugal

Das italienische WRC-Privatteam FWRT rund um Lorenzo Bertelli erhebt nach der Rallye Portugal schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren. Man wirft dem Veranstalter unterlassene Hilfeleistung infolge eines Unfalls vor.

Nach neun der 16 Wertungsprüfungen lagen Bertelli und Beifahrer Giovanni Bernachini mit ihrem Ford Fiesta RS WRC auf Rang 29. Drei Minuten nach dem Start der zehnten Prüfung überschlugen sie sich am Samstagvormittag. Weil sowohl er als auch Fahrer Bertelli augenscheinlich zunächst unverletzt blieben, drückte Beifahrer Bernachini den grünen OK-Button auf dem Armaturenbrett und stellte zudem das grüne OK-Schild am Streckenrand auf. Dies berichtet FWRT in einer Pressemitteilung.

Des Weiteren geht aus der Mitteilung des Teams hervor, dass Bertelli rund 20 Minuten nach dem Überschlag plötzlich über Schwindelgefühle klagte. Der Helm des Italieners hatte beim Crash einen Schlag gegen den Überrollkäfig erhalten. Beifahrer Bernachini rief daraufhin über Funk medizinische Hilfe zum Unfallort.

"Der Beifahrer änderte das Schild sofort von OK auf SOS und verständige den Chefarzt der Rallye Portugal via Mobiltelefon", heißt es in der Mitteilung von FWRT. Der Chefarzt habe sich am Telefon nach den Symptomen bei Bertelli erkundigt und daraufhin entschieden, dass weder eine Unterbrechung der Wertungsprüfung noch die sofortige Notwendigkeit einer Ambulanz bestünden.

Als wenig später ein Sanitäter aus dem Zuschauerbereich den Zustand von Bertelli überprüfte, trat auch dieser via Handy mit dem Chefarzt in Kontakt. Erneut habe dieser den Einsatz einer Ambulanz nicht für notwendig erachtet. Weil mehr und mehr Zeit ins Land strich, machte sich der Sanitär zunehmend Sorgen, wie das italienische Privatteam mitteilt.

Nach drei Stunden und 20 Minuten traf schließlich doch ein Krankenwagen am Unfallort ein und brachte Bertelli ins Krankenhaus nach Porto. Ein dort vorgenommener Scan "schloss gesundheitliche Probleme nicht aus", wie das Team angibt. Bertelli musste die Nacht im Krankenhaus verbringen und wurde erst nach einem weiteren Scan tags darauf (Sonntag) entlassen.

Aufgrund der langen Zeit vom Moment des ersten telefonischen Kontakts bis zur ärztlichen Versorgung ist man bei FWRT nun äußerst schlecht auf die Organisatoren der Rallye Portugal zu sprechen: "Die Tatsche, dass unserem ersten Notruf nicht Folge geleistet wurde, macht uns sprachlos. Die Informationen waren oberflächlich und wurden lediglich via Telefon mitgeteilt. Kein Mitglied der offiziellen Ärztebelegschaft kümmerte sich um den Gesundheitszustand von Lorenzo."

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