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Thomas Bach ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees
Thomas Bach ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees © imago

IOC-Präsident Thomas Bach hat künftige Olympia-Bewerber zu Bescheidenheit ermutigt.

"Oftmals wurden Vorgaben aufgrund eigenen Ehrgeizes übererfüllt, um sich noch besser darzustellen.

Deswegen werden wir auch noch deutlicher machen, dass temporäre oder abbaubare Sportstätten, die im Gastgeberland oder bei den nächsten Weltmeisterschaften oder im Rahmen eines Solidaritätsprogramms in Entwicklungsländern Wiederverwendung finden können, kein Nachteil, sondern ein Vorteil für eine Bewerbung sind", sagte Bach in einem Interview mit der Tageszeitung "die Welt".

Es werde künftig nicht mehr nur darum gehen, dass Austragungsstädte vorgegebene Bedingungen erfüllen "oder, wie es einige Städte getan haben, Bedingungen übererfüllen", ergänzte Bach. Nächste Olympia-Gastgeber sind 2018 Pyeongchang/Südkorea (Winter) und 2020 Tokio (Sommer).

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erwägt derzeit eine Bewerbung mit Berlin oder Hamburg für die Sommerspiele 2024 oder 2028.

Bach wies in dem Interview erneut darauf hin, dass die Kosten für Olympische Spiele weit niedriger lägen als weithin angenommen.

Es sei "eine Milchmädchenrechnung", dass der Bau für Wohnungen für zigtausend Menschen als Kosten Olympischer Spiele veranschlagt werde, sagte der Wirtschaftsjurist aus Tauberbischofsheim: "Das Gleiche gilt für die Anpassung eines Flughafens auf internationale Gepflogenheiten und Größenordnungen. Das hat sich aber leider in sehr vielen Köpfen so festgesetzt. So ist es aber nicht."

Die Spiele mit ihrem Organisationsbudget schrieben "mindestens eine schwarze Null oder erzielen Gewinne".

Wissenschaftler der Universität von Oxford hatten zuletzt 27 Spiele zwischen 1960 bis 2012 ausgewertet und errechnet, dass die Kosten für Sommerspiele durchschnittlich 252 Prozent über dem Plan gelegen hätten.

Bach nannte zudem Details aus dem Reformpaket "Agenda 2020", die auf der außerordentlichen IOC-Session in Monaco am 8. und 9. Dezember verabschiedet werden sollen.

"Jetzt geht es darum, das Verfahren für die Zusammensetzung des olympischen Programms zu verändern, um mehr Flexibilität zu gewinnen. In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr neue Sportarten entwickelt, die nicht das Schicksal einer Eintagsfliege besitzen, sondern sich etabilierten, wir aber aufgrund der Starre unseres Systems nicht in der Lage waren, darauf zu reagieren", sagte Bach.

Zudem hob er auch hervor: "Wir müssen die Grenzen bewahren und einhalten, die durch das Gebot der Nachhaltigkeit bedingt und gerechtfertigt sind. Das ist zum einen die Anzahl der Athleten von circa 11.000, die soll sich nicht ändern. Zum anderen gilt es, die Anzahl der permanenten und temporären Sportstätten unter diesem Aspekt sinnvoll zu regeln."

Über ein Verlängerung von Sommerspielen von 17 Tage auf drei Wochen "wird diskutiert", sagte Bach.

Aber auch hier gelte zu berücksichtigen, dass eine längere Dauer nicht unbedingt die Organisationskosten senke.

Ein weiterer zentraler Punkt der Agenda 2020 ist die Einführung eines olympischen TV-Kanals.

"Die Idee ist, 365 Tage im Jahr internationalen Sport, die Athleten und Hintergründe zu zeigen, um so auch olympische Werte zu vermitteln. Es wird auch ein Angebot an die internationalen Verbände geben, ihre Welt- und Europameisterschaften und welche Wettkämpfe auch immer über diesen Kanal weltweit zugänglich zu machen", sagte Bach.

Zum Zeitrahmen einer möglichen Einführung des Senders ergänzte er, Qualität stehe vor Geschwindigkeit: "Wenn man sagen würde, nächstes Jahr ist es so weit, wäre das enorm ehrgeizig."

Hier gibt es alles zu Olympia

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