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OLY-IOC
Ein Whistleblower klagt über das Desinteresse des Internationalen Olympischen Komitees © Getty Images

Witali Stepanow brachte den Doping-Skandal in Russland mit seinen Insider-Informationen erst ins Rollen. Das IOC soll daran allerdings wenig Interesse gezeigt haben.

Whistleblower Witali Stepanow hat erneut schwere Vorwürfe gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) erhoben.

Der frühere Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA fühlt sich hartnäckig vom IOC ignoriert, obwohl er durch seine Aussagen in der ARD-Sendung "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" den Doping-Skandal in Russland ins Rollen gebracht hatte.

"Die Funktionäre sagen, sie wollen Doping stoppen, und ich habe gesehen, dass das IOC eine Ethikkommission hat. Die müsste doch interessiert sein, uns kennenzulernen und etwas über unsere Motivation zu erfahren", sagte Stepanow via Skype der Süddeutschen Zeitung und ergänzte: "Ich bin enttäuscht von der Ethikkommission."

Wie Stepanow weiter berichtete, habe er einmal eine Viertelstunde mit Richard Budgett, dem IOC-Medizindirektor, geskypt. "Ich glaube, er wollte sehen, wer wir sind", sagte Stepanow. Mehr Fragen habe es von Seiten des IOC nicht gegeben, obwohl IOC-Präsident Thomas Bach Whistleblower angeblich ermutigen wollte, Betrüger zu outen.

Gespräche mit Offiziellen verliefen enttäuschend

Stepanows Frau Julia, eine Spitzenläuferin, ist seit 2013 wegen Auffälligkeiten in ihrem Blutpass gesperrt. Stepanow vermutet, dass die fortdauernde Sperre auf ihre Aussagen über russische Doping-Praktiken zurückzuführen ist. Der Whistleblower wandte sich an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Doch das Gespräch mit WADA-Chef Craig Reedie verlief ebenfalls enttäuschend. Sie hätten ihm bestätigt, dass sie "Briefe in Julias Sinne an das IOC und IAAF geschickt haben". Offenbar gab es aber keine positive Reaktion.

Stepanow wohnt mit Frau Julia und einem gemeinsamen Kind in den USA. "Wir fühlen uns einigermaßen sicher", sagte der Familienvater. "Und wir haben einen neuen Teamkollegen", sagte Stepanow in Anspielung auf Gregori Rodtschenkow.

Der frühere Leiter des Anti-Doping-Labors von Sotschi hatte in der New York Times von einem staatlich gestützten Doping-System gesprochen. Bei Olympia in Sotschi 2014 seien mehrere Dutzend russische Sportler, darunter mindestens 15 Medaillengewinner, gedopt an den Start gegangen, so Rodtschenkow.

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