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Alfons Hörmann wurde auf der Mitgliederversammlung gefeiert © Getty Images

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat sich nach dem Aus der Hamburger Olympia-Bewerbung mit einer kämpferischen Rede die Rückendeckung der Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes gesichert.

Sechs Tage nach dem gescheiterten Referendum in der Hansestadt erhielt Hörmann für seine Ausführungen, in denen er zum Teil heftige Kritik an internationalen Sportverbänden übte und die Politik in die Pflicht nahm, auf der 12. Mitgliederversammlung des DOSB in Hannover minutenlangen Applaus und Standing Ovations der 456 anwesenden Delegierten.

"Wir stehen 25 Jahre nach der Wiedervereinigung und zehn Jahre nach der Gründung des DOSB vor einer neuen Epoche des deutschen Sports", sagte Hörmann: "Wir werden diese Herausforderung offensiv angehen. Wir haben hier die notwendige Kampfkraft entwickeln können. Wir werden mit großer Entschlossenheit daran arbeiten, dass die gesamte Gesellschaft in Deutschland die liebenswürdige Seite des Sports erkennt."

Selbstkritik übte er nach dem "Schlag in die Magengrube" in Hamburg kaum. "Ich würde es wieder tun, und ich würde es gleich tun", sagte Hörmann und verwies auf "eine einzige, entscheidende" Ausnahme, dass der Zeitrahmen zwischen der DOSB-Entscheidung für Hamburg bis zum Referendum zu knapp bemessen war: "Das wurde zur verhängnisvollen Stolperfalle." Man müsse sich nun "auf ein Jahrzehnt ohne Olympiabewerbung" einstellen und die "frei gewordenen Kräfte nach Hamburg nutzen".

Besonders den Fußball-Weltverband FIFA nahm sich Hörmann zur Brust: "Es ist einfach nur noch inakzeptabel und beschämend, was in dieser Organisation läuft. Diese Organisation hat uns viel Kredit in Hamburg und weit darüber hinaus versaut." Hörmann forderte: "Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden, um am Ende wieder Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Weniger heftig fiel Hörmanns Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus. "In unserem größten Verband wird jeden Tag Vorbildliches geleistet. Umso bitterer ist es, dass das Sommermärchen Schaden nimmt. Aber auch hier wird die Wahrheit siegen", sagte Hörmann.

Beißende Kritik erntete Finanzminister Wolfgang Schäuble für seine Botschaft unmittelbar nach dem gescheiterten Referendum, der deutsche Sport müsse wieder liebenswürdiger werden: "Das klingt vor allem in der Adventszeit gut und sympatisch. Machen wir doch einen Faktencheck in der Sportpolitik." Rhetorisch fragte Hörmann unter anderem, ob es liebenswürdig sei, dass die Finanzierung des Projekts "Jugend trainiert für Olympia" lange am seidenen Faden hing.

Deutlich pochte er auf die Autonomie des Sports, vor allem mit Blick auf die laufenden Verhandlungen mit dem Innenministerium über die Neustrukturierung der Spitzensportförderung.

Einer von der Politik angedachten Einrichtung eines "Bundesamtes für Sport" als zentrale Steuerungsstelle erteilte er eine klare Absage: "Das ist nicht unsere Vision. Ersparen Sie uns eine solche Entwicklung zurück in vergangene Jahrhunderte."

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