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IAAf-Präsident Sebastian Coe machte sich mehrfach vor Ort in Rio de Janeiro ein Bild von de aktuellen Lage © SPORT1 Grafik: Getty Images

Berlin - IAAF-Präsident Sebastian Coe sieht Rio de Janeiro gerüstet für Olympia. Im SPORT1-Interview nennt er Vorteile für die Stadt und lobt die deutschen Leichtathletik-Trainer.

Der Countdown läuft - und hat am Mittwoch eine magische Grenze erreicht: In 100 Tagen werden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro eröffnet.

Zu den Sportarten, die am meisten im Blickpunkt stehen, wird wieder die Leichtathletik gehören - ungeachtet aller Doping-Probleme in den vergangenen Monaten.

IAAF-Präsident Sebastian Coe selbst gewann 1980 und 1984 Gold über 1500 Meter. 2012 war der "Ritter des britschen Empires" erfolgreicher Organisator der Sommerspiele in London.

Im zweiten Teil des Interviews mit SPORT1 spricht Coe über seine Erinnerungen an die Spiele in seinem Heimatland, seine Erwartungen an Rio und seine Meinung zur Leichtathletik in Deutschland (Hier gehts zum ersten Teil des SPORT1-Interviews mit Sebastian Coe mit dem Themenschwerpunkt Doping).

SPORT1: Herr Coe, wie oft kommen in diesen Tagen die Erinnerungen an 2012 zurück- jetzt, da die Olympischen Spiele in Rio anstehen?

Sebastian Coe: Ich denke häufig an 2012 zurück. Das war der Höhepunkt - auch für mich. Es war die Leidenschaft für die olympische Bewegung, die mich getrieben hat. Und die Leidenschaft für meinen Sport, seit ich 1969 oder 1970 zum ersten Mal einem Leichtathletik-Club beigetreten bin. Es war also ein großer Moment für mich. Denn ich weiß nun, dass eine olympische Bewerbung das härteste und intensivste Projekt ist, das eine Gruppe von Menschen übernehmen kann. Eine olympische Bewerbung ist für jede Stadt - ganz gleich, in welchem Land oder auf welchem Kontinent - eine herausfordernde Erfahrung.

SPORT1-Onlinechef Martin Volkmar (r.) mit Sebastian Coe © SPORT1

SPORT1:Ist Rio de Janeiro vorbereitet auf die Olympischen Spiele?

Coe: Ja, das ist es. Ich habe die Entwicklung sehr genau verfolgt. Ich bin seit 2009 mindestens einmal pro Jahr dort gewesen und habe viele Veränderungen erleben dürfen - nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch bei der Infrastruktur. Und ich habe auch gesehen, dass der Sport zur Befriedung unter den Menschen beiträgt - besonders in den Favelas. Genau so sollte eine Stadt mit den Olympischen Spielen umgehen.

SPORT1: Denken Sie, die derzeitigen politischen Probleme im Land werden die Spiele negativ beeinflussen?

Coe: Schwer zu sagen. Wir sitzen hier in Europa - weit entfernt von der dortigen politischen Situation. Natürlich ist es immer besser, wenn die politische Lage eine stabile ist. Aber all die Partnerschaften, die die Olympischen Spiele entstehen lassen, gehen auch über das politische hinaus.

SPORT1: Wo sehen Sie die größte Herausforderungr?

Coe: Rio hat eine herausfordernde Geografie für die Spiele. Es kommt sehr selten vor, dass man eine derartige Lage hat wie in Peking, wo alles sehr flach ist. Die meisten Städte stellen eine Herausforderung für die Veranstalter dar. Ich denke da nur an Sydney, das einige Gemeinsamkeiten mit Rio hat. Derlei Herausforderungen führen dazu, dass die Menschen kreativ werden.

SPORT1: Sie sind diesmal nicht mehr als Organisator, sondern als Präsident der IAAF dabei. Was können die Menschen von der Leichtathletik bei den Olympischen Spielen erwarten?

Coe: Unsere Disziplinen bilden die wichtigsten bei den Olympischen Spielen. Viele Sportarten sind wichtig und wecken das Interesse der Menschen, aber wenn man ganz ehrlich ist und die Augen schließt und an die Spiele denkt, denkt man unweigerlich an die Leichtathletik. Die meisten Menschen assoziieren die Spiele mit diesen Disziplinen. Zugleich sind die Spiele aber auch wichtig für die Leichtathletik. Denn eine größere Bühne könnte es nicht geben, um eine Sportart zu präsentieren.

SPORT1: Wie sehen Sie Deutschland im leichtathletischen Bereich?

Coe: Ich sehe Deutschland auf einer sehr hohen Position - sowohl in der jetzigen Situation als auch in der Vergangenheit. Die deutschen Trainer gehören zu den besten der Welt, die deutschen Sportzentren ebenso und auch die deutschen Sportprogramme. Deutschland hat also auch in wissenschaftlicher und soziologischer Hinsicht Bedeutendes geleistet. Der Deutsche Leichtathletik-Verband ist sehr wichtig und ich unterhalte sehr gute Beziehungen zu ihm.

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