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Die Spiele in Rio (hier der Olympic-Park) stehen unter besonderer Beobachtung
Die Spiele in Rio (hier der Olympic-Park) stehen unter besonderer Beobachtung © Getty Images

Wegen des Zika-Virus fordern Wissenschaftler und Ärzte eine Verlegung der Olympischen Spiele in Rio. Eine Durchführung der Spiele sei "unethisch". Die WHO kontert.

Wegen der besorgniserregenden Ausbreitung des neuartigen Zika-Virus in Brasilien drängt eine Gruppe von 150 internationalen Ärzten und Wissenschaftlern auf eine Verlegung oder Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August).

Die Spiele wie geplant auszutragen, wäre "unverantwortlich" und "unethisch", hieß es in einem offenen Brief der Mediziner an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag.

"Unsere vornehmliche Sorge gilt der globalen Gesundheit. Der brasilianische Zika-Stamm gefährdet die Gesundheit in einer Art und Weise, welche die Wissenschaft vorher noch nicht beobachtet hat", schrieb die Gruppe: "Es ist ein unnötiges Risiko, wenn 500.000 Touristen aus aller Welt die Spiele besuchen, sich womöglich mit dem Virus infizieren und ihn mit nach Hause nehmen, wo er endemisch werden kann. Vor allem in armen, bislang nicht betroffenen Ländern in Südasien oder Afrika könnte riesiges Leid entstehen."

Die WHO sprach einer solchen Maßnahme wenig später allerdings die Sinnhaftigkeit ab. Eine Verlegung oder Verschiebung der Spiele würde die Ausbreitung des Virus "nicht signifikant beeinflussen", hieß es in der Mitteilung: "Brasilien ist eines von fast 60 Ländern, die momentan die Übertragung des Virus durch Moskitos melden. Die Menschen bereisen diese Länder aus einer Vielzahl von Gründen. Die beste Möglichkeit, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, ist, die Reisehinweise zu beachten."

Bislang wird lediglich Schwangeren davon abgeraten, in die betroffenen Gebiete zu reisen.

Das von der Stechmücke Aedes aegypti übertragene Zika-Virus soll bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind zur Folge haben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach im Zusammenhang mit Zika von einem "öffentlichem Gesundheitsnotstand internationalen Ausmaßes".

Laut letztem WHO-Zika-Report vom 4. Mai ist der Krankheitserreger in 57 Ländern und Hoheitsgebieten aktiv, 37 davon auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent.

Brasiliens Gesundheitsbehörde vermeldete in ihrem jüngsten epidemiologischen Bericht 91.387 Verdachtsfälle im Jahr 2016, ein Drittel davon bereits bestätigt.

Mit 25.930 wahrscheinlich auf den Virus zurückzuführenden Erkrankungen ist das Bundesland Rio de Janeiro nationaler Spitzenreiter.

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