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Ogier und Latvala: Kann der Finne eines Tages den Franzosen langfristig besiegen?
Ogier und Latvala: Kann der Finne eines Tages den Franzosen langfristig besiegen? © Volkswagen

Ex-Volkswagen-Motorsportchef Jost Capito glaubt, dass Jari-Matti Latvala so schnell wie Sebastien Ogier ist - Der Finne fährt aber einen skandinavischen Rallye-Stil

Auf dem Papier ist das Stallduell zwischen Sebastien Ogier und Jari-Matti Latvala eindeutig. Seit die beiden für Volkswagen an den Start gehen, wurde Ogier dreimal in Folge Weltmeister und hat auch in der WRC-Saison 2016 die besten Chancen, seinen Titel zu verteidigen. In den vergangenen dreieinhalb Jahren holte Ogier 28 Siege, während Latvala neunmal erfolgreich war und seinem großen Traum von der Weltmeisterschaft immer noch nachläuft. Nachwuchsmann Andreas Mikkelsen kommt in diesem Zeitraum auf zwei Siege.

Obwohl Ogier alle anderen Fahrer in den Schatten stellt, halt sich Volkswagen dazu entschieden, auch die Verträge mit den anderen beiden Piloten zu verlängern und nicht auf ein neues Talent zu setzen. Jost Capito, der seit Anfang September für McLaren in der Formel 1 arbeitet, hat die Vertragsverlängerungen noch eingefädelt. Der ehemalige Motorsport-Direktor von Europas größtem Autobauer ist überzeugt, dass Latvala vom Grundspeed her Ogier das Wasser reichen kann.

"Jari-Matti Latvala fährt zwar einen anderen Stil, aber er ist genauso schnell. Und es gibt bei der Rallye nicht nur eine Linie oder einen Stil wie auf der Rundstrecke. Bei der Rallye kommt es darauf an, wie einer mit dem Auto am besten umgehen kann. Ich glaube der Jari-Matti ist sicher genauso schnell", wird Capito von 'Auto Bild motorsport' zitiert. "Auch wenn er mehr den skandinavischen Stil fährt - also mehr quer als eine gerade Linie."

Dazu kommt, dass Latvala auch oft das Pech auf seiner Seite hat, wie zum Beispiel beim frühen Getriebedefekt in Deutschland. Ogier hat neben dem Können und seiner Übersicht auch schon mehrmals das Glück auf seiner Seite gehabt. Für Capito sind die Erfolge des Franzosen eine Kombination vieler Dinge: "Er ist sehr egoistisch. Ich glaube, jeder, der im Motorsport als Fahrer erfolgreich sein will, muss sehr egoistisch sein und immer das Beste für sich wollen. Erst kommt für ihn Rallye und dann lange nichts."

Sein Ehrgeiz und seine Leidenschaft für den Sport sind auch der Grund, warum Ogier die Startreihenfolge bei Schotter-Rallyes vehement kritisiert. Laut der aktuellen Regel, dass der WM-Führende an den ersten beiden Tagen als Erster starten muss, hat er von vornherein kaum eine Siegchance. "Er will jede Rallye gewinnen und ist sehr ehrgeizig. Ich glaube, er wäre auch in einem anderen Sport, für den er Talent hat, an der Spitze", charakterisiert Capito den derzeit besten Rallye-Fahrer. "Er fährt relativ ruhig, sehr kontrolliert und hat ein super Gefühl fürs Auto. Er spürt früher, wenn das Auto rutscht, als jeder andere. Und er merkt den Grenzbereich viel exakter."

© Motorsport-Total.com

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