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Jari-Matti Latvala triumphierte erneut bei seiner Heimrallye
Jari-Matti Latvala triumphierte erneut bei seiner Heimrallye © Volkswagen

Jari-Matti Latvala gewinnt die Rallye Finnland 2015, welche die schnellste in der Geschichte der WRC war - Sebastien Ogier baut WM-Führungen deutlich aus

Umjubelter Heimsieg für Jari-Matti Latvala. Der Volkswagen-Pilot gewann am Sonntag die Rallye Finnland, den achten Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2015. Nach 20 Wertungsprüfungen über eine Distanz von 319,38 Kilometern hatte der Finne 13,7 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Sebastien Ogier, der mit Rang zwei und dem Sieg bei der Powerstage seine Führung in der WM-Wertung deutlich ausbaute und theoretisch schon beim nächsten WM-Lauf in Deutschland den dritten Titelgewinn in Folge perfekt machen kann.

An diesem Wochenende fand Ogier in Latvala jedoch seinen Meister, der sich in einem spannenden Duell der beiden Volkswagen-Piloten durchsetzte und nach 2010 und 2014 zum dritten Mal seine Heimrallye gewann. "Es war eine fantastische Woche. Ich bin sehr gut gefahren, vor allem am Samstag. Das war eine der besten Fahrten in meinem Leben", freut sich Latvala. "Zum zweiten Mal in Folge hier zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes."

Anderthalb Tage lang hatten sich die beiden Volkswagen-Piloten ein Duell auf Augenhöhe geliefert, bei dem sie oft nur durch wenige Sekunden voneinander getrennt waren. Die Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg fiel am Samstagnachmittag, als Latvala mit Siegen bei drei Wertungsprüfungen in Folge davonzog und den Vorsprung auf Ogier auf 13,2 Sekunden ausbaute.

Ogier in der Powerstage eine Klasse für sich

Diesen brachte Latvala bei den beiden Wertungsprüfungen am Sonntag ins Ziel . Nach durchwachsenen Ergebnissen in Italien und Polen gelang dem Finnen damit der erhoffte Befreiungsschlag. "Nach Polen war klar, das die Meisterschaft für mich gelaufen ist. Da habe ich mir gesagt: Ein Sieg in Finnland kann eine Menge gutmachen", sagt Latvala. Mit dem Sieg sicherte sich Latvala auch einen Rekord, denn mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 125,44 km/h war die Rallye Finnland 2015 die schnellste in der Geschichte der WRC.

Trotz der Niederlage gegen seinen Teamkollegen war auch Ogier nach der Rallye bester Stimmung. "Es war ein tolles Wochenende und ein toller Kampf. Das war tolle Werbung für den Rallyesport", sagt der Franzose. "Jari-Matti war an diesem Wochenende sehr stark. Ich haben kein Problem damit, in seiner Heimat von ihm geschlagen zu werden", erkennt er die Leistung seines Teamkollegen sportlich an.

Ogier kämpfte am Schlusstag nicht mehr um den Sieg, sondern konzentrierte sich darauf, die drei Zusatzpunkte bei der Powerstage mitzunehmen. Das gelang ihm, womit Ogier seine eindrucksvolle Bilanz in dieser Domäne ausbaute. Bei acht WM-Rallyes in diesem Jahr gewann der amtierende Weltmeister sieben Mal die Powerstage. Die weiteren Zusatzpunkte gingen an Latvala (2) und Kris Meeke (Citroen, 1).

Dritter Unfall in Folge für Kris Meeke

Meeke gehörte zu den unglücklichen Figuren dieser Rallye. Der Nordire, der nach den Unfällen in Italien und Polen teamintern unter Druck steht, zeigte über weite Strecken der Rallye eine starke Leistung und war der einzige Fahrer, der Ogier und Latvala bei einer Wertungsprüfung schlagen konnte. Doch bei Wertungsprüfung 17 rutschte Meeke am Samstag von der Straße und traf unglücklich einen Baum, wobei die Vorderradaufhängung seines DS3 WRC brach.

Zwar konnte Meeke am Sonntag wieder unter Rallye2-Regel starten, doch Platz drei bei der Powerstage war für ihn kaum ein Trost. Seine Zukunft im Werksteam von Citroen hängt nach diesem neuerlichen Unfall am seidenen Faden. Sein Pech war das Glück von Teamkollege Mads Östberg, der Rang drei erbte und damit zum dritten Mal in dieser Saison auf dem Podium stand. "Ich habe die Rallye genossen, es war ein tolles Wochenende. Es ist schön, endlich wieder mitzukämpfen", sagt der Norweger.

Platz vier ging an Thierry Neuville, der damit bester Hyundai-Pilot war. Für den Belgier hatte die Rallye schwierig begonnen. Nach einem Unfall im Shakedown fand er am Freitag kein Vertrauen zum Auto, steigerte sich aber im Verlauf der Rallye. "Wir hatten zu Beginn einige Probleme, doch das Team hat gute Arbeit geleistet, das Auto lief dann ganz gut", sagt er. "Vierter Platz und wichtige Herstellerpunkte, wir können ganz zufrieden sein."

Skoda dominiert die WRC2-Wertung

Im Kampf um Platz fünf rang Ott Tänak (M-Sport-Ford) seinen Markenkollegen Juho Hänninen nieder. Tänak hatte am Freitag durch einen gebrochenen Stoßdämpfer Zeit verloren. Schlimmer hatte es seinen Teamkollegen Elfyn Evans erwischt, der am Freitag eine gebrochene Radaufhängung notdürftig mit einem Schraubenschlüssel und Metallschellen reparieren musste und nur auf Gesamtrang 14 ins Ziel kam.

Auch anderen Fahrern zeigte die Rallye Finnland ihre Zähne. So schieden Andreas Mikkelsen (Volkswagen) und Hayden Paddon (Hyundai) am Freitag nach schweren Unfällen aus, die sie und ihre Beifahrer aber glücklicherweise unverletzt überstanden. Am Samstagnachmittag überschlug sich zudem Robert Kubica (Ford), doch auch der Pole und sein Beifahrer blieben unverletzt.

Die WRC2 war bei der Rallye Finnland eine Show des Skoda-Werksfahrers Esapekka Lappi. Der Finne dominierte die Klasse von Beginn an und fuhr nach der Rallye Polen zum zweiten Mal in Folge zum Klassensieg, womit er auch die Führung in der Gesamtwertung der WRC2 übernahm. Abgerundet wurde der Erfolg durch den zweiten Platz seines Teamkollegen Pontus Tidemand, Rang drei in der WRC2 ging an Stephane Lefebrve (Citroen DS3 RRC).

Erster Matchball für Ogier in Deutschland

Mit den insgesamt 21 Punkten für Platz zwei und dem Sieg bei der Powerstage kommt Ogier in der Gesamtwertung nun auf 182 Zähler und führt damit die WM-Wertung weiter souverän an. Erster "Verfolger" ist nun Latvala, der allerdings schon 89 Punkte Rückstand auf Ogier hat. Östberg ist mit 84 Punkten WM-Dritter. Damit hat Ogier schon beim nächsten Lauf den ersten Matchball und könnte zumindest theoretisch den dritten WM-Titel unter Dach und Fach bringen.

Und das beim Heimspiel von Volkswagen, denn vom 21. bis 23. August steht die Rallye Deutschland auf dem Programm. In den Weinbergen rund um Trier erwartet die Piloten die erste Asphalt-Rallye des Jahres, bei der Volkswagen nach zwei vergeblichen Anläufen in diesem Jahr endlich den ersehnten Heimsieg einfahren will.

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