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München - Hamburg schlägt Berlin, muss sich aber einer harten Realität stellen. Wieso ist die Entscheidung des DOSB trotzdem wichtig und wegweisend? Und wie geht es im Olympia-Rennen weiter? SPORT1 sagt, wie es jetzt weitergeht.

Hamburg also. Mit seiner Empfehlung hat sich der Deutsche Olympische Sportbund auf die Nord-Metropole als deutschen Kandidaten für Olympia 2024 festgelegt.

Hamburg geht zum ersten Mal ins Olympia-Rennen für Deutschland. Bis es wirklich ernst wird, haben die Organisatoren aber noch viele Hürden vor sich. (Die Reaktionen zur Entscheidung für Hamburg)

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Entscheidung vom Montag.

  • Wieso fiel die Wahl auf Hamburg?

Verbände und die vom DOSB eingesetzte Expertenrunde sprachen sich für Hamburg aus und überzeugten das Präsidium. Laut Präsident Alfons Hörmann passt die Stadt "genau zur Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees". Bedeutet: Berlin traute man es nicht zu, die Kosten entsprechend zu zügeln.

Außerdem hatten die neun Prozent Unterschied in Sachen Zustimmung für Olympia in repräsentativen Umfragen viel Gewicht. In Hamburg steht die Bevölkerung deutlich mehr hinter der Bewerbung. Berlins Bürger sehen im Moment deutlich wichtigere Probleme in ihrer Stadt und Olympia mehr als Risiko denn Chance.

  • Wieso ist Hamburg bereits jetzt als deutscher Bewerber sicher?

Der DOSB stimmt zwar erst am Samstag auf seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung endgültig über den deutschen Bewerber ab. Dabei gilt jedoch als sicher, dass die Empfehlung des Präsidiums vom Montag bestätigt wird.

Denn auch die Spitzenverbände stehen zu Hamburg: Laut DOSB-Präsident Alfons Hörmann meldeten sich in einer internen Abstimmung am Sonntag 18 von 33 für die Hansestadt, elf für Berlin.

  • Wie sind die deutschen Chancen?

Schlecht. Boston gilt schon jetzt als sicherer Sieger. 28 Jahre nach den Spielen in Atlanta sind die USA als wichtigster Olympia-Markt wieder dran. Außerdem passt die Hauptstadt von Massachusetts mit ihren knapp 650.000 Einwohnern perfekt ins IOC-Reformprojekt "Agenda 2020": alles mindestens eine Nummer kleiner, günstiger und vor allem nachhaltiger.

Zuletzt waren in einer Umfrage zwar nur noch 44 Prozent der Bürger Bostons für die Spiele, zudem drückt auch in Beantown dank eines Autobahntunnels ein komplett ausuferndes Milliardenprojekt auf die Stimmung. Das ändert aber nichts am Favoritenstatus. Rom geht außerdem ins Rennen, genau wie Baku, Doha und wahrscheinlich Paris.

Bis auf Baku dürften sie alle mindestens so gut im Rennen liegen wie der deutsche Bewerber. Interessant wird vor allem der dritte Anlauf Dohas: Für 2016 und 2020 schmetterte das IOC die Bewerbung der Kataris jeweils ab - zu heiß, völlig unrealistisch. Die einflussreiche Herrscherfamilie geht solche Projekte aber nicht zum Spaß an, sondern um zu gewinnen.

Zwischen all diesen Hochkarätern droht die deutsche Kandidatur zermalmt zu werden. Viermal seit München 1972 bewarb sich eine deutsche Stadt um Olympische Spiele, viermal gab es krachende Pleiten. Hinzu kommt: Der DFB bekommt wohl den Zuschlag für die Fußball-Europameisterschaft 2024. Zwei Ereignisse dieser Dimension in einem Land im gleichen Jahr sind ausgeschlossen.

  • Warum ist die Entscheidung trotzdem wichtig?

Was niemand laut sagt: Bürgermeister, Botschafter und auch Hörmann rechnen bereits mit einer Niederlage in dieser Runde. Entscheidender wird eine Bewerbung für die Spiele 2028 sein. Tokio, Rio de Janeiro, Peking oder Athen waren je mindestens einmal gescheitert, bevor sie den Zuschlag bekamen, genauso Pyeongchang oder Salt Lake City bei den Winterspielen.

Vier der wahrscheinlich fünf Konkurrenten für 2024 sind in den letzten zehn Jahren bereits ins Olympiarennen gegangen. Das IOC erwartet Hartnäckigkeit bei den Bewerbern. Mit Hamburg steht also de facto auch der Kandidat für das nächste Mal fest.

  • Wie geht es jetzt weiter?

September 2015: Wahrscheinlich Bürgerentscheid in Hamburg, ein genauer Termin steht noch nicht fest.
15. September: Ende der Anmeldefrist beim IOC
7. bis 9. Oktober: IOC-Info-Seminar für die Bewerberstädte für 2024
8. Januar 2016: Abgabe der Bewerbungsunterlagen und finanziellen Garantien beim IOC - das etwa 80-seitige sogenannte "Mini Bid Book"
April/Mai 2016: Benennung der offiziellen Kandidaten durch das IOC
5. bis 21. August 2016: Die Kandidatenstädte nehmen im Rahmen des Beobachterprogramms des IOC an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil
Kandidatenphase:
Januar 2017: Kandidaten müssen das erforderliche "Bid Book" einreichen
Februar/März 2017: Besuche der IOC-Evaluierungskommission in den Kandidatenstädten
Juni 2017: Bericht der IOC-Evaluierungskommission, Kandidatenstädte stellen sich den IOC-Mitgliedern vor
Sommer 2017: Wahl des Ausrichters der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 auf der 129. IOC-Session in Lima/Peru

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