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Brasilien testete seine Top-Sportler vor den Spielen nicht mehr
Sportmediziner Perikles Simon sieht Doping weiter dramatisch auf dem Vormarsch © Getty Images

Vor den Olympischen Spielen in Rio ist Doping das alles überstrahlende Thema. Doping-Forscher Perikles Simon glaubt sogar an die gedoptesten Spiele aller Zeiten.

Sportmediziner Perikles Simon sieht Doping nach den jüngsten Enthüllungen in Russland weiter dramatisch auf dem Vormarsch und hält das internationale Kontrollsystem für gescheitert.

Angesichts des riesigen pharmakologischen Angebots für Athleten und der limitierten Möglichkeiten im Testbereich sei "historisch gesehen der Tiefpunkt in der Dopingbekämpfung erreicht", sagte der Wissenschaftler der Süddeutschen Zeitung.

"Wir wissen im Grunde, dass Russland überall ist, nur in anderer Form", sagte Simon. Weniger durch das Kontrollsystem, dafür mehr durch die Recherche von Sportjournalisten habe man jüngste Erkenntnisse über Doping-Praktiken gewonnen.

Mehr Doping als je zuvor

Simon spricht davon, dass die gedoptesten Olympischen Spiele aller Zeiten im August in Rio de Janeiro bevorstehen.  Hinweise darauf erkennt er an den Trainingsumfängen der Sportler: "Ich habe kürzlich Trainingspläne gesehen für ein Höhentrainingslager, Mittel- und Langstrecke, da muss ich sagen: Leute, das könnt ihr mit gedopten Athleten machen, aber mit Ungedopten ergibt diese Form des Höhentrainings gar keinen Sinn."

Er geht im Anschluss näher auf die Pläne ein, spricht über Großbritanniens Leichtathleten. Die, "die jetzt in Kenia waren, um sich dort offenkundig mit Epo versorgen zu lassen, haben Programme trainiert, von denen wir sagen müssen: Das kann nicht sinnvoll sein, das überlebt man sozusagen nicht als sauberer Athlet."

Auch Deutschland betroffen

Auch für die deutschen Sportler würde Simon seine Hand nicht ins Feuer legen: "In Deutschland können wir aktuell noch gar nicht richtig dahinterblicken. Aber wenn die Aufdeckungen in der Geschwindigkeit weitergehen, sind wir auch bald dran, was natürlich auch im Interesse der sauberen deutschen Athleten sein sollte."   

Indirekt gefördert werde Doping auch durch Aussagen wie die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière. "Auch jetzt fordert der Innenminister 30 Prozent mehr Medaillen, und so lange es da kein plausibles Konzept gibt, wie diese Medaillen entstehen sollen, gehe ich wie etliche meiner Kollegen davon aus, das wir so etwas eigentlich nur durch Doping erreichen können."

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