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Alföns Hörmann ist Präsident des DOSB
Alföns Hörmann ist Präsident des DOSB © Getty Images

DOSB-Präsident Alfons Hörmann (54) hat vor der womöglich hitzigen Diskussion mit den Spitzensportverbänden über den deutschen Olympia-Kandidaten am Sonntag den Druck erhöht.

Bei der Entscheidung für oder gegen die Sommerspiele stehe die nahe Zukunft des Spitzensports auf dem Spiel, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Ich bin überzeugt, dass siebzig, achtzig Prozent der Fachverbände diese These vertreten: Wir wollen Olympische und Paralympische Spiele. Ob in Berlin oder Hamburg, ist nicht vorrangig."

Das Votum der Verbände, mit denen die DOSB-Spitze am Sonntag (15 Uhr) zusammenkommt, "wird einen ganz wichtigen Faktor darstellen", sagte Hörmann: "Ich sehe aber bislang keine eindeutige Präferenz."

Die Entscheidung über die Empfehlung an die außerordentliche Mitgliederversammlung (21. März) fällt am Montag aber alleine das DOSB-Präsidium.

"Wir haben naturgemäß einen etwas anderen Blick auf die Dinge als diejenigen, die lokal oder in einer bestimmten Sportart unterwegs sind", sagte Hörmann: Die DOSB-Spitze trage eine "hohe Verantwortung. Die kann man aber nur übernehmen, wenn man auch Gestaltungsfreiheit hat, die Dinge zum Erfolg zu bringen."

Eine Niederlage - wenn die Olympia-Bewerbung im September an einem negativen Bürgerentscheid scheitern würde - hätte enorme Auswirkungen auf die Sportlandschaft.

"Wir dürfen uns nicht alleine auf die Frage Berlin oder Hamburg fokussieren und dabei das große Ganze außer Acht lassen", sagte Hörmann: "Wir entscheiden auch über den künftigen Weg des deutschen Spitzensports für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Wir stehen vor einer äußerst wichtigen Weichenstellung."

Der Spitzensport in Deutschland stehe "am Scheideweg", sagte der DOSB-Präsident: "Zudem ist die Vielfalt des Sports bedroht. Es geht also nicht nur um die Austragung der Spiele, um die zwei Mal zweieinhalb Wochen. Mindestens so wichtig sind der Weg dahin und die Nachhaltigkeit der Spiele. Es gibt kein anderes Projekt als Olympia, mit dem man so viel Rückenwind bekommen kann. Deshalb entscheiden wir über die Sportstruktur und -kultur in Deutschland 2030."

In einer repräsentativen Forsa-Umfrage (unter jeweils 1500 Bürgern) hatten sich in Berlin 55 Prozent, in Hamburg 64 Prozent für die Austragung der Spiele in ihrer Stadt ausgesprochen.

"Wenn wir nicht auf die internationale Ebene gelangen, weil die Bürger der ausgewählten Stadt nicht vollumfänglich in das Projekt gedanklich und emotional einsteigen, wenn wir über die Hürde nicht wegkommen, dann bekommen wir nicht den Schwung, den wir brauchen für die so dringend notwendige Entwicklung des Sports", sagte Hörmann.

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