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Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2024 läuft in Hamburg nicht alles wie geplant
Berlin und Hamburg wollen die Olympischen Spiele 2024 ausrichten © Getty Images

Vor der Entscheidung um die deutsche Olympiabewerbung 2024 fordern die Sportverbände mehr Einfluss. DHB-Präsident Bernhard Bauer will kein Erfüllungsgehilfe sein.

Das Rennen um Olympia geht auf die Zielgerade. Kurz vor der Entscheidung zwischen Berlin und Hamburg drängen die Spitzensportverbände unmissverständlich auf mehr Einfluss.

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DHB-Präsident Bernhard Bauer fordert mehr Einfluss der Verbände © Getty Images

Die Fachverbände seien "keine Erfüllungsgehilfen. Die Souveränität der Verbände muss berücksichtigt werden", sagte Bernhard Bauer, Präsident des mächtigen Deutschen Handballbundes (DHB), vor der Kandidatenkür am Montag.

Im Endspurt der wegweisenden Wahl zwischen der Haupt- und der Hansestadt als deutschem Olympiabewerber für die Spiele 2024 stehen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) damit noch einmal zwei Tage voller hitziger Diskussionen ins Haus.

Am Sonntag kommt es zum Treffen der olympischen Verbände, einen Tag später berät sich der DOSB mit Experten aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft.

Auswahlverfahren sorgt für Diskussionen

Schon bei der Mitgliederversammlung des DOSB in Dresden im vergangenen Dezember war Grummeln aus den Reihen der Spitzensportverbände zu vernehmen gewesen. Viele Vertreter fühlten sich beim Prozedere - das DOSB-Präsidiums schlägt einen Kandidaten vor, der dann in der Frankfurter Paulskirche wenige Tage später abgenickt wird - nicht ausreichend gewürdigt.

"Allein einer Krönungsmesse beizuwohnen, das kann es ja wohl nicht sein", sagte Handball-Boss Bauer den Lübecker Nachrichten. Er fühle sich an die DHB-interne Entscheidung, die am Wochenende getroffen wird, "auch bei der Mitgliederversammlung gebunden, auch wenn das DOSB-Präsidium eine andere Empfehlung ausspricht". Das Treffen in der Paulskirche könne man sich ansonsten "ja gleich sparen". "Das ist nicht rebellisch", sagte Bauer.

Verbände tendieren zu Berlin

Dem Vernehmen nach soll eine überwiegende Mehrheit der olympischen Verbände zu Berlin tendieren.

Zuletzt wurde von wichtigen Verbandspräsidenten auch die Forsa-Umfrage in den beiden potenziellen Bewerberstädten Stück für Stück heruntergespielt. Dort hatte Hamburg (64 Prozent) gegenüber Berlin (55 Prozent) die Nase vorn.

Für Berlin spricht das größere internationale Renommee, in Hamburg gilt die Zustimmung bei einer anstehenden Bürgerbefragung als sicherer. Beide Städte werden sich vor den Gremien noch einmal 15 Minuten präsentieren können. Die Entscheidung scheint völlig offen.

Bedeutung der Umfrage unklar

Wie wichtig die im Vorfeld so hoch gehandelte Umfrage letztendlich sein wird, ist aber immer noch nicht klar.

Wie genau die aufgestellten Kriterien gewichtet werden, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, wie sich die Expertenrunde zusammensetzt, die am Montag, wenige Stunden vor der Verkündung, ihre Empfehlungen abgibt.

Grüne üben Kritik

Bündnis 90/Die Grünen haben jedenfalls ihre Teilnahme an dem Treffen bereits abgesagt. In einem Schreiben an den Verband werfen Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Bundestagsfraktion, und der sportpolitische Sprecher Özcan Mutlu dem DOSB vor, Nachhaltigkeit, Transparenz und finanzielle Solidität wie auch echte und frühzeitige Bürgerbeteiligung im Rahmen der geplanten Olympiabewerbung nicht ausreichend sicherzustellen.

"Ich finde es schon ein Armutszeugnis, dass man da noch nicht mal daran teilnehmen möchte", erwiderte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper im Deutschlandfunk: "Wer kritisiert, sollte seine Kritik dann auch in eine solche Sitzung miteinbringen."

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