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Verlässt Sebastien Ogier frustriert die Rallye-Weltmeisterschaft?
Verlässt Sebastien Ogier frustriert die Rallye-Weltmeisterschaft? © xpbimages.com

Jost Capito glaubt, dass Sebastien Ogier zurücktreten könnte, sollte die Regel der Startreihenfolge in der Rallye-Weltmeisterschaft erneut verschärft werden

Vergrault die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) durch ihre Regelgebung ihren Dauerchampion? Diese Sorge treibt den scheidenden Volkswagen-Motorsportchef Jost Capito um. Der Deutsche befürchtet, dass Sebastien Ogier am Ende dieser Saison die Brocken hinwirft, sollte die Regel der Startreihenfolge im kommenden Jahr weiter zu Ungunsten des Meisterschaftsführenden verschärft werden. "Ich glaube, er würde zurücktreten", wird Capito von 'Autosport' zitiert.

Derzeit steht zur Diskussion, dass die Startreihenfolge im kommenden Jahr bei der kompletten Rallye anhand des Gesamtstandes in der Meisterschaft gebildet wird. Das wäre im dritten Jahr in Folge eine Veränderung, welche die in der Meisterschaft führenden Fahrer bei Schotterrallyes klar benachteiligt.

Nachdem 2013 noch ein Qualifying durchgeführt wurde, nach dem die Fahrer in der Reihenfolge des Ergebnisses ihre Startpositionen wählen durften, wurde für die Saison 2014 beschlossen, dass am ersten Tag der Rallye die Startreihenfolge dem Stand in der Meisterschaft entspricht. An den weitern Tagen gingen die WRC-Piloten in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenstands vom Vortag an den Start.

Ständige Änderungen zu Ungunsten des Führenden

2015 galt dann, dass an den ersten beiden Tagen in der Reihenfolge der Gesamtwertung gestartet wird, allerdings wurden ab dem zweiten Rallyetag die Teilnehmer, die nach einem Ausfall unter Rallye2-Reglement an den Start gingen, vor dem restlichen Feld einsortiert.

2016 wurde diese Einschränkung abgeschafft, sodass in dieser Saison der Meisterschaftsführende Ogier bei etwa 80 Prozent der Rallye als Erster auf die Strecke gehen muss. Auf Schotter ist das ein massiver Nachteil, da Ogier auf dem losen Schotter weniger Grip hat, während die Verfolger bessere Straßenverhältnisse vorfinden.

Dementsprechend sehen die Ergebnisse der Rallyes aus. Während Ogier seit der Rallye Schweden im Februar nicht mehr gewonnen hat, wurden die fünf danach folgenden Schotter-Rallyes von fünf unterschiedlichen Piloten gewonnen. Mit Ausnahme von Andreas Mikkelsen, der den Sieg in Polen nach einem späten Reifenschaden von Ott Tänak geerbt hatte, war keiner der Sieger weiter vorne als von Position fünf gestartet.

Viele Sieger auch Dank der Regeln

Citroen-Pilot Kris Meeke war bei seinem überlegenen Sieg in Portugal gar nur als 13. auf die Straße gegangen und hatte des Feld dominiert. Laut Berechnungen von Volkswagen entsprach diese hintere Startposition gegenüber dem ersten Starter Ogier einem Vorteil von einer Zehntelsekunde pro Kilometer - an den ersten beiden Tagen also insgesamt gut einer halbe Minute.

Aufgrund dieser Regelung, die eindeutig darauf abzielte Ogiers Dominanz zu brechen, ist der Franzose seit langem frustriert und macht regelmäßig seinem Unmut über diese Benachteiligung Luft. Sollte nun beschlossen werden, dass ab dem nächsten Jahr an allen drei Tagen in der Reihenfolge der Gesamtwertung gestartet wird, könnte Ogier endgültig der Kragen platzen.

"Man muss ihn selbst fragen, aber so wie ich ihn kenne denke ich, dass er dann zurücktreten würden", so Capito. "Und vielleicht wäre das für manche gar nicht so schlecht...", schickt er eine düstere Andeutung hinterher.

Noch hat der scheidende Volkswagen-Teamchef, der voraussichtlich im nächsten Monat seinen neuen Posten als Geschäftsführer des Formel-1-Teams McLaren antreten wird, allerdings die Hoffnung, dass die Regeln im nächsten Jahr nicht weiter verschärft, sondern etwas fairer gestaltet werden. "Wir sind uns alle einig, dass das aktuelle System falsch ist", so Capito. "Wir haben allerdings noch keinen gemeinsame Haltung gefunden, darüber gibt es in der (Rallye-; Anm. d. Red.) Kommission viele Diskussionen."

© Motorsport-Total.com

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