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Jelena Issinbajewa
Elena Isinbaewa müsste auf Olympia 2016 verzichten © Getty Images

In Wien entscheidet das Council des Leichtathletik-Weltverbandes ob die Suspendierung russischer Leichtathleten über die Sommerspiele bestehen bleibt. Die Fragen und Antworten.

Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF entscheidet auf seiner letzten vorolympischen Sitzung am Freitag in Wien, ob die im November wegen systematischen und staatlich organisierten Dopings ausgesprochene Suspendierung des russischen Leichtathletik-Verbandes RUSAF über die Sommerspiele in Rio de Janeiro bestehen bleibt. 

SPORT1 zeigt die wichtigsten Fragen und Antworten zum möglichen Olympia-Ausschluss

Welche Entscheidungen sind möglich?

Die wahrscheinliche und folgerichtige: Die Russland-Task-Force der IAAF empfiehlt dem Council, die Russen weiterhin zu sperren, und das Council folgt der Empfehlung. Möglich ist auch eine Wiederzulassung auf Bewährung vor der EM in Zürich (7. bis 10. Juli), unwahrscheinlich eine sofortige Aufhebung der Sanktionen in Gänze. Als letzte Möglichkeit bleibt ein - wie auch immer gearteter - Kompromiss, der sowohl der IAAF wie auch dem Internationalen Olympischen Komitee erlaubt, Gesicht und Linie zu wahren. Das IOC ist kein Freund von Kollektivstrafen.

Was spricht für Russlands Wiederaufnahme?

Objektiv gesehen: wenig bis gar nichts. Laut des neuesten Berichts der WADA, der am Mittwoch öffentlich wurde, sind die Mängel im Anti-Doping-Kampf weiterhin gravierend. So hätten zwischen dem 15. Februar und dem 29. Mai dieses Jahres insgesamt 736 geplante Dopingkontrollen aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt werden können, der Zugang zu den Sportlern sei den internationalen Kontrolleuren in großem Ausmaß erschwert worden. Nach ARD-Recherchen sind einschlägig belastete und gesperrte Trainer weiterhin aktiv. Zudem werfen die Ergebnisse der Nachtests von Olympia 2008 und 2012 sowie die zahlreichen positiven Tests auf Meldonium ein noch schlechteres Licht auf das russische System. 

Bleibt die IAAF hart, wäre der Start russischer Leichtathleten dann ausgeschlossen?

Nein. Hausherr der Olympischen Spiele ist das IOC, nicht die IAAF. Die obersten Olympioniken könnten auch nach einem generellen IAAF-Bann gegen den russischen Verband auf Einzelfall-Basis "saubere Russen" zulassen. Diese müssten durch zusätzliche unabhängige Tests Nachweise ihrer Unbescholtenheit erbringen und könnten dann auch unter russischer Flagge in Rio starten. Die IOC-Spitze kommt am Dienstag nach der IAAF-Entscheidung in Lausanne mit Vertretern der Spitzenverbände zusammen und berät über Kollektivsanktionen. 

Welche historische Dimension hätte ein Ausschluss? 

Eine große. Ausschlüsse von Olympischen Spielen gab es bereits aus politischen Gründen, beispielsweise für Deutschland nach den Weltkriegen oder für Südafrika wegen dessen Apartheids-Politik. Ein Ausschluss eines Landes oder eines Landesverbandes wegen Sportbetruges wäre ein Novum, in Rio aber womöglich kein Einzelfall: Auch Bulgariens Gewichtsheber stehen aufgrund fortgesetzter Dopingpraktiken vor dem Aus.

Welche Topstars würden im Falle eines Ausschlusses fehlen?

Allen voran Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa, die sich mit ihrem dritten Olympia-Gold in den Ruhestand verabschieden wollte. Zudem träfe es die amtierenden Weltmeister Sergej Schubenkow (110 m Hürden) und Marija Kutschina (Hochsprung). 

Wie sieht es mit anderen Sportarten aus?

Die Meldungen über Manipulation bei den Winterspielen in Sotschi und über vertuschte Dopingtests bei den Schwimmern lassen darauf schließen, dass sich die Problematik nicht nur auf die Leichtathletik beschränkt. Ein Ausschluss des kompletten russischen Teams von den Spielen in Rio wird in den kommenden Wochen garantiert noch zum Thema. 

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