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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und DOSB-Präsident Alfons Hörmann nach dem Ergebnis des Referendums
Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und DOSB-Präsident Alfons Hörmann nach dem Ergebnis des Referendums © Getty Images

Das Nein der Hamburger Bürger sorgt bei den Verantwortlichen des DOSB und den Befürwortern für Erschütterung. SPORT1 zeigt die Reaktionen zum Olympia-Referndum.

Olaf Scholz (Erster Bürgermeister Hamburg): "Hamburg wird sich nicht um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben. Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht, aber sie ist klar, und das Ergebnis ist zu akzeptieren."

Alfons Hörmann (DOSB-Präsident): "Für Sportdeutschland ist das Ergebnis ein herber Tief- und Rückschlag. Wir sind mit Hamburg aufgebrochen, um Sportdeutschland neue Perspektiven zu geben - diese Chance für die nächste Generation ist nun nicht gegeben. Unser Ziel ist es nun, Sportdeutschland ohne die Vision der Olympischen Spiele weiterzuentwicklen. Auf diesem Weg haben wir nun tendenziell mit Gegenwind anzutreten. Offensichtlich passen der olympische Gedanke und Deutschland im Moment nicht zusammen."

Thomas de Maizière (Bundesinnenminister): "Als Bundesinnenminister und damit auch Sportminister bedaure ich das heutige Votum. Leider ist es nicht gelungen, eine Mehrheit der Hamburger Bürger von der Idee Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland zu überzeugen."

 Wolfgang Schäuble (Bundesfinanzminister): "Olympia in Hamburg wäre eine tolle Chance gewesen. Es ist sehr schade. Man wird nun überlegen, woran es gelegen hat", sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend bei Günther Jauch in der ARD: "Wir hätten alles daran getan, es finanziell zu stemmen. Der Bund hätte Hamburg unterstützt, wenn auch nicht so, wie sich Hamburg das vorgestellt hatte."

Nikolas Hill (Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft): "Die Bürgerinnen und Bürger in Hamburg und Kiel haben abgestimmt – das Ergebnis könnte unterschiedlicher nicht sein. Das Ergebnis ist bitter für uns, aber als demokratische Entscheidung schlicht zu akzeptieren. Es ist deshalb klar: Ohne die mehrheitliche Unterstützung der Hamburgerinnen und Hamburger werden wir die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 nicht in unsere Stadt holen. Wir haben immer gesagt, dass die Bewerbung nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie von den Bürgerinnen und Bürgern wirklich gewollt ist und unterstützt wird."

Michael Vesper (DOSB-Vorstandsvorsitzender, bei Sky): "Wir sind in einer Demokratie, da gibt es keine einfachen Lösungen, wir müssen das akzeptieren, und das tun wir auch. Das Nein muss man analyisieren, dafür muss man sich Zeit nehmen und vielleicht auch noch eine Befragung durchführen. Im ersten Moment sagt man, jetzt ist auf Jahrzehnte keine Olympiabewerbung in Deutschland möglich. Aber darüber denken wir noch mal nach.

Der Rucksack, den wir getragen haben mit DFB- und FIFA-Krise, Doping in der Leichtathletik, Flüchtlingen und Terror war schwer, die Aufmerksamkeit war auf andere Ereignisse gelenkt. Ich will hier keine Ausreden vortragen, aber all das hat die Entscheidung sicher erschwert. Aber die Entscheidung ist gefallen, und damit ist das Projekt erledigt. Ich bin sehr traurig, und ich finde es auch falsch, aber ich muss damit leben. Ich war jahrzehntelang Politiker, ich habe viele Niederlagen eingesteckt, aber ich kann nur sagen: Das Leben geht weiter."

Alexander Otto (Olympia-Botschafter Hamburgs): "Ich bin überzeugt, dass die Spiele für Hamburg eine Jahrhundert-Chance gewesen wären. Die über lange Zeit sehr hohen Zustimmungsquoten haben gezeigt, dass viele Menschen die Spiele im Grundsatz befürworten. In den letzten Wochen haben aber zu viele politische Ereignisse bei zahlreichen Menschen zu Verunsicherung und Besorgnis geführt. Wir haben das Referendum immer als Alleinstellungsmerkmal Hamburgs gegenüber den anderen Bewerberstädten herausgestellt. Daher respektiere ich natürlich auch dieses Wählervotum und werde mich auch weiterhin für Hamburgs Sport engagieren."

Wolfgang Maennig (Ruder-Olympiasieger und Finanzexperte): "Eines ist klar: Die Terroranschläge in Paris haben nicht geholfen. Sie haben vielen Menschen Angst gemacht vor Massenveranstaltungen im Allgemeinen. Auch die aktuellen Korruptions- und Dopingskandale im internationalen Sport waren nicht werblich. Ansonsten gab es meines Erachtens ein zentrales Thema: Finanzen. Viele Menschen fragten: Woher nehmen wir die 1,2 Milliarden Euro, die Hamburg zur Austragung der Spiele beitragen wollte? Können wir das Geld nicht sinnvoller anlegen? Diese Fragen müssen wir besser beantworten, wenn wir in Deutschland noch einmal ins Rennen gehen wollen. "

Friedhelm Julius Beucher (Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes DBS): "Ich kann mir ohne Wenn und Aber nicht vorstellen, dass in Budapest 2024 die Jugend der Welt empfangen wird, wo heute Menschen, die um Leib und Leben fürchten und fliehen mit Tränengas und Stacheldraht empfangen werden."

Dietmar Beiersdorfer (Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV): "Es wäre eine große Möglichkeit für diese Stadt gewesen, ein gemeinsames Projekt für die Zukunft zu bestreiten. Das muss man erstmal verdauen. Ich dachte, dass es positiver ausgeht."

Frank Steffel (Bundestagsabgeordneter und Obmann im Sportausschuss für die CDU-CSU-Fraktion): "Auch als Berliner, der die Spiele zu allererst natürlich gern in Berlin gehabt hätte, bedauere ich das Nein für Hamburg. Denn damit platzt ein Traum von Millionen von Menschen, zu Lebzeiten Olympia im eigenen Land zu erleben. Selbst wenn eine Vielzahl an Argumenten gegen Olympia in der aktuellen Debatte nachvollziehbar sind, ist nun realistisch gesehen, Olympia für Deutschland bis 2040 oder gar 2050 gestorben."

Öczan Mutlu (sportpolitischer Sprecher Bündnis 90/Grüne, Mitglied des Sportausschusses): "Das Konzept von Hamburg war gut und nachhaltig, deshalb überrascht mich das knappe Ergebnis schon. Zumal es in den letzten Wochen eher nach einem Ja aussah. Der Stimmungswandel in der letzten Zeit ist nicht das Verschulden Hamburgs. Die Skandale rund um Fußball, unter anderem FIFA und DFB, oder der Dopingskandal in Russlands Leichtathletik haben den Menschen zu denken gegeben. Dadurch hat die Integrität des Sports in den letzten Monaten großen Schaden genommen. Das Ergebnis sollte uns allen zu denken geben. Wenn sich immer mehr Demokratien zurückziehen und Diktaturen und Oligarchen zunehmend die Spiele ausrichten, entsteht mittel- und langfristig ein großer Schaden, nicht nur für den Sport."

Julian Reus (Deutscher Rekordhalter über 100 m): "Schade, dass Hamburg und Deutschland nicht zeigen können, wie einzigartig Olympia in unserem Land hätte werden können."

Sebastian Bayer (Weitsprung-Europameister von 2012): "Habe die Katastrophe gerade gesehen. Das ist eine herbe Enttäuschung und ein klares Nein zum Sport."

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