vergrößernverkleinern
DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Bürgermeister Olaf Scholz, Sportminister Thomas de Maiziere und Bewerbungs-Geschäftsführer Nikolas Hill präsentierten kürzlich das Bewerbungskonzept

Ein Kreis von Wissenschaftlern lässt in einer Studie kein gutes Haar an der Hamburger Bewerbung für Olympia 2024. Den Verantwortliche wird Manipulation vorgeworfen.

Hochrangige Hamburger Wissenschaftler haben die Olympiapläne der Hansestadt scharf kritisiert.

In ihrem "Positionspapier zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele 2024" nennen die Akademiker die Planungen des rot-grünen Senats "manipulativ".

Sechs Wochen vor dem Referendum am 29. November weisen die Wissenschaftler in acht Thesen auf die Risiken der Bewerbung hin.

"Aus unserer fachlichen Sicht lassen die Olympia-BefürworterInnen aus Politik, Wirtschaft, Sportmarketing und Verbänden bislang wesentliche Konfliktpunkte unerwähnt oder unbeantwortet", heißt es in dem Schreiben, das zwölf Professoren von vier Hamburger Hochschulen unterzeichnet haben und im Internet einsehbar ist.

"Manipulative Züge" bei Referendum

Zentrale Kritikpunkte sind das aktuell durchgeführte Beteiligungsverfahren für die Bürger und das geplante Referendum am 29. November.

Von "manipulativen Zügen" ist die Rede. "Aussagen pro Olympia stehen immer im Vordergrund ohne argumentative Abwägung. Die Fragestellung des Referendums ist tendenziös formuliert und setzt auf psychologische Antworteffekte, um möglichst viel Zustimmung zu erzeugen", heißt es.

Bei der Bürgerbefragung in der Hansestadt muss eine einfache Mehrheit für die Austragung der Spiele her, zudem müssen 20 Prozent aller Wahlberechtigten mit Ja stimmen - in Hamburg sind das etwa 260.000 von 1,3 Millionen Wahlberechtigten.

Werden die Zahlen nicht erreicht, muss der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die bereits eingereichte Bewerbung zurückziehen. Zuletzt war die Kampagne Münchens für die Winterspiele 2022 am Referendum gescheitert.

Stellungnahme gefordert

Die Wissenschaftler weisen zudem auch auf unkalkulierbare Kosten, soziale Verdrängung und fehlende ökologische Nachhaltigkeit hin.

Wesentliche Konfliktpunkte der Bewerbung blieben in der öffentlichen Diskussion bislang unerwähnt.

"Wir fordern den Senat und die Hamburgische Bürgerschaft als Initiatoren des Olympia-Referendums dazu auf, zu den genannten Risiken Stellung zu beziehen und damit den HamburgerInnen zu ermöglichen, ihre Entscheidung zur Olympiabewerbung sachgerecht abwägen zu können", schreiben die Verfasser.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel