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Jost Capito wurde ordentlich von Volkswagen verabschiedet
Jost Capito wurde ordentlich von Volkswagen verabschiedet © xpbimages.com

Jost Capito kann mit einem Sieg sein Abenteuer Formel 1 in Angriff nehmen: Sebastien Ogier macht sein Versprechen wahr, vom Team gibts Kuchen ins Gesicht.

Es war der perfekte Abschluss für den scheidenden Volkswagen-Motorsportchef Jost Capito. Beim Heimspiel der Wolfsburger und beim letzten Einsatz Capitos konnten Sebastien Ogier und Beifahrer Julien Ingrassia die sieglose Periode beenden und die Rallye Deutschland für sich entscheiden. "Wir haben ihm versprochen unser Bestes zu geben und das hier gut zu beenden. Das passt zu diesen vier gemeinsamen Jahren", freut sich der Franzose über den gelungenen Auftritt. "Wir hatten so viel Erfolg, sodass wir es auf diese Weise beenden mussten."

Capito selbst ist begeistert, dass seine WRC-Karriere mit einem Heimsieg endet: "Ich muss mich bei Seb und Julien bedanken, dass sie ihr Versprechen eingehalten haben. Wirklich toll von ihnen", strahlt er auf der anschließenden Pressekonferenz. Zwar hätte der Deutsche gerne noch mehr Volkswagen-Piloten unter den ersten Drei gesehen, doch auch Dani Sordo und Thierry Neuville hätten den Erfolg verdient. Und dass Ogier die letzte Rallye siegreich beenden konnte, ist für Capito Freude genug.

Für den Motorsportchef endet damit eine Erfolgsgeschichte, die dem Hersteller in den vergangenen drei Jahren alle Titel einbrachte - sowohl auf Fahrer wie auf Herstellerseite. "Jost herzlichen Dank, es waren schöne vier Jahre mit Dir. Ich möchte etwas singen, aber besser nicht", lacht Julien Ingrassia, der an der Seite Ogiers stets mitverantwortlich für die Erfolge war und in der Zeit 28 Siege holen konnte.

Wehmut und Vorfreude

Capito zieht nun weiter in Richtung Formel 1, wo er bei McLaren neuer Geschäftsführer werden soll. Die Rallye lässt er dabei hinter sich, aber nicht ohne Wehmut, wie er sagt: "Es ist schwer, zu gehen, aber mein Job ist fertig. Es ist, wie wenn ein Kind erwachsen wird und von zuhause auszieht. Man ist immer noch besorgt, aber sie müssen ihren eigenen Weg gehen. Ich bin davon überzeugt, dass es nun der richtige Zeitpunkt ist."

Volkswagen werde auch ohne ihn Erfolg haben, da ist er sich sicher. "Wir haben am 2017er-Auto einen tollen Job gemacht und wir haben alles für den Erfolg getan", betont er und will die Rallye-Gemeinde immer mit in seinem Herzen tragen. "Ich werde den Kontakt behalten und ich werde den Rallyesport immer verfolgen, denn für mich ist er der beste Motorsport, den es gibt. Und ich werde alle im Formel-1-Fahrerlager zu Rallyefans machen, das verspreche ich!"

Bei McLaren verschlägt es Capito nun in eine andere Welt. Die Formel 1 gilt als steril und McLaren als der sterilste Rennstall von allen. Bei den Briten ordnet man alles dem Erfolg unter, doch Capito ist überzeugt, dass er vielleicht ein wenig Rallye-Spirit mitbringen kann: "Viele glauben, dass Spaß im Job und professionell und erfolgreich sein nicht zusammenpassen, aber ich glaube, dass wir im Rallyesport bewiesen haben, dass man sogar noch erfolgreicher sein kann, wenn man den Job genießt und Spaß dabei hat", sagt er.

Letzter Streich von Latvala

"Ich hoffe wirklich, dass ich das in die Formel 1 mitnehmen kann, denn ich glaube, dass die Rallyefamilie wirklich einzigartig und hervorragend ist, und dass sich jede Sportart etwas vom Rallyesport abschneiden kann", so der Motorsportchef, der sich bei allen Beteiligten in der WRC bedankt - ob Fahrer, ob Fans, ob Journalisten. "Sie haben uns und dem Team die schönsten vier Jahre unseres Lebens bereitet."

Zum Abschied gab es von seiner Crew beim letzten Service auch noch ein kleines Geschenk in Form eines Kuchens - an dem er allerdings nicht lange Freude hatte. Jari-Matti Latvala drückte Capito den Kuchen nämlich ins Gesicht, "aber so heftig, dass ich dachte, die Nase wären gebrochen", schildert Ingrassia und scherzt: "Aber was Jari-Matti nicht wusste, dass Jost noch in seinem Job ist. Ich habe gehört, dass Jari-Matti gefeuert ist."

Ganz so übel dürfte es Capito seinem Piloten dann doch nicht genommen haben, auch wenn er noch eine Antwort parat hat. "Ich bin froh, dass Jari-Matti nicht hier ist, denn der hätte so viel erzählt, dass für mich nichts übrig gewesen wäre", lacht Capito auf der Pressekonferenz. "So, das ist die Retourkutsche für den Kuchen!" Es dürfte vermutlich aber das letzte Mal in diesem Jahr gewesen sein, dass Capito viel zu feiern hat, denn die Aufgabe bei McLaren ist gewiss keine leichte.

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