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Die Nachtprüfung der Rallye Australien steht in der Kritik
Die Nachtprüfung der Rallye Australien steht in der Kritik © xpbimages.com

Nach der umstrittenen Nachtprüfung in Australien wollen die WRC-Piloten im Wiederholungsfall einen Boykott nicht ausschließen

Die Diskussion über die umstrittene Nachtprüfung bei der Rallye Australien erhitzt auch einen Monat später immer noch die Gemüter. In der Luft hängender Staub hatte dort in Kombination mit den Zusatzleuchten der WRC-Boliden dazu geführt, dass die Fahrer nahezu im Blindflug unterwegs waren, was von ihnen einmütig als gefährlich eingestuft wurde. Am Rande der Rallye Frankreich trafen sich die WRC-Piloten mit FIA-Präsident Jean Todt, um diese und andere Sicherheitsfragen zu besprechen.

Citroen-Pilot Kris Meeke äußerte sich im Anschluss zwar zufrieden über das Gespräch mit Todt, will aber nicht ausschließen, dass die Piloten eine mögliche Wiederholung einer solchen Nachtprüfung boykottieren. "Wenn sie es (2016 wieder; Erg. d. Red.) versuchen, werden einige rot sehen", so Meeke gegenüber 'Autosport'.

"Ich kann allerdings nicht sagen, wer eine Prüfung starten wird oder nicht oder was passieren könnte, denn wir Fahrer sind Angestellte und müssen das mit unseren Arbeitgebern besprechen", schränkt Meeke ein. Doch Volkswagen-Teamchef Jost Capito zeigt Verständnis für die Sorgen der Fahrer. "Wenn es nicht sicher ist, werde ich unsere Fahrer nicht rausschicken, und meiner Meinung nach ist diese Nachtprüfung nichts außer gefährlich."

Der Umstand, dass mit Nachtprüfungen auf Schotter ein Sicherheitsrisiko geschaffen wird, aber kein positiver Nutzen damit verbunden ist, stößt nicht nur Capito sauer auf. "Wenn mir jemand auch nur einen Punkt nennen kann, um den diese Prüfung die Rallye bereichert hat, wäre ich sehr daran interessiert. Und dann werde ich ihm zehn Gründe nennen, warum es dumm war", ärgert sich Meeke.

Ein paar Gründe gegen Nachtprüfungen fallen auch Capito spontan ein. "Die Zuschauer sehen nichts, im TV ist es auch nichts und wir bekommen die Pressemitteilung nicht raus", sagt der Volkswagen-Teamchef. "Nichts gegen Nachtprüfungen, aber es ist der Staub in der Dunkelheit. Das ist unverantwortlich.

FIA-Präsident Todt zeigt Verständnis für die Sorgen der Fahrer, will die Vorkommnisse rund um die Nachtprüfung in Australien aber zunächst noch einmal genau untersuchen, da er den Aussagen der Fahrer nicht ganz traut. "Wenn es stimmt, dass der Staub fünf Minuten lang in der Luft hing, dann ist das nicht akzeptabel. Wenn es aber nicht so war, werde ich die Organisatoren ermutigen, weitere Nachtprüfungen auszutragen", so Todt gegenüber 'Autosport'.

Der ehemalige Rallye-Beifahrer betonte in diesem Zusammenhang, wie wenig ihm das aktuelle Format gefällt, und wie sehr er längere Rallye-Etappen bevorzugen würde. "Ich liebe den Motorsport und Rallyes, träume aber nicht von einem Tag, der um 9 Uhr beginnt, wo um 13 Uhr Mittagspause ist, und wo dann von 15 bis 19 Uhr gefahren wird, damit man rechtzeitig zum Abendessen zurück ist."

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