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Der DOSB will sich mit Berlin oder Hamburg um die Olympischen Spiele 2024 bewerben

Frankfurt - Am Tag nach dem wegweisenden Olympia-Beschluss gaben sich die Vertreter aus Sport und Politik alle Mühe, Optimismus zu versprühen. (Bericht: DOSB will Olympia 2024 in Deutschland)

"Es steht Deutschland gut zu Gesicht, sich um die Sommerspiele zu bewerben - wann, wenn nicht jetzt sollten wir das tun?", fragte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere.

Die Gegner der Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit Hamburg oder Berlin hatten gleich die passende Antwort parat.

"Der Kaiser ist nackt!"

"Berlin braucht vieles, aber keine Ausrichtung Olympischer Spiele. DOSB und Senat stehen schon jetzt ohne Kleider da. Der Kaiser ist nackt!", teilte das Bündnis NOlympia Berlin mit und kündigte einen harten Kampf an.

"Jetzt erst recht! Wir werden laut, bunt und entschlossen gemeinsam mit den Berlinerinnen und Berlinern unser Ziel verfolgen, die Stadt vor olympischer Verschwendung zu bewahren und Widerstand leisten. Volkssport statt Olympia", erklärte NOlympia Berlin.

Wie schlagkräftig der Widerstand ist, wird sich allerdings erst im kommenden Jahr zeigen.

De Maiziere verweist auf WM-Erfolg

Erst nach endgültiger Kür der Bewerberstadt am 21. März 2015 wird es ein Bürgerreferendum geben - die Gefahr, dass es wie beim Bemühen um Winterspiele in "München 2022" ein "Nein" der Bürger geben wird, droht weiterhin.

"Mit Furcht wird es ja nichts", sagte de Maiziere: "Natürlich kann man immer sagen, wir lassen lieber die Finger von jeder Großveranstaltung - wir haben aber den großen Erfolg der Fußball-WM oder Leichtathletik-WM gesehen."

Er warf ein: "Wenn wir andere Staaten, das IOC oder die FIFA kritisieren, dann ist diese Kritik nicht vollständig wenn wir nicht sagen, dass wir bereit sind, uns zu bewerben."

Für 2024 wird das aber zu viel des Guten sein.

EM 2024 als Problem für Olympia

Dass sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) höchstwahrscheinlich erfolgreich für die EURO in zehn Jahren bewerben wird, ist ein offenes Geheimnis der europäischen Fußballpolitik.

Da bleibt kein Platz für Olympia und das Internationale Olympische Komitee (IOC), dessen graue Eminenzen trotz des vermeintlichen Reformers Thomas Bach an der Spitze den Fußball als Konkurrenten um Aufmerksamkeit und Werbemilliarden kaum dulden werden.

Auch, wenn die deutschen Sportbosse geschlossen vom großen "Super-Sportjahr 2024" sinnieren.

Merkel hält sich bedeckt

Angela Merkel ließ über ihre Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz mitteilen, eine Bewerbung sei "grundsätzlich unterstützenswert", weil "ja die Austragung solcher Spiele immer auch für die Wirtschaft sehr interessant ist".

Für eine "konkrete politische Stellungnahme" war es der Bundeskanzlerin aber noch zu früh im Bewerbungsprozess.

Entscheidung am 6. Dezember

In der Politik der Bewerberstädte sorgte der DOSB-Zeitplan, der die generelle Entscheidung für eine Bewerbung bei der DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Dresden vorsieht, zwar für durchweg positive Reaktionen.

"Der Senat wird die Zeit weiter nutzen, um für das Berliner Konzept zu werben und es gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern weiterzuentwickeln", sagte Frank Henkel, Innen- und Sportsenator der Hauptstadt.

Man kann es aber auch so lesen, dass diese Zeit bitter nötig ist.

Umfragen wie beim Nein zu München

Die Umfragewerte, die vom DOSB per Forsa-Studie selbst eingeholt wurden, deuten auf eine 50:50-Entscheidung hin.

Der Tenor: Ja zu Olympia in Deutschland, aber nicht vor der eigenen Haustür.

Kurz bevor die Bewerbung für "München 2022" deutlich abgeschmettert wurde, gab es ein ähnliches Bild.

Und in Zeiten der Milliardenverschwendung bei Großprojekten wie dem Berliner Flughafen oder der Hamburger Elbphilharmonie - ausgerechnet in den Bewerberstädten - sind zum entscheidenden Zeitpunkt die Gegner, die "Wutbürger", einfacher zu mobilisieren als die Befürworter.

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