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Hamburg entscheidet am Sonntag bei einem Referendum über die Olympia-Bewerbung für 2024
Hamburg entscheidet am Sonntag bei einem Referendum über die Olympia-Bewerbung für 2024 © Getty Images

Die Bevölkerung von Hamburg stimmt darüber ab, ob die Olympiabewerbung für die Spiele 2024 aufrechterhalten werden soll. SPORT1 beantwortet vorab die wichtigsten Fragen.

Die Bevölkerung von Hamburg stimmt am Sonntag darüber ab, ob die Olympiabewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die Olympischen Sommerspiele 2024 in Hamburg aufrechterhalten werden soll.

SPORT1 beantwortet vorab die wichtigsten Fragen zum Olympia-Bürgerreferendum in Hamburg.

Welche Mehrheiten sind dafür erforderlich?

Eine einfache Mehrheit von 50 Prozent plus X allein ist nicht ausreichend. Überdies müssen mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja stimmen. Rund 1,3 Millionen Menschen dürfen votieren, somit liegt das Quorum bei knapp 260.000 Stimmen. Werden diese Zahlen nicht erreicht, muss der DOSB die Bewerbung zurückziehen.

Wann gibt es erste Ergebnisse?

Wie bei politischen Wahlen schließen die Wahllokale um 18 Uhr. Ab 20 Uhr ist mit ersten Trends zu rechnen, das vorläufige amtliche Endergebnis soll bis 22 Uhr vorliegen.

Und was ist mit Kiel?

In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt, in der 2024 olympisch gesegelt werden soll, findet zeitgleich ebenfalls ein Referendum statt. Auch an der Förde ist eine einfache Mehrheit erforderlich, von den 198.000 Wahlberechtigten müssen mindestens acht Prozent (15.840) mit Ja stimmen. Sollte Hamburg für und Kiel gegen Olympia votieren, darf sich die Elbmetrople nach einem neuen Segelpartner umsehen, erster Kandidat wäre Rostock-Warnemünde.

Gehört ein Referendum zu den Bedingungen, die das IOC an eine Kandidatur knüpft?

Nein. Alle Hamburger Mitbewerber Los Angeles, Paris, Rom und Budapest verzichten auf eine solche Abstimmung. Hamburg hingegen will mit einer zusätzlichen demokratischen Legitimation beim IOC punkten.

Wie sehen die letzten Umfrageergebnisse aus?

Bundesweit sprachen sich zuletzt 64 Prozent der Befragten für Olympische Spiele in Hamburg aus, ungeachtet der Terror-Anschläge von Paris. Nicht ganz so groß ist derzeit die entscheidende Zustimmung in der norddeutschen Metropole selbst, in der vergangenen Woche waren es 56 Prozent der Hanseaten, die die Olympiabewerbung befürworteten.

Wieviel hat die Bewerbung bisher gekostet?

Schwer zu sagen. Seriöse Schätzungen gehen von rund sechs Millionen Euro aus. In erster Linie wurde diese Summe für Finanzplanungen und Architektenhonorare verwendet. Sollten die Hamburger am Sonntag der Bewerbung grünes Licht geben, sind bis zur Entscheidung 2017 in Lima 50 Millionen Euro veranschlagt.

Was wäre der nächste Schritt?

Die bisherige Absichtserklärung muss beim IOC bestätigt werden. Dafür müssen bis Mitte Februar erste Bewerbungsunterlagen zu den Themen Visionen, Konzept und Strategie der Spiele in Lausanne eingereicht werden.

Was würde eine Absage der Bürger bedeuten?

Nach den gescheiterten Bewerbungen von München um die Winterspiele 2018 (Niederlage gegen Pyeongchang) und 2022 (negatives Bürgervotum) wäre das Aus der Bewerbung für 2024 bzw. 2028 der ultimative Nackenschlag für den deutschen olympischen Sport. Abgesehen von einer tiefen Depression, die dies zu Folge hätte, hätte ein vorzeitiges Scheitern unabsehbare Folgen auf zahlreichen Ebenen, etwa für die Spitzensportförderung, die TV-Präsenz olympischer Sportarten (Fußball ausgenommen), für Sponsoren-Kooperationen und möglicherweise auch für die handelnden Sportfunktionäre. Die Hamburger Bewerbung ist die Triebfeder für den deutschen Sport in den kommenden Jahren. Ohne sie sieht es düster aus.

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