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Kurvenschneiden sollte man sich auf der Panzerplatte verkneifen
Kurvenschneiden sollte man sich auf der Panzerplatte verkneifen © Volkswagen

Der Truppenübungsplatz Baumholder bildet mit rund 90 WP-Kilometern den Schwerpunkt der gesamten Rallye: Wege wie hier gibt's nirgendwo sonst in der WRC

Die Entscheidung bei der Rallye Deutschland wird auf dem Truppenübungsplatz Baumholder fallen, da ist sich Volkswagen-Pilot Sebastien Ogier sicher. "Hier passiert immer irgendwas", erinnert der Vorjahressieger an 2015, als er genau hier den Vorsprung vor Teamkollege Jari-Matti Latvala entscheidend ausbauen konnte. Auch 2016 bildet das knapp 12.000 Hektar große Gelände mit insgesamt fünf Wertungsprüfungen am Samstag das Zentrum der Rallye Deutschland. Drei davon sind nur drei Kilometer kurze Sprints rings um die legendäre "Panzerplatte". Aber die WP 10/14 ist mit 40,8 Kilometer die Königsprüfung des deutschen WM-Laufs.

Aber nicht nur die Länge ist eine Herausforderung. Die überwiegend aus extrem rauem Beton bestehenden Pisten machen Baumholder in der gesamten Rallye-WM einzigartig. "Ich habe sechs unterschiedliche Fahrbahnoberflächen im Aufschrieb notiert", beschreibt Latvala. Als es das Reglement noch zuließ, wurden sogar spezielle Reifen nur für diese Prüfung entwickelt. "Die Fahrbahn hat außerdem viele scharfe Kanten. Deswegen ist die Gefahr von Reifenschäden sehr hoch", erläutert Latvala.

Die meist vergleichsweise breiten Straßen verzeihen noch aus einem ganz anderen Grund selten Fehler: Die Streckenbegrenzung besteht aus in den Boden eingelassenen Betonplatten oder extra dort platzierten Felsbrocken. Schon zu den Zeiten der Hunsrück-Rallye, einem Vorläufer des deutschen WM-Laufs, bekamen die Betonplatten den Spitznamen Hinkelsteine. Sie sollen eigentlich Militärfahrzeuge davon abhalten, vom rechten Weg abzukommen. Denn jahrzehntelang nutzten hauptsächlich amerikanische Panzereinheiten den Truppenübungsplatz. Inzwischen teilen sich Bundeswehr und US-Armee das Areal. "Vor den Hinkelsteinen hat wohl jeder Respekt. Wenn du eines von diesen Dingern triffst, ist die Chance sehr hoch, dass du einpacken kannst", sagt Ogier.

Besonders schwierig werden die Verhältnisse, wenn es regnet. Weil jegliche Entwässerungssysteme fehlen, ist die Gefahr von Aquaplaning hoch. Die im Trockenen ziemlich staubigen Wege werden an vielen Stellen spiegelglatt. Deswegen hat der Veranstalter einen zusätzlichen Reifenwechsel direkt vor den Baumholder-Prüfungen vorgesehen. Volkswagen-Partner Michelin bringt hierher beispielsweise einen brandneuen Regenreifen mit, der besonders viel Wasser verdrängt. "Der ist zwar sehr gut", sagt Vorjahressieger Ogier, "aber im Regen wird Baumholder dennoch ein bisschen zu einer Lotterie."

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